Hamminkeln: Remise Buch & Kunst in Marienthal bald unter neuer Leitung

Buch & Kunst in Marienthal : Remise geht in neue Hände

Das Geschäft in Marienthal betreute 25 Jahre Buch- und Kunstfreunde. Dorothea Hartmann und Marlene Fischer haben den kleinen feinen Laden mit viel Herzblut geführt. Sie hören auf – eine Nachfolge ist in Sicht.

Das besondere kleine feine Geschäft passt gut ins Klosterdorf Marienthal mit seinem hohen Ausflugsfaktor. Direkt um die Ecke vom Klosterplatz sind Dorothea Hartmann und ihre Freundin Marlene Fischer ein Wagnis eingegangen. Sie eröffneten im Jahr 1994 ihre Remise Buch und Kunst, obwohl beide nicht vom Fach waren. Sie kommen aus sozialen Berufen, fanden aber, dass ein Angebot zwischen Kunst, Buch und Kirche – und das in hoher Qualität – bestens nach Marienthal passt.

„Es war schon mutig“, sagt Dorothea Hartmann. Die Remise fand viel Zuspruch und entwickelte sich z einem Treffpunkt. Hier gab es ausgewählte Bücher, religiöse Artikel, außergewöhnliche Karten, Kunst und Kunsthandwerk. Das alles gibt es immer noch. Allerdings leeren sich die Regale zusehends. Denn nach 25 Jahren schließen Hartmann und Fischer ihren Laden im Klosterdorf. Bis Monatsende wird ausverkauft. Die beiden haben nämlich mittlerweile das Rentenalter erreicht. Aber eine neue Pächterin ist schon in Sicht, so dass es keinen Leerstand geben wird (siehe Infobox).

Über ihren Entschluss, im Einzelhandel ihre Nische zu suchen und zu besetzen, sind sie im Nachhinein froh. Das war beruflich nicht vorgezeichnet. Die beiden Freundinnen absolvierten das Fachabitur in Rhede. Dorothea Hartmann übernahm später die Leitung des Martini-Kindergarten in Wesel, Marlene Fischer arbeitete als Sozialpädagogin an der Sonderschule für geistig Behinderte in Borken. Kaufmännische Themen kamen kaum in ihrem Leben vor. Aber sie hatten immer überlegt, etwas anderes gemeinsam anzupacken. Die Idee zum Buch- und Kunst-Geschäft wurde Realität.

Das Duo bildete sich weiter zum Thema Einzelhandel, formte das Sortiment aus, besuchte Seminare und hatte den Vorteil, ein charmantes Gebäude zur Verfügung zu haben. Hartmanns Mann Johannes baute den alten Wagenunterstand im historischen Marienthaler Gebäudeensemble zur Remise um. Im Logo des Geschäfts rollt deshalb ein alter Karren. Marlene Fischers inzwischen verstorbener Mann Michael unterstützte in kaufmännischen Fragen.

Am 3. März 1994 wurde die Remise Buch und Kunst eröffnet. Hamminkelns damaliger Bürgermeister Heinrich Meyers, der um die Ecke wohnte, gratulierte vor Ort. Wie es sich für ein Klosterdorf gehört, segneten die Karmeliter mit Prior Pater Martin das Gebäude ein. Am Anfang galt es, unerwartete Schwierigkeiten zu bewältigen. Als ein Zulieferer nicht bis nach Marienthal kam, richtete man bei Fischers Mutter Adele Knipping in Dingden ein Zwischenlager ein. „Irgendwann fuhr er auch Marienthal an“, sagt Dorothea Hartmann.

Die Geschäftsfrauen hatten den Nerv der Zeit getroffen. Die Mischung aus Büchern und Dekoartikeln sowie religiösen Gegenständen passte zum durchaus anspruchsvollen, dem Stöbern zugeneigten Publikum des Klosterdorfs, das sich mit Läden, Gastronomie, Kirche und Kloster als Ausflugsort in der Idylle positionierte. Das Duo hatte die Remise zu einer Zeit eröffnet, als es keinen Onlinehandel gab, erzählt Fischer, die mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ geht. Die meisten Kunden, die heute den Laden betreten, bleiben lange. Es gibt viel zu schauen in den Winkeln des Geschäfts, zum Beispiel, wenn man die Treppe zum Dachboden hinaufgeht.

Dort hatten die beiden Frauen eine kleine Galerie eingerichtet. Die erste Ausstellung bestritt Kuno Lange, damals in Wesel und Hamminkeln bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Unzählige andere Künstler folgten – und mit ihnen kreative Aktionen. Und es gab Lesungen, zum Beispiel mit dem Xantener Willi Fährmann.

Auch ein eigenes Buch haben die beiden Frauen veröffentlicht. Ein Jahr nach der Geschäftseröffnung legten Dorothea Hartmann und Marlene Fischer mit den Karmelitern den Band „Einblicke. Unterwegs in Marienthal“ auf.

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