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Wesel: Handwerker des Herzens

Wesel : Handwerker des Herzens

porträt Nach 30 Jahren am Marien-Hospital geht Professor Dr. Klaus Haerten in den Ruhestand. Der Chefarzt der Kardiologie hat eine moderne Abteilung aufgebaut. Auch Chefarzt Dr. Michael Küchler hört auf.

porträt Nach 30 Jahren am Marien-Hospital geht Professor Dr. Klaus Haerten in den Ruhestand. Der Chefarzt der Kardiologie hat eine moderne Abteilung aufgebaut. Auch Chefarzt Dr. Michael Küchler hört auf.

Mechaniker, Strömungs-Spezialist und Elektriker: All das muss der Arzt sein, dessen Herz am Herzen hängt. Das sagt Prof. Dr. Klaus Haerten, der 30 Jahre lang Chefarzt der Kardiologie am Marien-Hospital in Wesel war und der zum 1. November mit 65 Jahren in den Ruhestand geht. Wohl 400 000 Herzen habe er in seinem Leben gesehen, schätzt der gebürtige Krefelder. Er war schon als Schüler und Medizin-Student in Erlangen und Bonn sportlich aktiv und entwickelte über das Herz- und Kreislauftraining eine gewisse Neigung zu „seinem“ Organ. „Ohne Herz geht gar nichts, mit einem guten Herzen geht viel“, sagt Haerten.

Der Muskel, der dem Organismus seinen Rhythmus gibt, sei überaus komplex. „Es geht um Durchblutung und darum, wie zwei Hälften miteinander verzwickt sind. Hinzu kommt ein Klappenmechanismus, der so funktioniert, dass das Blut gut rein und raus fließt. Und das alles ist durch ein eigenes Nervensystem elektronisch gesteuert.“

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„Unruhegeist“ mit Zielen

Klaus Haerten beschreibt sich als „Unruhegeist, der langfristig plant und Ziele definiert“. Mit 36 Jahren wechselte er 1979 auf eine Anzeige hin von der Universität Düsseldorf ans Marien-Hospital. „Hier hat man mir die Möglichkeit gegeben, für den nördlichen Niederrhein eine moderne Kardiologie aufzubauen, ohne dabei Gefäße und Lunge zu vergessen“, sagt der Spezialist. Das Marien-Hospital investierte auf seinen Wunsch hin in neue Medizintechnik. So wurden unter anderem differenzierte Ultraschall-Checks von Herz und Gefäßen, Belastungs-EKG und Herzkatheter-Untersuchungen möglich. „Ich habe mich nicht in ein gemachtes Bett gelegt, sondern mir mein Bett selbst gezimmert“, beschreibt Haerten die Anfangsjahre, die nicht immer einfach gewesen seien. Heute sagt er: „Ich habe es nicht bereut.“

Lauftreff auf den Weg gebracht

„Ein guter Kardiologe ist nicht, wer gut mit dem Katheter umgehen kann; sondern einer, der während seines handwerklichen Tuns ab hoc entscheiden kann, wie er mit einem Menschen umzugehen hat, ohne ihm zu schaden.“ Dafür brauche der Arzt jahrelange Erfahrung. Haerten hat seine an ungezählte junge Mediziner weitergegeben.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch die Gründung von Herzgruppen und eines vereins-unabhängigen Lauftreffs bekannt. Wer auf sein Herz achtet, so der Fachmann, treibt regelmäßig Sport (radeln, laufen, schwimmen, „Marathon muss nicht sein“), raucht nicht und ernährt sich ausgewogen mit Fleisch, Fisch, Gemüse, Ballaststoffen und auch mal vegetarisch. Die gesunde niederrheinische Hausmannskost sei nicht zu verachten, sagt der Professor. „Auch Blutwurst darf mal sein.“

Als Leiter des kürzlich gegründeten Betriebssportvereins der Holding pro homine, der das Hospital angehört, bleibt der Kardiologe dem Haus verbunden. Eingebunden wird er in eine neue Aktion der Klinik: Sie will Firmen individuelle „Pakete“ zur Gesundheitsförderung anbieten. Um etwas für seine eigene Gesundheit zu tun, will Haerten weiterhin radeln und laufen, außerdem geht der knapp 65-Jährige gelegentlich in die „Muckibude“, um etwas für seinen Rücken zu tun.

Als seinen Beitrag zur Kommunalpolitik betrachtet Haerten den Weseler Bürgertreff, der nicht mit ihm in den Ruhestand gehen wird. Außerdem will er seine Frau Daniela in der Hospizarbeit unterstützen. Und dann ist da noch das Reisen. Einen großen Sprung machte der Krefelder schon vor 30 Jahren über den Rhein nach Wesel. Von hier will er nicht wieder weg. Als Urlauber zieht es ihn ins (ost-)europäische Ausland, er nennt Polen und Rumänien. „Und dann“, fügt Klaus Haerten hinzu, „ist da noch das Pilgern“. Er möchte mal nach Rom. Mit dem Fahrrad. Eine Herzensangelegenheit des Kardiologen.

(RP)