Hamminkeln: Wilhelm Neu gibt Vorsitz der Kreisbauernschaft ab

Vorsitzender der Kreisbauernschaft Wesel : Wilhelm Neu tritt kürzer

Der Brüner hat den Vorsitz der Kreisbauernschaft Wesel abgegeben. Das Gleiche wird er zum Jahresende mit seinem Amt als Kreislandwirt tun.

Mit dem Abgang von Wilhelm Neu endet eine Ära beim Kreisbauernverband Wesel. Aus gesundheitlichen Gründen hat er seinen Vorsitz nach 16 Jahren abgegeben. Zum Jahresende wird der Brüner Landwirt auch als Kreislandwirt zurücktreten und im Laufe der nächsten Zeit auch seine anderen Ehrenämter wie zum Beispiel bei der Seuchenkasse und dem Beirat der unteren Landschaftsschutzbehörde aufgeben. Der 68-Jährige stammt von einem Bauernhof in Wesel, zog mit seinen Eltern 1959 ins Grenzgebiet von Bislich/Diersfordt, wo die Eltern weiterhin einen Hof bewirtschafteten.

In den Milchbauernhof in Brünen heiratete er 1971 ein. „Wir hatten beide Höfe, aber der meiner Frau war größer“, erzählt er. Neu und seine Frau Inge waren damals ganz pragmatisch. Den Betrieb in Bislich bewirtschafteten sie trotzdem noch 15 weitere Jahre mit. Hier erklärt sich auch, warum Neu bereits seit 1990 Vorsitzender der Diersfordter Sportschützen ist und nun, da etwas mehr freie Zeit auf ihn zukommt, vielleicht auch wieder als aktiver Sportschütze in das Geschehen eingreifen will.

Seit 1981 ist der Betrieb Am Borggraf die Neu-Telinde GbR, seit drei Jahren hat Sohn Thomas den Betrieb übernommen. Doch Wilhelm Neu arbeitet immer noch mit, wie auch in all den Jahren seiner Verbandstätigkeit, die ihn nicht nur häufig nach Bonn, sondern auch nach Brüssel führte. Oft habe er um 5 Uhr im Stall mit dem Melken begonnen, bevor er um 6.30 Uhr abgelöst wurde, um um 10 Uhr einen Termin in Bonn beim Rheinischen Landwirtschaftsverband wahrzunehmen, dessen Vizepräsident er neun Jahre war. Das ging nicht ohne die Hilfe seiner Frau Inge, die sich bei den Landfrauen engagiert und zeitweise deren Vorsitzende war.

Was macht ihm Sorgen, wenn er an die Zukunft der Landwirtschaft im Kreis Wesel denkt? „Der unnötige Flächenverbrauch“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Seit 1975 seien 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzflächen entfallen. Aber genau „das ist die Grundlage unserer wirtschaftlichen Existenz“, sagt er. Vor allem Ausgleichsflächen für Wohn- und Gewerbegebiete seien ein Problem, wenn da Bäume gepflanzt würden, sich aber danach niemand mehr kümmere: „Da müssen wir zu intelligenteren Lösungen kommen.“

Und mit der Politik vor Ort müssten die Bauern mehr ins Gespräch kommen. „Da entschieden Leute in Räten über uns, die wenig Ahnung von der Landwirtschaft haben.“ Das mache er ihnen nicht zum Vorwurf. Die Landwirtschaft müsse sehen, dass diese Entscheidungsträger mehr Fachkenntnisse bekommen. Deshalb sei es gut gewesen, dass die Landwirte vor zwei Monaten alle Fraktionsvorsitzenden des Kreises zum Gespräch eingeladen haben. „Das sollten wir künftig jedes halbe Jahr machen, damit die Informationen rüberkommen.“

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