Hamminkeln: Havelich feiert sein 100. Schützenfest

Vom 16. bis 22. Juni : Havelich feiert sein 100. Schützenfest

Tradition im Außenbereich: In Havelich steigt vom 16. bis 22. Juni das Jubiläumsschützenfest. 1919 begann man schlicht und feierfreudig, heute stehen Sternmärsche und das Stadtschützenfest an.

Es scheint so, als hätten die Havelicher nur auf einen solchen Verein gewartet. Es ging offensichtlich die Post ab – damals bei der Premiere. „Die Wirtschaft musste schon um 11 Uhr melden: Getränke alle!“, verzeichnete die Chronik. Ob die Havelicher nun zu heftig einen zur Brust genommen oder einfach nur den Bedarf falsch kalkuliert hatten, weiß man heute nicht mehr. Aber man darf ahnen, dass sie sich ihr erstes Schützenfest nicht haben vermiesen lassen. Schließlich hieß es anschließend schlicht: „Es war ein schönes Fest!“ Am 16. Oktober 1919 verpflanzten die Menschen im Außenbereich das Schützenwesen in den ländlichen Bereich, der als Brüner Ortsteil Havelich schon 1735 zur Oberbauernschaft gehörte und heute Teil Hamminkelns ist.

Die Gemeinschaft zu pflegen, verstehen die Havelicher auch 100 Jahre später. Das Jubiläumschützenfest steht an. Der Schützenverein Havelich 1919 mit über 190 Mitgliedern unter Präsident Jörg ten Freyhaus feiert traditionell am Fronleichnamswochenende. Fürs 100-Jährige hat sich der SV Havelich etwas Besonderes im Doppelpack einfallen lassen. Am Donnerstag, 20. Juni, findet das Stadtschützenfest mit der Zusammenkunft von 13 Schützenvereinen Hamminkelns mit drei Musikchören zum Sternmarsch und Vorstellung der neuen Vereinsfahne statt. Das anschließende Stadtkönigschießen hat sein Finale gegen 18.30 Uhr, es folgen Inthronisation und Festball. Am Samstag, 22. Juni, findet der zweite Höhepunkt des Jubiläumsschützenfestes statt: Ein Sternmarsch mit elf Nachbarvereinen und vier Musikchören endet mit der Inthronisation des Jubiläumskönigspaares und dem anschließenden Festball mit der Partyband „Les Astres“.

Mit dem bewährten Festprogramm geht es schon am Sonntag, 16. Juni, mit dem Kaiser-, König-, Kinderkönig- und Damenpokalschießen los. Der Tag endet dann mit dem Stechschießen um die Königswürde ab 18 Uhr. Auch der Freitag, 21. Juni, beginnt mit dem Schützenumzug, wobei hier auch der Kinderschützenzug teilnimmt. Nach Inthronisation des neuen Kaiserpaares findet dann der Festball mit dem aktuell aktiven Königspaar und seinem Thron und dem neuen Kaiserpaar statt. Die Festbälle am Donnerstag und Freitag werden musikalisch vom Loikumer Blasorchester und dem X-Treme Discoteam gestaltet.

Beim ersten Schützenfest 1919 ging es auch schon zünftig zu. Am 16. Oktober traten die „Jungen“ nachmittags zum Königsschießen an. Nach 16 Uhr hatte man die „Alten“ zum gemütlichen Beisammensein und zum Krönungsball bestellt. Der Chronist vermerkte: „Wahrlich, man hatte keine Mühen gescheut, die als Festsaal dienende alte Baracke mit Tannengrün festlich zu gestalten. Über der Tür prangte ein großes Schild mit folgenden Worten: ,Geschlossene Gesellschaft! Herzlich willkommen, Ihr lieben Havelicher!’ Bei Bier, Limonade und einem guten Klaren saß man beisammen. Von Zeit zu Zeit riefen die Klänge der Ziehharmonika zum Tanz. Dazwischen sangen junge Kehlen fröhliche Lieder.“

Vor Improvisation hatte man keine Bange. Der Paukenschläger sorgte mit Schwung auf einen Waschkessel für den Rhythmus. Der Bass war ein gewundenes Dachrinnenrohr, dazu kamen Ziehharmonika, Kirmesflöte, Horn und Trommel. „Mit volkstümlichen Solotänzen und drolligen Erzählungen und Späßen sorgte Gerhard Kleine-Budden für ausreichende Bewegung der Lachmuskeln aller Festgäste“, wird weiter berichtet. An guter Laune schien kein Mangel zu sein. Kein Wunder, dass die Getränke ausgingen.

Mehr von RP ONLINE