Sabine Weiss: ,Ich habe auch schon lange beim Arzt gewartet'

Sabine Weiss: ,Ich habe auch schon lange beim Arzt gewartet'

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss ist neue Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrung im Gesundheitssektor, die Arbeit mit Jens Spahn und die Frage "Privat oder Kasse"?

Frau Weiss, Sie sind nun Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Wie sind Sie zu dieser neuen Aufgabe gekommen? Ist der neue Minister Jens Spahn auf Sie zugekommen?

Sabine weiss Die Bundeskanzlerin hat mich am Sonntag angerufen, um mir das Amt der Parlamentarischen Staatssekretärin anzubieten. Mit Jens Spahn habe ich dann nachmittags telefoniert. Wir haben uns beide sehr gefreut, dass wir nun bei diesem für alle Menschen so wichtigen Thema zusammenarbeiten werden.

Welche Aufgaben hat eine Parlamentarische Staatssekretärin genau?

Weiss Parlamentarische Staatssekretäre leiten gemeinsam mit dem Minister das jeweilige Ministerium und vertreten den Minister beispielsweise auch im Kabinett. Im Plenum sitzen sie auf der Regierungsbank und sprechen für ihr Ministerium unter anderem bei der Regierungsbefragung, auch in den Fachausschüssen stehen die Parlamentarischen Staatssekretäre den Abgeordneten Rede und Antwort. Natürlich sind sie auch viel im Land unterwegs, um ganz konkrete praktische Anregungen zu sammeln.

Was ist der größte Unterschied zu Ihrem bisherigen Amt als Fraktionsvize? Haben Sie nun gefühlt mehr oder weniger Macht?

Weiss Als Staatssekretärin bin ich Mitglied der Bundesregierung und spreche für die Regierung. Das bedeutet nicht zwangsläufig mehr Einfluss, ist aber ein anderes Aufgabenspektrum.

Welche Expertise haben Sie bisher auf diesem Feld sammeln können?

Weiss In meinem bisherigen Arbeitsbereich, der Sozialpolitik, gab es natürlich viele Schnittstellen mit der Gesundheitspolitik. In den letzten beiden Legislaturperioden waren zudem die Themen Gesundheit und soziale Sicherungssysteme in Entwicklungsländern meine Schwerpunkte, unter anderem war ich stellvertretende Vorsitzende des Unterausschusses "Gesundheit in Entwicklungsländern". Aber natürlich werden die nächsten Wochen für mich eine intensive Zeit des tiefen Einarbeitens in die Details der Gesundheitspolitik werden. Darauf freue ich mich.

Gibt es Ziele, die Sie sich persönlich bis zum Ende der Legislaturperiode ins Hausaufgabenheft geschrieben haben? Was steht auf der politischen Agenda?

Weiss Die Bekämpfung des Fachkräftemangels und Verbesserungen für Pflegefachkräfte, aber auch für pflegende Angehörige sind mir auch persönlich ein großes Anliegen. In meiner Familie und in meinem engsten Freundeskreis sind einige Menschen auf Pflege angewiesen. Daher weiß ich aus eigener, teilweise auch leidvoller Erfahrung, vor welche Herausforderungen dies alle Beteiligten stellt. Ein weiteres mir sehr wichtiges Anliegen ist die Erhöhung der Bereitschaft zur Organspende. Ich möchte erreichen, dass dieses Thema öffentlich breiter diskutiert wird, damit jeder Mensch sich im Laufe seines Lebens mit der Entscheidung für oder gegen Organspende befasst.

Inwieweit spielt bei diesen Themen Erfahrung auf kommunaler Ebene eine Rolle?

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Weiss Als ehemalige Bürgermeisterin verfüge ich über Verwaltungspraxis, das ist natürlich ein immenser Vorteil bei der Leitung eines Ministeriums. Viel wichtiger ist aber, dass ich aufgrund meiner kommunalen Erfahrung und meiner Verwurzelung vor Ort weiß, welche Anliegen und Sorgen die Menschen im Gesundheitskosmos, also Patienten und die Menschen in den Gesundheitsberufen haben. Nur aus dem Verständnis für die Situation in den einzelnen Krankenhäusern, Pflegeheimen, aber auch in der Pflege zu Hause kann der Blick fürs große Ganze erwachsen.

Ihr künftiger Chef ist deutlich jünger als Sie. Wer hat in der Konstellation das Sagen? Kann Jens Spahn auf den Rat Älterer hören?

Weiss Der Minister ist natürlich der Chef des Ministeriums. Die Parlamentarischen Staatssekretäre stehen ihm bei seinen Aufgaben mit Rat und Tat zur Seite. Jens Spahn habe ich als sehr zuverlässigen und gesprächsbereiten Politiker des offenen und ehrlichen Dialogs kennen- und schätzen gelernt. Wir werden sicherlich sehr gut zusammenarbeiten.

Jens Spahn gilt als möglicher Kanzlerkandidat für die Zeit nach Angela Merkel. Wie standen Sie bisher politisch zu ihm, zu seinen konservativen Vorstößen? Nicht allen in der Partei war Spahns Kurs genehm.

Weiss Die CDU ist eine Volkspartei. Natürlich gibt es daher auch bei uns unterschiedliche politische Vorstellungen über den richtigen Weg. Das muss auch so sein. Jens Spahn ist für die CDU ein wichtiger Impuls- und Ideengeber, der auch vor kontroversen Themen nicht zurückschreckt. Das gefällt mir.

Private Frage zum Abschluss: Welche Krankenversicherung haben Sie? Privat oder Kasse?

Weiss Ich kenne beide Systeme. Zunächst war ich gesetzlich versichert und bin während meines Rechtsreferendariats in die private Krankenkasse gewechselt.

Und mussten Sie schon einmal richtig lange beim Arzt sitzen?

Weiss Wie wahrscheinlich jeder, so habe auch ich schon lange Wartezeiten am eigenen Leib erfahren. Aber auch das ist eine der großen Herausforderungen im Gesundheitswesen, die wir zeitnah und konsequent angehen werden. Da muss sich was ändern.

SEBASTIAN PETERS FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)