Nach 28 Jahren „Wir haben viel für Brünen erreicht“

Hamminkeln · Wilfried Fenske hat den Vorsitz im SPD-Ortsverein nach 28 Jahren an eine Doppelspitze abgegeben. Fenskes Ratszeit endet mit der nächsten Wahl. Ein (lokal-)politischer Mensch bleibt der 70-Jährige dennoch auch nach der Wahl.

 Winfried Fenske (Bildmitte) gibt nach 28 Jahren das Steuerrad ab. Die SPD in Brünen führen nun Peter Paic (l.) und Karin Imhoff.

Winfried Fenske (Bildmitte) gibt nach 28 Jahren das Steuerrad ab. Die SPD in Brünen führen nun Peter Paic (l.) und Karin Imhoff.

Foto: Hesse

Es ist eine politische Laufbahn, wie sie zu einem Dorf wie Brünen passt. Am einem solchen Ort gibt nicht so viel Personal, um Posten zu verteilen. Die Karriere ist ungewöhnlich lang, wobei man ab sofort „gewesen war“ anfügen muss. Wilfried Fenske ist seit 36 Jahren Parteimitglied und war 28 Jahre lang Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Brünen. Er war einer, der immer da war und sich von der SPD in die Pflicht nehmen ließ. Den Vorsitz wollte er schon länger in jüngere Hände geben. Die Idee der Doppelspitze kam auf. „Die finde ich wirklich klasse“, sagt er. Und freut sich sehr, dass Karin Imhoff und Peter Paic nun als Pilotprojekt der SPD als Vorstands-Doppelspitze im Amt sind. Am Montagabend wurden sie einstimmig gewählt. Natürlich im Versammlungsort Landgasthof Majert, wie es sich in Brünen gehört. Bürgermeister Bernd Romanski war dabei. Er ist selbst Brüner und berichtete über aktuelle politische Themen der Stadt, etwa den Streit um den Kanal in der Sachsenstraße in Dingden.

Was bewegt einen, sich jahrzehntelang politisch einzusetzen in einer „schwarzen“ Kommune und als Roter ewig am kürzeren Hebel zu sitzen? „Es lohnt sich, beharrlich dicke Bretter zu bohren und nicht aufzugeben“, sagt Wilfried Fenske. Damit meint er zum Beispiel, dass es über zehn Jahre gedauert hat, bis aus dem Nein der Behörden zur Ampel an der B70 und gegen die politische Zögerlichkeit anderer etwas aus dem Anliegen wurde. Um an den möglichen Schrauben zu drehen, hat Wilfried Fenske in seiner meist ruhigen, beharrlichen Art als Ratsmitglied (seit 2004), im Kreistag und Parteigremien gearbeitet (siehe Info). Als Schriftführer tut er es im Ortsverein weiter.

„Ich habe immer glaubwürdige Politik vor Ort gemacht. Wir haben hier die CDU oft vor uns hergetrieben. Ich freue mich über die kleinen Erfolge“, sagt Wilfried Fenske. Die Brüner Umgehung ist aber Vision geblieben, die sei leider nicht gekommen, obwohl die Trassenführung zur L1/B70 schon da war. Die Umgehung werde spätestens nötig, wenn Nachbar Wesel den Autobahnanschluss an die A3 bei Brünen durchsetzt. In Marienthal hätte die SPD gerne eine Querungshilfe gehabt, heute tritt sie für die Waldbühne ein. Der Schwerpunkt Stadtentwicklung hat Fenske immer Spaß gemacht.

Der 70-Jährige, in Duisburg aufgewachsene, gelernte Chemotechniker, vierfache Vater und (noch) dreifache Opa bereut den Aufwand für politischen Einsatz vor Ort nicht. Er hat den Abschied bewusst eingeleitet, den er mit dem Ablauf der Ratsperiode vollenden wird. Dann wird ein anderer ranmüssen, um Brünen im Rat zu vertreten. Ein klarer Schnitt, dennoch spielt Wehmut mit. „In der Versammlung gab es viel Lob, es war rührend. Ich habe den Nachfolgern ein Steuerrad übergeben. Nach 28 Jahren war es Zeit zu gehen, ich fühle mich gut“, sagt Wilfried Fenske.

Politisch bezieht er Beobachterposition, bleibt aber Mitglied in Bürger für Brünen, schaut sich an, was aus der Gestaltung der Ortsmitte wird, die gerade im Rat auf Platz zwei der Prioritätenliste hinter Loikum gerutscht ist. Oder ob der K&K-Markt zum Ortseingang umzieht und so Platz für ein Seniorenheim oder Tagespflegeeinrichtung schafft. Man hört eben nie so ganz auf als (lokal-)politischer Mensch. Das gilt auch für die Europawahl, ein Muss für Fenske. Schließlich ist seine Frau Annette gebürtige Französin. Da gehört Europa einfach zur Familie.

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