IG Metall fordert: Borgers in Dingden muss bleiben

IG Metall fordert : „Dingden muss bleiben“

Die Gewerkschaft IG Metall will das angekündigte Aus für das Dingdener Werk der Firma Borgers mit 350 Arbeitskräften nicht tatenlos hinnehmen. Das hat Hans-Joachim Hebing, erster Bevollmächtiger der IG Metall Bocholt, im Vorfeld der bald startenden Verhandlungen mit der Borgers-Geschäftsführung angekündigt.

Er sieht auch Erklärungsbedarf bei der Tatsache, dass zwar in Tschechien und Polen die Werke nicht rund laufen, in Dingden allerdings die Produktion gestoppt werden soll. „Für uns ist das Werk in Dingden noch nicht geschlossen“, sagt Hebing.

Bei einer Demonstration in Bocholt hat die IG Metall jetzt ihre Solidarität mit den Borgers-Arbeitern zum Ausdruck gebracht. „Dingden muss bleiben“ hieß es auf einem Plakat. Doch auch die Gewerkschaft weiß: Der Standort Dingden ist nicht der produktivste in der Werkspalette des weltweit agierenden Textilunternehmens mit 7600 Mitarbeitern, die Dämmstoffe für die Autoindustrie herstellen.

Der Fall liege komplizierter, es gebe keine einfachen Antworten – das teilt das Unternehmen Borgers über seine Kommunikationsabteilung mit. Zur Problematik, dass sich in Tschechien keine Arbeitskräfte finden lassen, man aber konsequent in Dingden ein Werk schließt, will man sich zum jetzigen Zeitpunkt mit Blick auf die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite nicht äußern, hieß es.

Zur Demonstration der IG Metall in dieser Woche folgte jedoch eine kurze allgemeine Pressemitteilung: „Selbstverständlich hat das Management von Borgers großes Verständnis für die Ängste und Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber: Das Management hatte die Gründe für die Schließungsabsicht ausführlich erläutert. Dabei ist klar herausgestellt worden, dass dieser Schritt – als ein Baustein innerhalb des geplanten, umfangreichen Restrukturierungsprogramms – leider unvermeidlich ist, um die Gruppe als Ganzes wieder in die Erfolgsspur zu führen.“ Im Vorfeld der Gespräche mit den Arbeitnehmern wolle man die Entwicklungen nicht weiter kommentieren. Gewerkschaftler Hebing allerdings will sprechen.

„Eine Reihe von unternehmerischen Entscheidungen war falsch“, sagt er. Hebing sieht schon jetzt Erklärungsbedarf. Borgers sei für die IG Metall ein wichtiger Betrieb. Er sieht eine Verantwortung für die Unternehmensentwicklung nun auch bei Banken und der Automobilindustrie: Die würde den Preisdruck auf Borgers hoch halten und so das Unternehmen in eine zu große Abhängigkeit führen. Borgers, so erklärte Hebing, siedele sich mit seinen Werken oft in der Nähe von Automobilstandorten an, im Falle des in Alabama geschlossenen Werkes etwa direkt neben Mercedes. Arbeitskräfte würden dann wegen höherer Löhne oft direkt zum Automobilproduzenten wechseln. Entsprechend habe Borgers Probleme, Fachkräfte zu finden.

Während in Dingden Arbeitsplätze zurückgefahren wurden, habe man die Ausstattung der Scania-Lkw etwa nach Polen verlagert. Dort habe es aber Probleme mit dem Werk gegeben. Nun fordert Hebing, Teile der Produktion zurück nach Bocholt und Dingden zu holen. In Tschechien, so hatte es das Unternehmen selbst mitgeteilt, fehlten Arbeitskräfte. Hebing sagt: „Billiger produzieren im Ausland klappt nicht immer. Die Lohnkosten sind in Tschechien zuletzt deutlich stärker gestiegen als in Deutschland.“

Auf zwei Ebenen wird nun verhandelt: Auf der betrieblichen Ebene verhandelt über die Werksschließung Dingden der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber. Über tarifliche Fragen bei den verbleibenden Kollegen des Bocholter Werkes hingegen verhandelt die IG Metall. Basis dieser Verhandlungen soll ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger sein, das Ende Februar vorliegen soll. Für Firmenchef Werner Borgers ist es ein Wiedersehen mit der Vergangenheit: Ab 1999 arbeitete er für Roland Berger.

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