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Heiligabend feiert Weseler York Hovest im Ruderboot mitten im Atlantik

Weseler überquert Ozean : Heiligabend mitten im Atlantik

Seit gut vier Wochen ist der aus Wesel stammende York Hovest mit zwei Freunden unterwegs von Gran Canaria nach Barbados. Etwa 2000 Kilometer haben sie rudernd geschafft.

Wenn die Menschen heute zur Bescherung unterm Baum sitzen, wird in vielen Familien derjenigen gedacht, die nicht dabei sein können. Oft hilft das Telefon, den Lieben in der Ferne ein frohes Fest zu wünschen. Ob so ein Kontakt auch zur Mannschaft der „H.O.T.S.“ gelingt, hängt von allerlei Umständen ab. Das Spezialruderboot „Heroes of the sea“ befindet sich mitten auf dem Atlantik. Seit gut vier Wochen ist der aus Wesel stammende York Hovest (41) mit seinen zwei Freunden Rainer Ballwanz aus Frankfurt und Andreas Stollreiter aus München unterwegs von Gran Canaria nach Barbados. Etwa 2000 Kilometer haben sie schon geschafft. Psychisch geht es ihnen gut, berichtet Saskia Hovest, der am Sonntag noch ein Gespräch mit ihrem Mann gelungen war. Physisch ist die Lage an Bord eher durchwachsen. Wegen wund gesessener Hintern auf den Rollsitzen im stets schaukelnden Kahn sind Schaffelle als Unterlage derzeit die wichtigsten Requisiten. Dass sich die weichen Naturpolster nun als segensreich erweisen, freut die 40-Jährige. War sie es doch, die den Tipp eines Atlantikruderers im Vorfeld des Abenteuers entdeckt hatte.

Atlantiküberquerungen im Ruderboot sind heute keine Seltenheit mehr. Aktuell ist wegen günstiger Winde Saison. So läuft parallel eine große Ruderregatta von La Gomera nach Antigua. An der nimmt das Trio aber nicht teil. Die Crew will allein und auch von Versorgungsschiffen unbegleitet ihre rund 5000 Kilometer lange Reise schaffen. Wie mehrfach berichtet, ist der Kraftakt Teil eines Umweltprojektes. Kurz vor der Abreise hatte York Hovest im Rahmen eines Besuchs bei seinen Eltern in Wesel im Kulturspielhaus Scala noch einmal darauf aufmerksam gemacht. „Die Probleme der Ozeane müssen wir alle gemeinsam lösen“, sagt Hovest. Sein Ziel ist eine stetig wachsende globale Datenbank, in der Aktivisten darstellen, wie jeder sich für den Schutz der Ozeane einsetzen kann. Die Tortur Atlantiküberquerung im Ruderboot ist Sinnbild für eine Brücke zwischen den Kontinenten.

Enorme Anstrengungen hatten Hovest, Ballwanz und Stollreiter schon zum Beginn der Fahrt zu leisten. Sturm und acht Meter hohe Wellen begleiteten sie auf dem Südkurs Richtung Kapverden. Außerdem gab es einen Ruderschaden, der zum Glück mit eigenen Mitteln behoben werden konnte. Wie berichtet, hatten die drei Wert darauf gelegt, Qualitätswerkzeug mitzunehmen. Wind und Wellen von der Seite sorgten in den letzten Tagen dafür, dass die Ruderer ständig überspült wurden.

Unterdessen ist der Bug des Bootes deutlicher nach Westen ausgerichtet. Für die Ankunft auf Barbados war ursprünglich mal der 22. Januar angepeilt worden. Laut Saskia Hovest geht die Mannschaft nun von Ende Januar aus. Außerdem ist es gelungen, die Arbeit so zu organisieren, dass einer nachts auch mal sechs Stunden am Stück schlafen kann. „Er hört sich nicht mehr ganz so erschöpft an“, schildert Saskia Hovest ihren Eindruck vom letzten Telefonat mit ihrem Mann. Sie wird mit anderen dafür sorgen, dass ein anständiges Empfangskomitee in Barbados bereitsteht.

Ein Held ist York Hovest für seinen neunjährigen Sohn als Meeresretter schon jetzt. Er ist mächtig stolz und bekommt viel Zuspruch in der Schule und im Münchener Freundeskreis, wo natürlich jeder weiß, dass der Papa unterwegs ist. Und wenn die Witterungsbedingungen stimmen, die Kommunikationstechnik exakt ausgerichtet werden kann, dann gelingt vielleicht auch heute ein weihnachtliches Telefonat zwischen den Familien in der Heimat und den drei Mann in einem Boot.