Hunderte Stellen in Altenpflege sind im Kreis Wesel unbesetzt

Fachkräftemangel : Hunderte Stellen in Altenpflege unbesetzt

Der Fachkräftemangel stellt das Jobcenter im Kreis Wesel nach wie vor vor große Herausforderungen.

Die Jahresbilanz des Jobcenters für 2018 haben dessen Kreisgeschäftsführer Michael Müller und Kreisdirektor Ralf Berensmeier jetzt vorgestellt. Zwischen Januar und Oktober vergangenen Jahres waren durchschnittlich rund 18.100 Bedarfsgemeinschaften gemeldet, 2017 waren es noch rund 18.750. Beide werten als Erfolg, dass die Kosten der Unterkunft (KdU) samt Heizkosten mit 69 Millionen Euro deutlich unter dem geplanten Betrag von 76 Millionen Euro liegen.

Eine große Herausforderung für das Jobcenter ist nach wie vor der Fachkräftemangel in Pflegeberufen. „In NRW fehlen rund 4300 Pflegekräfte, im Kreis Wesel sind es mehrere 100 Stellen, die nicht besetzt werden können“, erklärt Berensmeier. Vor allem der Sektor der Altenpflege soll weiter in den Fokus rücken. Es sollen mehr Pflegehelfer qualifiziert werden, die nach einer ein- bis zweijährigen Ausbildung den Beruf ausüben könnten.

„Bei der dreijährigen Ausbildung zum Pfleger ist die Abbruchquote sehr hoch“, erklärt Müller. 2018 haben 137 Menschen aus dem Kreis eine Weiterbildung im Pflegebereich gestartet. Vier haben eine dreijährige Ausbildung in der Altenpflege begonnen, 16 eine einjährige. 117 bildeten sich in den Bereichen Behandlungspflege, Alltagsbegleitung und Assistenzpflege fort. Momentan sind für das laufende Jahr 109 Eintritte im Pflegebereich geplant, sechs davon in die dreijährige Altenpflegeausbildung.

Aktueller Schwerpunkt ist die Umsetzung des Teilhabechancengesetzes. Zwei neue Fördermöglichkeiten sollen Langzeitarbeitslose auf den allgemeinen Arbeitsmarkt helfen. Mit den Förderungen unterstützt die Bundesregierung Arbeitgeber durch Lohnkostenzuschüsse, wenn sie Personen der Zielgruppe einstellen. „Wir begrüßen das sehr, auch den leistungsschwächeren ein Angebot zu machen“, sagt Müller. Unterschieden wird zwischen über 25-Jährigen, die mindestens sechs Jahre Arbeitslosengeld II bezogen haben, und Personen, die mehr als zwei Jahre arbeitslos waren. Für diese erhalten Arbeitgeber einen Zuschuss für zwei Jahre: Im ersten Jahr 75 Prozent des gezahlten Lohns, im zweiten 50 Prozent. Die Arbeitnehmer haben in dieser Zeit Anspruch auf Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen.

Die Zahl der verhängten Sanktionen ist im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. Von 24.000 Arbeitssuchenden erhielten 2018 knapp neun Prozent Sanktionen. Aber: „Ob Sanktionen das richtige Mittel sind, kann kontrovers diskutiert werden. Höhe und Form sollten überdacht werden. Anreizsysteme für besonders Motivierte könnten einen besseren Effekt erzielen“, sagt Müller.

(dmt)
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