1. NRW
  2. Städte
  3. Wesel

Hamminkeln: Neue Ausstellung im Schloss Ringenberg über Heinrich Kemmer

Neue Ausstellung im Schloss Ringenberg : Ein kreatives „Ciao“ an Heinrich Kemmer

Im Schloss Ringenberg wird an den Künstler erinnert, der dort lange sein Atelier hatte und Teil des kreativen Ortes war. Seine Arbeiten haben Kraft und Ausdruck behalten. Und zeigen viel vom Menschen, der sein eigenes Ding machte.

Heinrich Kemmer war ein besonderer Künstler. Er verschloss sich dem gängigen Kunstbetrieb, machte lieber sein eigenes Ding und schuf Kunst – Bilder, Grafiken, Aquarelle, Skulpturen – in jahrzehntelanger Kreativität und Produktivität. Aber er war auch so etwas wie ein verkannter Künstler. Seine Qualitäten waren zwar anerkannt, doch der große Durchbruch blieb trotzdem aus.

Er hätte das künstlerische Zeug für mehr gehabt, wie sich jetzt in der Ausstellung „Ciao – ein Widersehen mit Heinrich Kemmer“ im Schloss Ringenberg nachdrücklich zeigt. In nur 36 gezeigten Arbeiten wird seine Vielfalt deutlich, seine Ausdruckskraft und seine Experimentierfreudigkeit. Und sein Leben als Unikum, als Teil des Schlosses und des Dorfes Ringenberg. Ins Schloss, dem sogenannten „Dritten Kulturort“ in Hamminkeln, passt besagtes Wiedersehen zum 80. Geburtstag des 2014 verstorbenen Künstlers bestens.

Heinrich Kemmer wirkte über 40 Jahre im Schloss als Künstler. Er lebte und arbeitete in seinem dortigen Atelier Schloss Ringenberg, bezog gemeinsam mit der Gründung des Atelier-Zentrums, der Derik-Baegert-Gesellschaft, einst sein Atelier im nördlichen, ebenerdigen Trakt und überraschte Bürger und Besucher immer wieder mit seiner unangepassten Kunst und mit seinem eigenwilligen Auftreten. Dass er seine Werke vor und an die Eingangstür stellte, war lange ein bekanntes Bild im Schlossumfeld. Wo sonst kam man mit einem Künstler so leicht persönlich in Kontakt?

  • Carsten Nootz im Galerieraum mit Heinz
    Kultur in Nettetal : Moderne Kunst in Kaldenkirchen
  • Gisela Rietta Fritschi mit einem spiralförmigen,
    Ausstellungseröffnung im Schwarzen Adler in Rheinberg : Kunst als ewiges Experimentierfeld
  • Küstler Florian Kuhlmann und Galerist Andreas
    Kultur in Düsseldorf : Diese Kunst ist in den Galerien zu sehen

In Dauerschleife ist Kemmer auf altem Filmmaterial zu sehen, wie er mit seinem „Ciao“-Mofa auf die repräsentative Auffahrt auf die breite Schlosstreppe zutöfft. Im Gepäckkörbchen liegen seine Fundstücke. Seine Sammlung von Steinen, Metall, Holz, Gips, Sand, Glas, Keramik, Knochen und Tierschädeln war ebenso so skurril wie legendär. Die „Beute“ seiner Erkundungsfahrten verarbeitete er später im Atelier in seinen Kunstwerken. Styropor in Schwarz und Weiß ist als kontrastierendes Material zu finden. Seine im Lauf der Zeit immer mehr abstrahierende Kunst war ausdrucksstark, vielseitig, experimentierfreudig und von handwerklicher Könnerschaft geprägt.

 Mit diesem Mofa brachte der Künstler seine Fundstücke ins Atelier.
Mit diesem Mofa brachte der Künstler seine Fundstücke ins Atelier. Foto: Thomas Hesse

Auch stilistisch wollte sich Kemmer nicht vereinnahmen lassen. Der Freigeist brauchte künstlerische Freiheit, das ist in vielen seiner Werke zu spüren. „Mit Tünche, hinter der sich viele Menschen zu verbergen suchen, war da nichts“, hatte einst RP-Kritikerin Hanne Buschmann sein Können beschrieben.

Damit und in seinem Atelier voller Kunst und voller Materialien war der Schaffensprozess zu erkennen. Ein besonderer Künstler auf dem Land und auch ein Teil des Dorflebens. „Er gehörte zu Schloss Ringenberg wie der Turm oder der Schlossgraben. Kunstfreunden kam es jedenfalls so vor, wenn sie viele Jahre seine Ausstellungen besuchten“, berichteten am Montag Claudia Bongers vom Kunst- und Kulturort Ringenberg und Christof Schmidt-Rotthauwe vom Heimatverein Ringenberg. Für Heinrich Kemmer seien das Schloss und sein Atelier Rückzugsort, Inspirationsquelle und Gegenstand für kritische Auseinandersetzungen gewesen, betonen sie.

Die Ausstellung „Ciao“ wurde gemeinsam von Sammlern, Freunden und Weggefährten von Heinrich Kemmer in Kooperation mit dem Kunst- und Kulturort Schloss Ringenberg konzipiert. Sie hält nicht nur die Erinnerung an seine enorme künstlerische Qualität wach, sondern auch an den Menschen, der aus Kamen kam, und dann Teil des dörflichen Lebens war. Der Künstler, der zuletzt im Christophorus-Heim gelebt hat, starb 2014 im Alter von 73 Jahren. Heinrich Kemmer hatte mehr als vier Jahrzehnte im Schloss Ringenberg gewohnt und gearbeitet. Aber es dauerte trotzdem fast 30 Jahre, bis er erstmals im Schloss ausgestellt hat.

Schon deshalb ist die jetzige Ausstellung einen Besuch wert. Sie ist bis 16. Januar 2022 eintrittsfrei zu besichtigen. Die Eröffnung findet am Freitag, 10. Dezember, um 17 Uhr im Schloss Ringenberg unter den geltenden Corona-Regeln statt. Zur Begrüßung spricht Rita Nehling, Stadt Hamminkeln; die Einführung hält Reimund Kasper, Kamen.