Hamminkeln: Holger Schlierf tritt 2015 nicht mehr an

Hamminkeln: Holger Schlierf tritt 2015 nicht mehr an

Hamminkelns parteiloser Bürgermeister wird im Oktober nicht erneut kandidieren. Die CDU würdigt seine Leistung, respektiert die Entscheidung und wird einen eigenen Kandidaten aufstellen. Auch die SPD geht auf die Suche.

Die Mitteilung kam nicht völlig überraschend. Allein der Zeitpunkt war unbekannt: Hamminkelns parteiloser Bürgermeister Holger Schlierf wird im Oktober 2015 nicht erneut kandidieren. "Es war schon ein Zeichen, dass ich bei der letzten Kommunalwahl nicht mitgemacht habe. Es wäre ja leicht gewesen, aber mir schmeckte die Rechtsform nicht", sagte Schlierf im RP-Gespräch. Nun macht er's anders, bleibt bis zum Ende seiner offiziellen Wahlzeit im Amt und tritt dann ab. Aus persönlichen Gründen. Die heißen Gesundheit und Alter. "Wenn ich gewählt würde, wäre ich am Ende fast 67", sagte Schlierf "Die Familie wird größer. Ich habe jetzt Enkel, für die ich mir Zeit nehmen möchte. Als Bürgermeister aber sind oft auch Wochenenden verplant."

Ganz in den Ruhestand will Schlierf im Hebst nicht treten. Er denkt ab 2016 an Tätigkeiten, die etwas mit seinem alten Beruf zu tun haben. Der gelernte Jurist war Anwalt beim Rheinischen Landwirtschaftsverband, als er vor 24 Jahren in den öffentlichen Dienst wechselte. Nach dem plötzlichen Tod von Bürgermeister Heinrich Meyers (CDU) zu Weihnachten 2000 wurde der parteilose Schlierf im Juni 2001 Verwaltungschef in Hamminkeln. Der Abstand zu Gegenkandidatin Gunhild Sartingen (SPD) war mit 64:36 deutlich. Noch klarer - mit 81 Prozent - setzte er sich 2009 gegen Johannes Flaswinkel (Grüne) durch. Wenngleich er beispielsweise die Mittelstandsvereinigung der CDU nicht zu seinen Freundinnen zählen darf, so ist die Nähe zur CDU doch kein Geheimnis. So waren es gestern auch die Christdemokraten, die als Erste Stellung nahmen.

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CDU-Parteichef Norbert Neß würdigte Schlierfs Leistungen, bedauerte seine Entscheidung, zeigte aber "Verständnis für seine Motive". Die CDU werde einen eigenen Kandidaten aufstellen. Dafür gebe es viele geeignete Persönlichkeiten. Namen nannte Neß nicht, umriss lieber die Anforderungen: Kommunikator, Ideengeber, Sympathieträger, Repräsentant. Aber, so Neß, die "eierlegende Wollmilchsau" gebe es nicht. Die Parteigremien würden nun über einen Zeit- und Handlungsplan beraten.

SPD-Stadtverbandsvorsitzender Bruno Lipkowsky sieht die Genossen ebenfalls gefordert, einen Kandidaten für den Urnengang im Oktober 2015 zu finden. Dass es zuletzt keinen gab, hätten nicht alle in der Partei gut gefunden. Im Grunde habe die Entscheidung Schlierfs zum Aufhören aber wenig Auswirkungen auf die SPD, denn sie müsse so oder so eine eigene Person ins Rennen schicken. Es bestehe ohne Schlierf vielleicht die Chance, etwas besser abzuschneiden. Aber ers sei , so Lipkowsky, auch nicht so verblendet, die politischen Kräfteverhältnisse in Hamminkeln falsch einzuschätzen. Und da liegt die CDU weit vorn.

(RP)
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