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Hamminkeln: Isabelle Weykmans, Vize-Präsidentin im deutschsprachigen Raum Belgien, zu Gast in Loikum

Hoher Besuch aus dem Nachbarland : Was Belgien von Loikum lernen kann

Eine Delegation aus dem Nachbarland war im Hamminkelner Ortsteil zu Besuch, um sich nach dem Erfolgsmodell Kabelpflug zu erkundigen. Zu den Gästen gehörte Isabelle Weykmans, die Vize-Präsidentin des deutschsprachigen Raums.

Erst war der Glasfaseranschluss auf dem Land eine dörfliche Angelegenheit. Nach dem Prinzip Solidarität – Dorfbewohner im Ortskern zahlen genau so viel wie Leute im Außenbereich –, dem Prinzip Selbsthilfe, die gemeinschaftliche Begeisterung verbreitet, und wachsendem technischen Knowhow entwickelten die Loikumer ihren legendären Dreiklang, sich selbst an die schnelle Datenautobahn anzuschließen und nicht erst auf zähe Förderverfahren zu warten.

Heute ist das 800-Einwohner-Dorf schon mehrere Jahre im Glasfasernetz, auch die draußen gelegenen Höfe. Und damit weit vor der Zeit, da Bundes- und Landespolitik das flächendeckende Netz für den 5G-Standard und die Anschlussnotwendigkeit des ländlichen Bereichs entdeckten. Jetzt hat es Loikum nach Europa geschafft. Ministerin Isabelle Weykmans, Kabinettschefin Isabelle Schiffler und andere Teilnehmer der deutschsprachigen Gemeinschaft aus Belgien ließen sich in der Bürgerhalle das Projekt „Fibre to the Landlords“ erklären, das mittlerweile Vorbild für viele deutsche Regionen ist.

Deutsch ist die dritte Landessprache in Belgien. Der deutschsprachige Raum ist das kleinste Bundesland mit 77000 Einwohnern. Es hat ein eigenes Parlament, eine Regierung und im östlichen Teil der Provinz das Problem, dass die ländlichen Bereiche vom Internet abgehängt sind. Wie man Abhilfe schafft und aus Selbsthilfe sogar ein Geschäftsmodell kreiert, zeigt das „LGM“ – Loikumer Glasfaser Modell – , nach dem die heutige Projektfirma benannt ist und die neben der modernen Technik auch das einigende Verfahren anbietet, um solidarisch zu handeln. Vor der Bürgerhalle wartete auf die Gäste der erste Eindruck in Form eines Traktors mit Verlegepflug der Generation 3.0, der heute mit Hilfe der Elektronik Leerrohre in die Erde bringt. Kein Vergleich zu den Anfängen, als technische versierte Loikumer den improvisierten Pflug und Trommeln mit Glasfaserkabeln an einen Traktor montiert hatten und in vielen Freizeitstunden die Technik ausprobierten, die Issel überwanden und 100 Kilometer Glasfaser bis zum letzten Hof verlegten. Hubert Tenbusch, LGM-Geschäftsführer, Elektroinstallateurmeister mit Firma in Dinslaken und Loikumer, stellten den Gästen den Werdegang vor. Initialzündung war die Erkenntnis, dass Netzbetreiber höchstens die Ortskerne versorgen wollten und die Tiefbauarbeiten für Glasfaser im Außenbereich die Kosten explodieren ließen. Hier setzt der Loikumer Kämpfergeist an. Selbsthilfe und Begeisterung trieben das Projekt sehr kostengünstig über die Ziellinie. Damit wurde das Netz attraktiv für die Deutsche Glasfaser, denn ohne Betreiber geht es nicht. Heute hat LGM schon 40 Projekte betreut oder tut es noch.

Gut möglich, dass der nächste Geschäftspartner in Ostbelgien sitzt. Der Nachfragebedarf der Delegation aus dem Nachbarland war jedenfalls groß. Extra arrangiert wurde eine Pflugaktion nahe der Loikumer Mühle, um die praktische Seite zu zeigen. Dass die überzeugt, wusste auch Bürgermeister Bernd Romanski zu berichten. Das Loikumer Modell wurde auch nach Brünen, Nordbrock und Wertherbruch verpflanzt. „Loikum war für uns ein Leuchtturmprojekt. Kostenverteilung, technologischer Schub und Knowhow-Transfer zwischen den Ortschaften waren wichtig. Und dass Glasfaser direkt an die Häuser angeschlossen wird“, warb er für Loikum und ganz Hamminkeln. Den Loikumern bescheinigte er, auch Druck auf Telekommunikationsunternehmen aufgebaut zu haben. Die hätten sich anfangs wegen mangelnder Geschäftsaussichten gesträubt, nun aber den ländlichen Markt entdeckt. Romanski wunderte sich, dass die staatliche Förderung nicht stärker auf Vereine und Gruppen eingeht, die zur Selbsthilfe bereit sind. Tiefbau in Eigenleistung sei sechs bis sieben Mal so preiswert wie über Firmen. Und schneller, weil die Unternehmen komplett überbucht seien, was die Preisspirale noch antreibe.