Wesel Heftige Kritik am Rauchverbot

Wesel · Die Pläne der rot-grünen Landesregierung, ein striktes Rauchverbot nach bayerischer Art durchzusetzen, verärgert nicht nur Wirte. Auch Schützen und Karnevalisten plädieren für die Beibehaltung der Ausnahmeregelung.

Wer die Kneipe "Zum alten Stadttor" an der B 58 in Büderich betritt, weiß schon vor Eintritt in die gastliche Stube, was ihn erwartet. "Wir sind eine Rauchergaststätte, haben das entsprechend beschildert und deshalb ist der Eintritt erst ab 18 gestattet", sagt Wirtin Sylvia Hering. 95 Prozent ihrer Gäste sind Stammkunden. Für die meisten gehört zum Bierchen einfach eine Zigarette dazu.

"Gastronomie kaputt gemacht"

Die Pläne von Gesundheitsministern Barbara Steffens (Grüne), ein striktes Rauchverbot nach bayerischem Vorbild auch in NRW durchzusetzen, werden – wie in vielen anderen Kneipen des Landes – auch im alten Stadttor kritisiert. "Mit dieser Regelung werden die Gastronomie und vor allem alle Kneipen kaputt gemacht", ist Sylvia Hering überzeugt, die sich selbst gern mal eine Zigarette gönnt. Sie befürchtet, dass Gäste auch nach 22 Uhr zum Rauchen vor die Türe gehen, und es wegen "Lärm und Kippen auf dem Bürgersteig zu Problemen mit der Nachbarschaft kommt." Zudem sollten sich Politiker um wirklich wichtige Dinge kümmern.

Genau diese Meinung vertritt auch Karl-Friedrich Moshövel, Chef des Carnevals Ausschusses Wesel (CAW). "In großen Hallen gibt es gute Lüftungen. Da merkt man den Qualm doch gar nicht", sagt er. Ein komplettes Rauchverbot werde dazu führen, dass die Raucher während der Veranstaltungen vor die Türe gehen. "Das stört eine Sitzung. Und vor der Halle lassen die Raucher die Kippen fallen, was gar nicht schön aussieht."

Das gleiche Problem steht auch den Schützen ins Haus beziehungsweise ins Zelt, wenn die NRW-Minderheitsregierung mit Unterstützung der Linken ihr umfassendes Rauchverbot durchsetzen sollte. Hans-Günther Egerlandt, Präsident der Weseler Bürger-Schützen, der einst zu einer guten Havanna nicht Nein sagen konnte, aus gesundheitlichen Gründen dem Tabakgenuss aber schon vor vielen Jahren abgeschworen hat, befürchtet zudem, dass mit einem strikten Rauchverbot "ein Stück Kultur verloren geht". Denn viele Gäste des Schützenfestes seien es gewohnt, zu einem Bier oder einem Glas Wein zu rauchen. Wer allerdings glaube, ein Verbot könne dazu führen, dass aus Rauchern Nichtraucher werden, "vertut sich", sagt Egerlandt.

Im Fasskeller am Kornmarkt können derzeit noch Raucher und Nicht-Raucher glücklich werden. Hier gibt es einen speziellen Raucherraum. "Der ist gemütlich, immer gut besucht – gerade auch bei Fußball-Übertragungen – und bei den Gästen beliebt", sagt Juniorchefin Pia Ruster. Die Restaurantfachfrau hofft inständig, dass letztlich alles beim Alten bliebt. Denn: "Unsere Gäste würden zum Rauchen sicher nach draußen gehen. Und dann könnte es sein, dass sich Anwohner wegen der Lautstärke beschweren."

(RP)
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