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Günter Kohls: "Ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus"

Günter Kohls : "Ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus"

16 Jahre hat Oberstudiendirektor Günter Kohls die Geschicke des Weseler Berufskollegs gelenkt. Jetzt tritt er in den Ruhestand.

WESEL/Hamminkeln Der Mann hat viel bewegt: Als Günter Kohls 1998 die Leitung des Weseler Berufskollegs in der Feldmark übernahm, wurden in der mittlerweile größten Schule im Kreisgebiet gut 2000 junge Leute unterrichtet. Aktuell sind es 3400. Auf diese Zahl und auf die Tatsache, dass die Durchschnittsnoten seiner Schüler überdurchschnittlich gut sind, ist der aus Viersen stammende Wahl-Hamminkelner stolz. Gestern zog der 65-jährige Oberstudiendirektor im Gespräch mit der RP eine überaus positive Bilanz seines Berufslebens.

Wann werden Sie offiziell als Schulleiter verabschiedet?

Kohls Offiziell gar nicht. Ich habe in meinem Berufsleben viele ausschweifende Verabschiedungen erlebt, das möchte ich nicht haben. Donnerstagabend sage ich meinen 160 Kolleginnen und Kollegen bei einem Grillfest auf Wiedersehen, am Freitag nach der Zeugnisausgabe setze ich mich unserem Führungsteam und den Schulsekretärinnen zusammen. Ende des Monats ist dann ganz Schluss. Bis dahin habe ich hier noch einiges zu tun.

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Unter Ihrer Leitung hat das Berufskolleg mächtig an Image gewonnen. Auch durch Großbauprojekte und neue Bildungsgänge.

Kohls Und darauf bin ich tatsächlich auch ein wenig stolz. Als ich 1998 nach drei Jahren im NRW-Schulministerium, wo ich als pädagogischer Mitarbeiter tätig war, nach Wesel kam, lag die Schülerzahl bei 2000, heute bei 3400. Ich habe sehr schnell erkannt, dass wir ein System aufbauen müssen, das so durchlässig ist, dass Schüler hier sämtliche Abschlüsse erreichen können in den Bereichen Technik, Wirtschaft sowie Soziales und Gesundheit. Was mich sehr freut, ist, dass die Zahl unserer Abiturienten von Jahr zu Jahr steigt: Aktuell haben wir 108, nächstes Jahr werden es 150 und 2016 um die 200 sein.

Ein Wort noch zu den Investitionen des Schulträgers während Ihrer Zeit.

Kohls Da kommen über die Zeit meiner Schulleitung, besonders mit dem Umbau des Foyers und der Turnhalle sicher zehn Millionen Euro zusammen. Ich denke, ich werde meinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus hinterlassen.

Wer wird Sie beerben?

Kohls Da gibt es einige Bewerbungen - die Entscheidung wird im Herbst fallen. Kommissarisch wird die Stelle bis dahin von meinem Stellvertreter Hermann-Josef Lemmen übernommen.

Jetzt zwei Fragen direkt hintereinander: Wollten Sie eigentlich immer Lehrer werden? Und: Wie fällt die Bilanz Ihres Berufslebens aus?

Kohls Schon als Kind hatte ich den Wunsch, Lehrer zu werden, habe dann schon früh vor allem im Bereich Mathematik Nachhilfe gegeben. Studiert habe ich dann in Aachen auf Lehramt - E-Technik und Politik. Das war eine hochpolitische Zeit, die mich sehr geprägt hat. Um auf Ihre Frage zu antworten: Meine Bilanz fällt unter dem Strich positiv aus. Es gab viele schöne, aber auch sehr anstrengende Zeiten. Es überwiegt die Sichtweise, dass man ein Stück hat geben können - auch für das Weseler Berufskolleg. Hier steckt viel Herzblut drin. Und das hat sich am Ende auch bezahlt gemacht.

Was meinen Sie damit konkret?

Kohls Ich spreche für unser ganzes Team: Was die Erfolgsquote unserer Schule betrifft, liegen wir im Regierungsbezirk Düsseldorf ganz weit oben. Das heißt aber nicht, dass wir nicht noch besser werden können.

Es heißt, Sie seien bei den Schülern beliebt.

Kohls Ich bin jedenfalls jemand, der alles für die Schüler tut. Ich bin hart und gerecht, nicht nachtragend. Und ich bin ein Schülerfreund. Das größte Lob habe ich mal von einem Abiturienten bekommen, der mir bei der Abschlussfeier über die Schulter einfach nur "Danke" gesagt hat.

Was machen Sie jetzt künftig mit Ihrer Freizeit?

Kohls Ich habe einen Wunsch: Ich möchte im Rahmen der Lehrerausbildung an der Uni Lehramtsstudenten im Rahmen von Lehrveranstaltungen etwas aus der Praxis erzählen. Ich glaube, dass ich da etwas zu sagen kann und etwas zu sagen habe. Dann werde ich mich intensiv um unsere knapp ein Jahr alte Enkelin kümmern und Sport treiben - laufen. Und nicht zuletzt werden meine Frau und ich viel reisen, vor allem in die neuen Bundesländer.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)