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Idunahall in Schermbeck: Alte Ansichtskarte bei Auktion gefunden

Idunahall in Schermbeck : Alte Ansichtskarte bei Auktion gefunden

Der historische Bilddruck der Ziegelei Idunahall ist 110 Jahre alt. Die Frage bleibt, was die Verfasser François und Edouard im September 1910 in Schermbeck wollten.

Was immer auch François und Edouard im September 1910 in Schermbeck gewollt haben, das wird uns wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Die Ansichtskarte, die sie der Familie De Beys ins belgische St. Job schickten, verrät nichts über ihre dortigen Absichten.

Für die Ortsgeschichte beziehungsweise für die Wirtschaftsgeschichte Schermbecks bedeutet der schöne Bildgruß ein ausgezeichnetes Dokument der Schermbecker Ziegelindustrie. Die Ansichtskarte, die ein Dammer Heimatforscher aus einer Kölner Samrnlung erwerben konnte, muss zwischen 1908 und 1910 entstanden sein, wie der Poststempel vom 11. September 1910 und die Gründung der abgebildeten Iduna-Werke im Jahre 1908 beweisen.

Das Schermbecker Unternehmen ist im Jahre 1908 als Gewerkschaft gothaischen Rechts gegründet worden. Da nach obliegenden gesetzlichen Bestimmungen eine derartige Gesellschaft in Preußen keinen Grundbesitz erwerben durfte, wurde gleichzeitig eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter dem Namen Tonindustrie GmbH Schermbeck gegründet. Sämtliche Anteile der letztgenannten Gesellschaft waren im Besitz der Gewerkschaft Idunahall.

Bereits drei Jahre nach dem Zeitpunkt, als François und Edouard das Bild der Iduna-Werke aus Schermbeck „entführten“, betrug die Produktion des Werkes bei voller Ausnutzung der beiden Ringöfen sechs Millionen Dachziegel. Die abgebildeten Gebäude brannten 1942 vollständig ab.

Die Firma Idunahall, die seit 1977 zu der in Zetel ansässigen Firma Röben gehörte, hat zum Jahresende 2005 ihren Betrieb eingestellt. Über 50 Beschäftigte waren von der Schließung betroffen. Das Firmengelände wurde im Jahre 2007 verkauft. Ein niederländischer Investor erwarb daraufhin die gesamte Liegenschaft im Winkel zwischen Maassenstraße und Alte Poststraße, trat aber wieder zurück, als er merkte, dass man hemdsärmelig ohne behördliche Genehmigungen nicht so einfach mit einer Industriebrache umgehen kann.

Zwischen April 2008 und Oktober 2010 kauften dann die Investorengesellschaft Stender + Riegel Gewerbepark 2 GmbH sowie die Tiefbaufirma Jan Sligchers & Söhne GbR von der liquidierten holländischen Gesellschaft Hego das Gelände und ein kleines Teilstück, das zuvor der Feldbahnbetreiber Andreas Knopf erworben hatte. Da die Gewerbeflächen im Gemeindegebiet insgesamt rar geworden sind, bemüht sich die Gemeinde derzeit intensiv darum, einen Weg zu finden, um das 59.000 Quadratmeter große Areal einer gewerblichen Nutzung zuführen zu können.