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Hamminkeln: Ex-CDU-Fraktionschef Axel Meyer macht Vorschläge zur Bebauung am Rathaus

Kritik an Pläne fürs Rathausumfeld : Sorge um dörflichen Charakter Hamminkelns

Hamminkelns Ex-CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Meyer warnt vor der aktuellen Planung am Rathaus. Er diagnostiziert „städtebauliche Beliebigkeit“.

Axel Meyer ist einer derjenigen, die der Entwicklung des Dorfes mit Tendenz zur Stadt intensiv beobachten. Kein Wunder. Meyer war CDU-Fraktionsvorsitzender im Hamminkelner Rat, hatte seine Kanzlei als Rechtsanwalt an der Brüner Straße, nur einen Steinwurf vom Rathaus entfernt. Die neue, aktuell kontrovers diskutierte Planung im Bereich Rathaus beschäftigt ihn auch in seinem Haus und Firmensitz in Bislich. Dort lebt und arbeitet er als Chef der mastap GmbH, seine Firma war unter anderem Finalist bei „Der deutsche Innovationspreis 2013“. Jetzt geht sein Blick nach Hamminkeln, er hat sich in einem „Aufsatz“ mit der Bebauungsplanung am Rathaus mit 140 Pkw-Stellplätzen, Lebensmitteldiscounter (Lidl), Getränkemarkt, Zufahrt von der Brüner Straße und eventuell einem Pflegeheim beschäftigt.

  Axel Meyer
Axel Meyer Foto: Hesse

„Hintergrund meiner Stellungnahme ist die Sorge, dass der Eigencharakter der Stadt durch die Beseitigung zentraler Orientierungspunkte verloren geht“, sagt er und entdeckt den „Verfall eines Städtecharakters zur Beliebigkeit“. Hier die wichtigsten Passagen aus Meyers Gedanken zu einem Plan, der das Dorf auf Jahrzehnte prägen wird:

  • Foto: Martin Barth
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„Gewachsene Strukturen zeugen von Entwicklungen. Sie sind Orientierungspunkte und Wegweiser. Mittelpunkt solcher Orientierungspunkte waren Kirchtürme, Mühlen, Rathäuser, besondere Häuser, Anlagen und/oder Baudenkmäler. In der städtebaulichen Planung spricht man von Eigenlogik der Städte, also von den individuellen Stadtspezifika. Diese sind verantwortlich dafür, ob sich die Bürger in der Stadt wohlfühlen. Jede Stadt hat ein solches Eigenleben, das gilt auch für Hamminkeln.

Die umwälzende Änderung eines Ortsbildes greift daher in das emotionale Gefühl der Bürger ein, denn hier werden Zusammenhänge und Ortsbilder sowie Orientierungspunkte endgültig und unwiederbringlich beseitigt. Jeder, der in Hamminkeln lebt, kann sich an diesen Gebäuden orientieren und leiten lassen. Um diese Gebäude hat sich das Leben in Hamminkeln entwickelt.Beispiel: Die beiden Kirchen waren die Dreh- und Angelpunkte, die Kneipe van Nahmen hat für die sonntägliche Gemeinschaft ebenso gesorgt wie die von Neu. Das Häuserkonglomerat, ehemals Gülcker, altes Fachwerkhaus, Bückmann, altes Küsterhaus und Brauerei Kloppert bilden beispielsweise in der Konzeption, Lage und Wiedererkennung einen zentralen städtebaulichen Akzent.

Der gewachsene städtebauliche Charakter von Hamminkeln wäre erheblich verwundbar, wenn eine totale Veränderung der Brüner Straße als Eingangstor nach Hamminkeln erfolgen würde. Das alte Pastorat mit dem verwunschenen Garten und dem unter Naturschutz stehenden Baumbestand bilden eine bedeutende, das Städte- und Landschaftsbild prägende Gesamtanlage. Die Beseitigung des Pastorats zugunsten eines Getränkemarktes würde den Ortseingang grundlegend dahin ändern, dass der dörfliche Charakter des Ortseinganges dem industriellen Erscheinungsbild weichen muss. Das gilt umso mehr, als dass die ,Oertmannswiese’ als biologischer Puffer – zusammen mit der Pastoratsanlage – als Übergang zwischen Außenbereich und Innenbereich eine solch harte Änderung des Landschaftsbildes bisher verhindert hatte.

Ein Getränkemarkt-Bau als Ersatzbau für eine gewachsene, ländlich dörfliche Struktur ist eine grundlegende Entscheidung, die für die nächsten Jahrzehnte nicht revidierbar ist. Dieser kann auch, wenn der Baumbestand gesichert ist, das Pastorat in keiner Weise ersetzen, da die Bäume und das Pastorat eine Einheit bilden. Historisch schützen die Bäume das Pastorat; für einen Getränkemarkt würde sicherlich ein Blitzschutz ausreichen. Fatal wird allerdings die planerische Entscheidung dann, wenn im Zuge dieser neuen gewerblichen Bebauung auch noch die restlichen historischen Tagelöhner-Häuser und die alte Schmiede Kamps einer gewerblichen Bebauung mit vielen Parkplätzen weichen sollen. Damit ist mit einer solchen Planung der zusammenhängende historische Dorf-Bereich unwiederbringlich beseitigt. Sicherlich ist nicht jedes alte Gebäude erhaltenswert, schon gar nicht ist zwingend die bisherige Nutzung beizubehalten. Aber die Alternative ist nicht unbedingt ein Abriss, sondern vielmehr, alte Strukturen - wie in Marienthal - zu erhalten und mit neuen modernen Inhalten (Kleingewerbe o. ä.) zu beseelen.“

Axel Meyer rät, nicht nur auf einen Investor zu setzen. Er kann sich vorstellen, die vorhandene Substanz stärker einzubeziehen, sie als Basis für das Planungsprojekt zu nutzen – was aber einen Nutzungscharakter („Start-ups“) als den üblichen Einzelhandel bedeuten würde. So sieht sein Fazit aus:

„Mit Verlaub, vielleicht gibt es mehr Investoren in Hamminkeln, als man glaubt, die die alte Schmiede Kamps in den Mittelpunkt eines marktähnlichen Geschehens bringen und ggf. verbunden sind mit den alten Tagelöhner-Häusern, die ebenfalls interessante Mietobjekte darstellen könnten und vielen „Startups“ als erste Bleibe dienen könnten; auch Künstler und Kleingewerbe könnten hier einen belebenden Impuls bieten.

Auch das Pastorat könnte noch einmal zu neuem Leben, etwa durch Einzug eines guten Lokals, erweckt werden. Geben Sie den vielfältigen Veränderungsmöglichkeiten eine Chance, bevor dieser Bereich in die Beliebigkeit und Charakterlosigkeit einer 08/15-Stadt verfällt.

Die jetzigen Investoren kommen nicht aus Hamminkeln, haben keinen Bezug zum Ort und werden nach Abschluss der Planungsumsetzung nicht unbedingt ein Interesse an der Nachhaltigkeit eines lebendigen Ortsteils haben.“

(thh)