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Hamminkeln: Firma Sound Light & Design leidet unter Corona-Krise

Veranstalter aus Hamminkeln berichtet von Coronafolgen : „Unsere Branche leidet extrem“

Rolf Feldmann von der Hamminkelner Firma Sound Light & Design berichtet von den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Veranstaltungsbranche. Er fordert Hilfe durch die Politik. Auch seine Branche brauche einen Rettungsschirm.

Derzeit stehen Branchen wie die Hotellerie und Gastronomie im Fokus von Presse und Politik. Ganz klar haben auch diese Branchen, neben vielen anderen, durch die komplette Schließung hohe Einbußen. Die Branche der Veranstaltungstechnik wird bei allen Diskussionen und Berichten jedoch beinahe gänzlich vergessen. Oft gehören zu dieser Branche kleinere Firmen, die keine zehn Mitarbeiter haben und aus diesem Grund auch nicht von den KfW-Krediten aufgefangen werden, die laut Regierung ohne Prüfung, durch 100-prozentige Absicherung, schnell vergeben werden.

Ich habe ein Unternehmen für Veranstaltungstechnik mit Büro und Lager an der Güterstraße in Hamminkeln. Noch bevor die Gastronomie und teilweise der Einzelhandel geschlossen wurde, gab es schon das Veranstaltungsverbot. Unsere Veranstaltungsabsagen reichen derzeit bis Mai 2021. Unter anderem, da die Künstler keine Möglichkeit haben, mit ausreichend Platz zu proben. Dass sich die Lage nach dem 31. August sichtbar verbessert, ist zumindest für unsere Branche nicht abzusehen. Wir gehen davon aus, dass mindestens bis zur Karnevalszeit kaum Veranstaltungen stattfinden werden.

Die an Corona angepassten Formate, um die Kultur wenigstens etwas aufrecht zu erhalten, sind natürlich eine gelungene Abwechslung, jedoch vom Umfang unseres eigentlichen Pensums nur ein Bruchteil.

Neben den Veranstaltungen sind wir auch im Festinstallationsbereich tätig. Aber auch hier ist es verständlich, dass keine der aktuell geschlossenen Veranstaltungsstätten oder Firmen, die derzeit keine Präsenzmeetings abhalten können, viel Geld in neue Technik stecken, ohne zu wissen, wann sie diese wieder nutzen können.

Unsere Firma besteht nun seit mehr als 25 Jahren. 25 Jahre, in denen wir uns kontinuierlich weiterentwickelt haben und gewachsen sind. Jetzt befinden wir uns in einer nicht verschuldeten Krise. Die Soforthilfe des Landes hat uns sicherlich am Anfang geholfen, ist aber für die Aussicht, die wir derzeit haben, nicht weitreichend genug. Auch stehen wir natürlich im Austausch mit unserer Hausbank. Wir nehmen das Risiko in Kauf und beantragen einen Kredit, damit wir nach der Krise weitermachen können. Aber auch hier haben wir einen Monat lang keine weitere Rückmeldung zum Stand der Dinge bekommen.

Mehr als in vielen anderen Branchen wird in der Veranstaltungstechnik regelmäßig neues Material gekauft. Hier muss man immer auf dem neuesten Stand der Entwicklungen sein.

Ebenfalls sind viele in der Veranstaltungstechnik als Solo-Selbstständige tätig. Sie leben davon, dass sie auf Messen und Veranstaltungen als Fachkraft arbeiten. Allen wäre hier geholfen, wenn es einen Rettungsschirm für diese Branche gäbe.

In einigen Jahren möchte ich die Firma gerne an meinen Sohn übergeben. Sollten Kredite die einzige Möglichkeit bleiben, um die Umsatzausfälle auszugleichen, dann wird er noch mit den Folgen von Corona zu tun haben, wenn er die Firma leitet. Nach so vielen Jahren mit stetigem Wachstum ist das für mich keine schöne Vorstellung.

Auch die Auszubildenden in dieser Branche haben derzeit keine gute Perspektive. Unser Lehrling soll diesen Sommer seine Abschlussprüfung machen. Die derzeitige Terminierung hierzu bezieht sich auf den Zeitraum „Juni“. Mehr ist uns bisher nicht bekannt. Gerne übernehmen wir unseren Auszubildenden nach seiner Prüfung – trotz der derzeitigen Lage. Aber viele andere werden nach der Ausbildung eine Alternative finden müssen, bis sie wieder zurück in Ihren Lehrberuf können.

Würde man diese Situation jetzt weiterdenken, könnte man auch zu dem Schluss kommen, dass es in der Branche zukünftig einen Fachkräftemangel geben wird. Kaum einer wird derzeit Azubis einstellen. Viele selbstständige Veranstaltungstechniker und auch die, die ihren Job aufgrund von Corona verloren haben, orientieren sich beruflich um.

Wir haben vollstes Verständnis dafür, dass Veranstaltungen in der derzeitigen Situation nur sehr begrenzt stattfinden können. Die Gesundheit aller geht hier vor. Allerdings hoffe ich inständig, dass die Politik auch die vielen kleineren Unternehmen, die weniger als zehn Mitarbeiter haben, und auch die Künstler nicht vergisst.“

Protokolliert von
Klaus Nikolei

(kwn)