Caritas in Wesel : Helfer für Obdachlose

In einem neuen Projekt versucht Sozialarbeiterin Linnea van Meerbeck junge Menschen ohne Arbeit, Wohnung oder Finanzhilfe zu erreichen. Hund Thore ist dabei häufig ein Türöffner.

Die jungen Leute, die Linnea van Meerbeck ansprechen will, sind nicht leicht zu finden. Sie treffen sich in Parks, auf Spielplätzen, einige auch in Jugendzentren – und sie wollen mit Behörden und Institutionen oft nichts zu tun haben. Daher trägt das neue Projekt von Jobcenter und Caritas den etwas sperrigen Untertitel „Aufsuchende Jugendarbeit zur Förderung schwer zu erreichender junger Menschen“.  Die 27-Jährige muss mit Geduld und Fingerspitzengefühl vorgehen, um den 19 bis 25-Jährigen zu helfen, in ein Leben ohne Armut, Obdachlosigkeit oder Sucht zu finden.

Dass es offenbar starken Bedarf für ein solches Angebot gibt, zeigen neu vorliegende Zahlen des Landes NRW: Demnach ist die Zahl der Wohnungslosen im Kreis Wesel von 372 im Jahr 2017 auf 853 im Jahr 2018 dramatisch gestiegen. Eine Begründung für diesen starken Anstieg liegt noch nicht vor.

Lina van Meerbeck will helfen. Dass sie selber jung ist, kommt der Sozialarbeiterin dabei zugute und ebenso der Charme ihres ständigen Begleiters, des schwarzen Rüden Thore.

Als Versuch ist das Projekt des Jobcenters im Januar in Kooperation mit der Caritas im Bereich Wesel, Hamminkeln und Schermbeck gestartet. Die Zielgruppe: Junge Erwachsene, die sich aus dem Einzugsbereich von Behörden oder Institutionen verabschiedet haben, möglicherweise auf der Straße leben und früher oder später im dauerhaften Hartz-IV-Bezug landen würden. „Wir wollen diese Leute erreichen, bevor es zu spät ist, solange sie noch bereit sind, etwas zu ändern“, sagt Cornelia Zippel vom Jobcenter. Zwei Jahre wird das Projekt zunächst laufen – dann will man sehen, ob es auf Akzeptanz gestoßen ist. Nicht wirklich bekannt ist, wie groß die Zielgruppe ist. Guido Busch, Fachbereichsleiter bei der Caritas, ist sich sicher, dass es auch in Wesel, Hamminkeln und Schermbeck unter 25-Jährige gibt, die eigentlich Begleitung benötigen, aber den Gang zu offiziellen Stellen scheuen. Einige kennen die Caritas-Mitarbeiter – aus der Obdachlosenhilfe oder aus der Jugendhilfe zum Beispiel. Sie könne man nun gezielter begleiten.

Das geht nicht vom Schreibtisch aus. Linnea van Meerbeck und Thore sind regelmäßig unterwegs, suchen Treffpunkte auf, gehen in Jugendzentren und sprechen junge Menschen an. Im Karo zum Beispiel sind sie jeden Dienstag von 17 bis 19 Uhr. Kontakte zu knüpfen ist das A und O, bekannt werden, Vertrauen aufbauen. „Das braucht Zeit und Geduld“, sagt sie. Thore ist häufig der Türöffner. Über ihre Kontakte erfährt sie so von weiteren jungen Leuten, die manchmal irgendwo ihren Schlafplatz haben und sich von selbst keine Hilfe holen würden. Langsam Perspektiven aufbauen ist ihr Ziel, erklärt sie. „Dieses Leben macht die Leute oft auch nicht glücklich, sie verspüren einen Druck“. Guido Busch ergänzt: „Ziel ist es, ein Leben in Unabhängigkeit zu führen“. Auch in Hamminkeln und Schermbeck ist die Sozialarbeiterin aktiv. Die zehn jungen Erwachsenen, die derzeit als „Teilnehmer“ geführt werden, sind jedoch alle aus Wesel, darunter sind auch zwei Frauen. Einer wird bald als Praktikant eine Jugendfreizeit betreuen, berichtet van Meerbeck. Ein weiterer hat bereits eine Arbeit aufgenommen. Erst Erfolge, ob es mehr werden? „In einem Jahr wissen wir mehr“, sagt Kornelia Zippel.

(rme)
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