1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Hildegard Daldrup hat in Schermbeck Erfolg mit Protest

Kommentar zur Woche : Schermbecks Greta

Wildblumengemeinde Schermbeck: Klingt gut. Die Rentnerin Hildegard Daldrup erreicht mit ihrem Protest einen Etappenerfolg. Dass ist auch dem Fingerspitzengefühl des Bürgermeisters zu verdanken.

Von der „Macht der Bilder“ wird gesprochen, wenn Motive besonderen Eindruck hinterlassen. Solch ein Foto gibt es jetzt auch aus Schermbeck – und es ist das Gegenteil einer Machtdemonstration. Bürgermeister Mike Rexforth, Rathausspitze einer konservativen Partei, setzt sich auf den Boden zu einer protestierenden Öko-Rentnerin, die für den Erhalt von Wildblumen kämpft. Die optische Wirkung dieses Bildes: Der Bürgermeister betrachtet den Protest nicht von oben herab, sondern begibt sich auf Augenhöhe mit dem Bürger. Rexforth beweist hier clever Fingerspitzengefühl. Denn tatsächlich ist ja was dran an der Kritik von Hildegard Daldrup: Warum werden überall Wildblumenwiesen gepflanzt, Blühstreifen gesetzt, Samen gekauft, wenn dann an manchen Straßen Blumenwiesen achtlos weggemäht werden?

Es gab in den sozialen Netzwerken in Reaktion auf das Stoppen von Mäharbeiten durch Hildegard Daldrup Kritik an der Form des Protestes. Da bremst eine Rentnerin einen behördlichen Mäh-Akt, widersetzt sich damit gewissermaßen der Staatsgewalt. Damit geht Daldrup sogar einen Schritt weiter als die Generation Fridays For Future. Eine Rentnerinnen-Greta?

Daldrups Protest hat nun jedenfalls dafür gesorgt, dass in Schermbeck noch einmal nachgedacht wird, wo wie viele Blumen stehen sollen. Es muss ja nicht immer Geranien-Idylle sein. Manchmal kann auch „wild“ schön sein.

Wildblumengemeinde Schermbeck. Klingt eigentlich sehr gut.