Hochschule Rhein-Waal: Präsidentin Naderer tritt zurück

Niederrhein : Hochschul-Präsidentin ist zurückgetreten

Heide Naderer hat am Dienstag überraschend ihren Posten an der Hochschule Rhein-Waal geräumt. Am Mittwoch sollte eigentlich die Hochschulwahlversammlung über ihre Absetzung abstimmen. Der Termin fiel aus.

Sie ist dem Apparat zuvorgekommen: Einen Tag, bevor die Hochschulwahlversammlung in Kamp-Lintfort über den Antrag des Hochschulrates auf Abwahl von Präsidentin Heide Naderer abstimmen sollte, verkündete diese selbst ihren Rücktritt. Um kurz nach 15 Uhr schickte Naderer eine E-Mail an Mitarbeiter und Professoren der Hochschule Rhein-Waal. Betreff: „Rücktritt vom Amt der Präsidentin.“ In der Mitteilung heißt es: „Auch wenn es mir auf persönlichem Wege leider nicht möglich ist, mich von Ihnen zu verabschieden, möchte ich Sie gerne darüber informieren, dass ich ab sofort nicht mehr das Amt der Präsidentin bekleide und somit die Hochschule vorzeitig verlassen werde.“ Es ist mutmaßlich das endgültige Ende der Amtszeit Naderers. Mutmaßlich deswegen, weil es so viele Querelen um den Rücktritt, den Rücktritt vom Rücktritt und nun den erneuten Rücktritt gegeben hat, dass auf den Fluren der noch jungen Hochschule wohl so schnell keiner mehr das Wörtchen „endgültig“ in den Mund nehmen dürfte. Juristen prüfen die Vorgänge nun, wie es Dienstag aus Hochschulkreisen hieß.

Kommissarisch wird laut Pressestelle der Hochschule Georg Hauck, Vizepräsident für Personal- und Organisationsentwicklung, die Geschäfte übernehmen. Und das, obwohl Hauck selbst vor einigen Wochen seinen Rücktritt eingereicht hatte. Er bleibt laut Geschäftsordnung aber wohl so lange im Amt, wie ein Nachfolger für ihn gefunden ist. Das ist bisher nicht geschehen. In ihrer Abschiedsnachricht schreibt Naderer, es habe ihr „viel Freude bereitet, die Erfolgsgeschichte der Hochschule Rhein-Waal, nicht zuletzt durch die gemeinschaftliche Erarbeitung des Hochschulentwicklungsplanes, mit vielen von Ihnen weiterzuschreiben. Ihnen, die sich konstruktiv, offen, respektvoll und gemeinschaftlich an der Weiterentwicklung der Hochschule Rhein-Waal beteiligt haben und dies zukünftig tun werden, möchte ich meinen herzlichsten Dank aussprechen und Ihnen weiterhin viel Erfolg und Kraft dafür wünschen.“

Damit spricht Naderer zwischen den Zeilen auch all jene an, die sich aus ihrer Sicht nicht konstruktiv, offen, respektvoll und gemeinschaftlich verhalten haben sollen. Spannungen zwischen Teilen der Professorenschaft und der Hochschulleitung begleiten ihre Amtszeit schon länger. Eine kleine Gruppe, so hieß es in der Vergangenheit immer wieder aus dem Naderer-Lager, würde intern und anonym gegen die Präsidentin arbeiten. Konkret wurden diese Vorwürfe aber nie. Sie führten immerhin dazu, dass Naderer vor vier Monaten ihren Rücktritt vom Amt der Präsidentin anbot. Nur um dann Ende Juli zu verkünden, dass sie doch weitermachen wolle. Es sei „an vielen Stellen innerhalb der Hochschule der Wunsch nach personeller Kontinuität an der Spitze geäußert worden“. In gleichem Atemzug erklärte Naderer damals, eine Neuaufstellung des Präsidiums in Angriff nehmen zu wollen, mit dem Ziel, „die Vielfalt der Kompetenzen und Meinungen an der Hochschule in dem Gremium adäquat abzubilden“. Dass es dazu unter ihrer Führung wohl eher nicht mehr kommen würde, hatte sich allerdings schon vor Dienstag abgezeichnet. Anfang August hatte der Hochschulrat in einer Sitzung in Kamp-Lintfort einstimmig einen Antrag auf Abwahl der Präsidentin beschlossen. Über diesen hätte am Mittwoch die Hochschulwahlversammlung zu entscheiden gehabt. Die kam nun nicht zusammen.

Der Vorsitzende des Hochschulrates, Aloys Krieg, sagte am Dienstag auf Anfrage der Redaktion, er nehme den Rücktritt zur Kenntnis. „Ich hätte mir eine andere Lösung gewünscht.“ Nämlich, dass es zu einer einvernehmlichen Einigung gekommen wäre. In der Pressemitteilung vom Mittwoch sagte er, dass er Naderer für den Schritt dankt. Er „wünsche ihr für ihre weitere Zukunft alles Gute.“

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