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Wesel: Handelsberater: "Niedrigere Mieten nötig"

Wesel : Handelsberater: "Niedrigere Mieten nötig"

6,3 Prozent beträgt die Leerstandsquote auf der Weseler Fußgängerzone. Vergleichsweise wenig also, sagen Experten und sehen Wesel im Vergleich zu anderen Kommunen auf einem guten Weg. Zumal Edeka ins Esplanade-Center will.

Wer die Fußgängerzone zwischen Großem Markt und Berliner Tor begeht, der wird viele Leerstände registrieren. Zahlreiche prominente Weseler Ladenlokale stehen dort leer. Auf der Einkaufsmeile halten aktuell zahlreiche Hauseigentümer oder Eigentümergemeinschaften nach neuen Mietinteressenten Ausschau. Dabei verweisen Politik und Verwaltung in Wesel immer wieder auf die hohe Zentralitätsziffer und die Anziehungskraft der Stadt Wesel.

Die Leerstandsquote beträgt nach Auskunft von Wesels Wirtschaftsförderer Johannes Opgen-Rhein 6,3 Prozent. "Die Situation im stationären Einzelhandel wird immer schwerer" , sagt er. Ein Grund sei zweifelsohne der Onlinehandel, der die Gesichter der Innenstädte verändere. Doch was heißt das für Wesel? Können Stadt und Politik etwas gegen den Trend unternehmen?

 Das ehemalige Modehaus Kubatta steht leer.
Das ehemalige Modehaus Kubatta steht leer. Foto: Klaus Nikolei

Der Kölner Handelsberater Ulrich Nordhorn, der unter anderem internationale Marken wie Puma berät, Konzepte für Outlet-Center erarbeitet und für Anbieter der Systemgastronomie tätig ist, kennt die Probleme des Einzelhandels. "Städte müssen in die Aufenthaltsqualität vor Ort investieren", sagt der 53-Jährige. Sicherheit, Sauberkeit, einfaches und günstiges Parken seien wichtig, ebenso wie schnellere Genehmigungsverfahren für Ansiedlungswillige. "Wir haben bundesweit das Problem", sagt Ulrich Nordhorn, "dass in den vergangenen Jahren viele Mieten angestiegen sind - und jetzt kommen die Leerstände. Da müssen die Vermieter einfach mit den Mieten runtergehen". Und noch etwas kann nach Überzeugung von Ulrich Nordhorn dafür sorgen, dass die Innenstädte in Zeiten von Amazon, Zalando und Co. nicht veröden: mehr Gastronomiebetriebe. Ansiedlungen wie Extrablatt oder die Burger Nerds gingen in die richtige Richtung. "Um es platt zu sagen: Die Leute haben keine Lust, nur online zu kaufen, Pay-TV zu sehen und sich das Essen vom Pizzaservice bringen zu lassen. Sie wollen raus und sich treffen. Da sind in der Innenstadt kulturelle und soziale Treffpunkte wichtig."

Veranstaltungen wie der Feierabendmarkt auf dem Großen Markt, Rund ums Grün, das PPP-Stadtfest oder das Hansefest seien wichtig, um die Attraktivität zu erhalten. Ebenso wichtig seien attraktive Freizeiteinrichtungen und Bäder. "Deshalb kommen Leute in die Stadt." Auch seien Kommunen mit einem Citymanagement auf dem richtigen Wege, ist Ulrich Nordhorn überzeugt.

Auch Wilhelm Bommann, Geschäftsführer des Einzelhandels- und Dienstleistungsverbandes Niederrhein, sieht Wesel nach wie vor auf einem guten Weg. "Wenn ich links und rechts schaue, ist eine Leerstandsquote von 6,3 Prozent gut." Normal seien mittlerweile zehn Prozent. Das gelte auch für die großen Einkaufszentren. Dass nun Edeka einen Markt im Esplanade-Center eröffnen möchte, ist für ihn ein Zeichen dafür, dass Wesel als Standort durchaus interessant ist: "Und Edeka wird für mehr Laufkundschaft sorgen und den ganzen Bereich an der Kreuzstraße aufwerten."

Dass Neuansiedlungen in Wesel längst nicht immer dazu beitragen, das Niveau zu steigern, ist Wilhelm Bommann durchaus bewusst. "Aber das ist ja hier kein Wunschkonzert. Und ich könnte mir auch vorstellen, dass gerade in den Randlagen aus Läden Wohnungen werden oder diese von Dienstleistern wie auch Ärzten und ambulanten Pflegediensten angemietet werden."

Zu den Neueröffnungen, die den Einzelhandelsstandort Wesel bereichern, gehört Fritsch-Moden an der Hohen Straße. In den Räumen der früheren Crispa-Boutique bietet jetzt Martina Neubürger-Fritsch Mode für die Frau ab 45 an. Die Unternehmerin hat ihren Stammsitz seit Jahrzehnten in der Oberhausener Innenstadt und war lange Jahre auch in Duisburg aktiv. Eigentlich, so sagt sie, gefalle ihr Wesel gut. "Die Fußgängerzone ist sehr ansprechend, die Kundinnen sind sehr dankbar." Was sie bemängelt, ist fehlendes Licht auf der Hohen Straße. "Natürlich gibt es hier Laternen und Reklame an den Geschäften. Aber nach Einbruch der Dunkelheit ist es wirklich duster."

(RP)