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Wesel: Hin und weg von Gauck

Wesel : Hin und weg von Gauck

Erstmals traf der künftige Bundespräsident auf Wahlfrauen und -männer sowie den CDU-Landesverband. In Marienthal überzeugte Joachim Gauck die NRW-CDU. Dem Dorf bescherte er Medienpräsenz wie noch nie.

"Ich hab' es!" Heinz Breuer, CDU-Ratsmitglied und am Samstag als Ordner im Einsatz, zeigt die Broschüre "Hamminkeln — junge Stadt mit Zukunft". Er hat sie extra mitgebracht, damit der künftige Bundespräsident Joachim Gauck sein Autogramm draufsetzt. Der tat's in zügiger, auch noch lesbarer Signatur. Zuvor war Gauck in die Marienthaler Klosterkirche.

 Flankiert von (v.l.) Bundestagspräsident Lammert, CDU-General Oliver Wittke, NRW-Landeschef Norbert Röttgen und Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann verlässt Bald-Präsident Joachim Gauck die Klosterkirche Marienthal.
Flankiert von (v.l.) Bundestagspräsident Lammert, CDU-General Oliver Wittke, NRW-Landeschef Norbert Röttgen und Fraktionsvorsitzender Karl-Josef Laumann verlässt Bald-Präsident Joachim Gauck die Klosterkirche Marienthal. Foto: bosmann

Pater Peter, der Prior, erläutert dem hohen Gast den "Weg des Lichts" und was hier Pastor Augustinus Winkelmann, der Erneuerer der sakralen Kunst, geleistet hat. Er habe von Marienthal gehört, sagt Gauck, der Theologe und Pastor, würde gerne als Privatmann wiederkommen. Er habe kurz innegehalten und einen Moment der Stille im Kirchenraum erlebt, erzählt später Pater Matthias.

 Joachim Gauck war bedrängter und befragter Interviewpartner.
Joachim Gauck war bedrängter und befragter Interviewpartner. Foto: Bosmann, Jürgen

CDU euphorisch

 Dominic (3) und Katharina (4) aus Wesel überreichen Gauck Blumen und ein Bild.
Dominic (3) und Katharina (4) aus Wesel überreichen Gauck Blumen und ein Bild. Foto: Bosmann, Jürgen

Dann ist es mit der Ruhe vorbei. Der Bald-Präsident eilt im Pulk der NRW-CDU-Spitze mit Parteichef Röttgen und General Oliver Wittke auf den Klosterplatz und wird sofort von Kamerateams bedrängt, von Radioleuten und Journalisten aller Coleur. Der Medienrummel, der Marienthal später bundesweit in die Hauptnachrichten katapultiert, hat eine Ursache: Der designierte Präsident Joachim Gauck besucht erstmals seit seiner Nominierung eine Parteiveranstaltung, trifft bei der Strategie-Klausur im Hotel Elmer in Marienthal auch erstmals auf die Spitze der NRW-CDU sowie auf einen Teil der 49 Wahlfrauen und -männer, die an diesem Tag für die Bundesversammlung nominiert werden. Am Ende äußern sich die Christdemokraten geradezu euphorisch — so, als hätten sie Gauck immer schon gewollt.

  • Fotos : Gauck zu Besuch in Hamminkeln
  • Das sagen unsere Leser zu Joachim Gauck
  • Fotos : Daniela Schadt - die Frau an Gaucks Seite

Der muss zuvor das Spalier der drängenden Journalisten passieren. Sein Herz aber gehört für einen Augenblick Dominic (3) und Katharina (4). Die Knirpse aus Wesel-Obrighoven, die sonst in der Kita Kiek in den Busch spielen, hatten einen Blumenstrauß samt Lutscher und ein selbstgemaltes Bild mit Prinz und Prinzessin für den bald ersten Mann der Republik dabei. Gauck freut sich, lobt die Kinder für ihre tolle Idee — und gibt den offensichtlich heiß begehrten Lutscher zurück.

Mutter Bettina Reddies ist stolz auf ihre Kinder, die anders als die anderen Zaungäste und die Medienleute hinter die Sicherheitsabsperrung dürfen. Sie hatte in der Weseler Rheinischen Post von Gaucks Besuch gelesen. Ihr Mann Manfred Schramm hatte es einfach versucht, eine Begegnung mit "dem sympathischen Menschen" zu organisieren. Es gelang. Bürgermeister Holger Schlierf wünscht Gauck einen guten Start. Der antwortet, die Besichtigung der Klosterkirche sei ein gutes Omen. Dann schließen sich die Türen zur internen Tagung im Otto-Pankok-Saal. Nach über drei Stunden verlässt Gauck Marienthal. Gestärkt von einer Gemüsesuppe, die ihm Hotel-Chefin Manuela Kannenberg serviert. Da hatte er schon im extra angeschafften Goldenen Buch unterschrieben.

(RP)