Schermbeck: In der Mühle deutsche Küche neu erleben

Schermbeck : In der Mühle deutsche Küche neu erleben

In der Gahlener Traditions-Gaststätte gegenüber der Kirche hat in der Küche jetzt der Schermbecker Benjamin Weidemann das Sagen. Der 27-Jährige hat in Gourmet-Tempeln und Landgasthöfen reichlich Erfahrung gesammelt.

Juniorchef Thorsten Benninghoff (35) kann sich noch an die Zeiten erinnern, in denen die Theke der elterlichen Gaststätte "Zur Mühle" im Herzen von Gahlen vor allem an den Wochenenden umlagert war. Hier trafen sich bis in die 90er Jahre hinein die Jugendlichen des Dorfes und die Vereine. Hier saßen vor allem Männer an den Stammtischen, um bei Pils und Korn lautstark über Politik zu diskutieren. Beim Eintritt in die gemütliche Kneipe schlug einem ein ganz eigenwilliger Duft entgegen: eine Melange aus Zigarettenqualm und Pommes-mit-Schnitzel. Es war die Zeit, an die sich die Generation Ü 40 etwas wehmütig erinnert.

Das panierte (Champignonrahm)Schnitzel mit Pommes frites steht noch heute auf der Speisekarte des 1902 gegründeten Familienbetriebs an der Kirchstraße. Ansonsten aber hat sich gerade in jüngster Zeit einiges geändert in der "Gastwirtschaft E. Benninghoff", wie auf der Hausfassade zu lesen ist. "Das war auch nötig, denn die Bedürfnisse der Gäste haben sich verändert. Und wir haben uns darauf eingestellt", sagt Hotel-Betriebswirt Thorsten Benninghoff, der dem Gast von der RP einen Platz an dem großen runden Eichentisch anbietet. Einige Augenblicke später kommt Benjamin Weidemann dazu. Den 27-jährigen Schermbecker hat Thorsten Benninghoff im Herbst als neuen Küchenchef eingestellt und damit ein neues Kapitel in der Chronik des gastlichen Hauses eingeläutet, das sich auch Hotel nennt und 22 Zimmer anbietet. Denn was in der rustikalen Gaststube serviert wird, braucht keinen Vergleich zu scheuen. Weidemann ("Mir war schon als Elfjähriger klar, dass ich Koch werden würde") ist ein erfahrener, viel gereister und leidenschaftlicher Meister am Herd, der mit hochwertigen, frischen und regionalen Produkten bei den Gästen punkten will. Sein Handwerk hat er in Velbert im Haus Stemberg gelernt. Das Gourmetrestaurant wurde 2009 erstmals mit einem der begehrten Michelin-Sterne ausgezeichnet - kurz nachdem Weidemann dort seine dreijährige Lehre abgeschlossen hatte. "Ich habe also auf Sterne-Niveau gekocht", sagt er nicht ohne Stolz.

Für einige der gut 400 Rezepte, die er während seiner Lehr- und Wanderjahre unter anderem in Dänemark und Norwegen, in der Küche des Ingolstädter Nobelhotels Heidehof und im Maximilian in Oberammergau aufgeschrieben hat, musste er sogar bezahlen. "50 Euro wollte der Chef im Haus Stemberg beispielsweise für die fantastische Currywurstsoße haben. Und ich muss sagen, die Investition hat sich gelohnt." Vor allem die hungrigen Kegler in der Mühle - wegen der zahlreichen Schließungen von Gaststätten in Hünxe orientieren sich immer mehr Gäste Richtung Schermbeck/Dorsten - ordern sie besonders gern. Natürlich mit Pommes. Was die Soße so einzigartig macht, will Benjamin Weidemann nicht verraten. "Ich sage nur, dass etwas Zimt drin ist." Für Feinschmecker stehen unter anderem geschmorte Kalbsbäckchen, weißer Heilbutt mit Tomaten-Risotto oder eine Maishähnchenbrust mit asiatischem Gemüse auf der Karte. Hauptgerichte kosten zwischen 11,90 bis 24,90 Euro - also durchaus erschwinglich.

Weil er nicht nur in Gourmetküchen, sondern auch in guten Landgasthöfen - wie Pannebecker in Damm - gearbeitet hat, stehen auf der Mühlen-Speisekarte auch Hausmannskost-Klassiker wie Rinderkraftbrühe, gebratene Blutwurst sowie gekochtes Rindfleisch mit Zwiebelsoße, Wildspezialitäten und natürlich Steaks. "Das Entscheidende ist die Fleischqualität. Wir bevorzugen Schweinefleisch vom Bunten Bentheimer und argentinische Steaks von Rodeo. Das ist ganz hervorragend", sagt Weidemann.

Doch es sind nicht nur die liebevoll zubereiteten Gerichte, die die Gäste anlocken. "Immer mehr Leute möchten Geschichten rund um das Essen hören. Sie wollen wissen, woher die Zutaten kommen und sich wohlfühlen", sagt Benninghoff. "Bei uns herrscht eine lockere, schöne Atmosphäre, hier wird viel gelacht. Und wer möchte, kann sich beim Küchenchef auch selbst bedanken, wenn er besonders zufrieden war." - "Aber auch Kritik nehme ich immer an", sagt der Küchenchef und lacht.

Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 18 bis 21.30 Uhr, sonntags auch von 12 bis 14 Uhr. montags und dienstags Ruhetag. Kontakt: Tel. 02853 918400; www.gaststaette-zur-muehle.de

(RP)
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