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Hamminkelns Bürgermeister - ein Macher?

Kommentar zur Woche : Bürgermeister Romanski – ein Macher?

Keiner hat in dieser Woche am Niederrhein so viele kleine und große Schlagzeilen produziert wie der Hamminkelner Bürgermeister. Höhepunkt: ein Brief an Kanzlerin Merkel. Was treibt diesen Mann an, und vor allem: Was erreicht er damit?

Dass der Hamminkelner Bürgermeister Bernd Romanski mit einem großen Ego ausgezeichnet ist, wissen die, die ihn etwa in Rat und Ausschüssen beobachten. Als „Macher“ präsentiert er sich gerne, als jemand, der aus der Privatwirtschaft kommt und nun in den Niederungen der Kommunalpolitik eine kleine Dorfstadt wie Hamminkeln mit Managermethoden fit macht. Und wie das mit überbordendem Selbstmarketing so ist: So penetrant es auch immer wirkt, irgendwas bleibt haften. Romanski wird also nicht ohne Grund seinen in dieser Woche an die Bundeskanzlerin geschriebenen Brief öffentlich gemacht haben, in dem er die Weiterreichung von EU-Geldern für Flüchtlinge fordert. Der Bürgermeister Hamminkelns schreibt an Merkel: Das garantiert auf lokaler Ebene Schlagzeilen. Aber garantiert es auch Erfolg?

Im Bundeskanzleramt, so wird man vermuten dürfen, wird der Brief aus dem kleinen Hamminkeln nicht ganz oben auf dem Schreibtisch der Kanzlerin landen. Dort wird man diesen Brief anders interpretieren. So richtig die Forderung von Romanski ist, die Kommunen beim Thema Flüchtlinge mehr zu entlasten: Romanski weiß, dass er diesen Brief ausgerechnet in jener Zeit schreibt, in der die Union aus CDU und CSU wegen der Flüchtlingsfrage zu platzen droht. Er gießt also als ein SPD-Bürgermeister in dieser Zeit bewusst Öl ins Feuer eines großkoalitionären Flächenbrandes. Der Hamminkelner Bürgermeister hat damit ein bisschen Bundespolitik gemacht. Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Sabine Weiss hat Romanski für seine Forderung kritisiert und darauf verwiesen, dass NRW im Unterschied zu Bayern in Zeiten der rot-grünen Regierung die Gelder für Flüchtlinge nicht 1:1 an die Kommunen weitergereicht habe. Romanski hat zwar abermals zurückgeschrieben, im Kern blieben aber seine Argumente die alten. Die Alternative zu einem Brief an die Kanzlerin wäre - weniger öffentlichkeitswirksam - der Versuch bilateraler Gespräche mit SPD-Parteifreunden oder der örtlichen Bundestagsabgeordneten gewesen.

Das Prinzip von Angriff und Defensive: Romanski beherrscht vor allem ersteres. Wenn er wiederum angegriffen wird, verweist er gern auf die Etikette. Beweis dafür sind zwei andere kleine Feuerchen, bei denen Romanski mitwirkte. Da ist zum einen die Auflösung der Realschule; deren ehemaliger Schulleiter Manfred Niespor hatte sein Bedauern darüber geäußert, dass die Realschule auf Kosten einer Gesamtschule aufgelöst worden ist. Das darf man durchaus als einen bildungspolitischen Debattenbeitrag verstehen. Romanski aber reagierte auf persönlicher Ebene: Er griff Niespor direkt an und formulierte: „Wir diskutieren ja auch nicht öffentlich, wie die pädagogische Arbeit unter dem ehemaligen Rektor gewesen ist.“ In Wahrheit, und dieses Zitat beweist es, hat Romanski damit sehr wohl die pädagogische Arbeit des Rektors angezweifelt. Ein zweiter Fall: Wegen einer Ausschussvorlage der Verwaltung zum Streit um die Elektrifizierung des Bocholters wurde Romanski von CDU-Fraktionschef Dieter Wigger angegriffen. „Falsch und tendenziös“ sei die Vorlage, sagte Wigger. Hier forderte Romanski nun plötzlich ein, bei der Beurteilung von Sachverhalten „respektvoll und vernünftig“ miteinander umzugehen. Die beiden Fälle zeigen, dass es dem Bürgermeister selbst manchmal schwer fällt, die Etikette zu wahren, die er im nächsten Moment einfordert.

Die Hälfte von Romanskis Amtsperiode ist vorbei – sie ist auch geprägt durch Scharmützel dieser Art. Das ist schade, weil der Mann ja nicht ohne Erfolge ist. Romanski, der seit 1970 in Hamminkeln lebt, war vor seiner Zeit als Bürgermeister Vorstand des europäischen Bausparte „Solutions“ des Konzerns Hochtief. Der Konzern wurde durch die Spanier ACS feindlich übernommen. Romanski musste nach Querelen mit seinem neuen Chef Marcelini Fernandez Verdes gehen. Er zeigte sich fortan etwa auf Fotos mit Altkanzler Schröder und landete schlussendlich bei der Bürgermeisterwahl 2015 einen Überraschungserfolg. Bemerkenswerte Parallele: Ähnlich wie bei Schröder ist es ein Hochwassermoment, der bei Romanski hängenbleibt. Der Stadtchef entschied in einer brenzligen Hochwasserlage: Durchstich! Solche Gummistiefelszenen bleiben haften. Danach hat er auch in der Hamminkelner Verwaltung einige durchstechende Erfolge gehabt, bemerken selbst einige Kritiker. Die Begegnungsstätte Mehrhoog wurde eröffnet, die Feuerwache wird gebaut. Für den Titel „Macher“ reicht das aber noch nicht. Mit Betuwe, Isselhochwasser und A3-Anschluss sind die großen Baustellen geblieben, Fortschritte machen sie kaum. Das ist Romanski im Kern nicht anzulasten. Es zeigt aber, dass es schwierig ist, als „Macher“ aufzutreten, wenn man Spiegelstrichdebatten im Hamminkelner Rat führt, anstatt manchmal tatsächlich über den Dingen zu stehen, Kritik einmal auszuhalten und zu versuchen, als Moderator einen Konsens herbeizuführen.

Auch dadurch nämlich zeichnen sich kluge Macher aus: Manchmal auch andere einfach machen lassen.

(sep)