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Hamminkeln: Evangelische Kirche Wertherbruch feiert 700. Geburtstag

Hamminkeln : 700 Jahre Kirche in Wertherbruch

Am Sonntag stellt Wertherbruch seine Jubiläums-Kirche in den Mittelpunkt. 1318 bekam Peter von der Lecke die Pfarrechte. Viele Gruppen aus dem Dorf machen mit.

Heinz Weyer ist nicht nur Kenner Wertherbruchs und Hobbyhistoriker. Er ist auch Vorsitzender des Presbyteriums und hat jetzt eine besondere Geschichte aufgeschrieben – die der Wertherbrucher Kirche, die seit 700 Jahren Mittelpunkt des Dorfes ist. Das markante Bauwerk ist für ein knapp über 1000 Einwohner zählendes Dorf ungewöhnlich groß, steht mittendrin im Ort und ist ein Identifikationspunkt für die Menschen. Am Sonntag, 26. August, wird das Jubiläum mit vielen Gästen gefeiert.

„700 Jahre Kirche in Wertherbruch – eine lange Zeitspanne. Die Vorgeschichte war jedoch recht kurz“, sagt Weyer. Das Werther Bruch war Sumpfland, das zu Werth gehörte. 1296 hatte der holländische Ritter Heinrich von der Lecke vom Kölner Erzbischof die Erlaubnis bekommen, das vor seiner Burg Werth gelegene Bruchland urbar zu machen und es ihm und seinen Erben als Lehen überlassen. Sein Sohn Peter geriet 1313 in Streit mit dem Stift zu Rees, das für das Werther Bruch kirchlich zuständig war, unter anderem wegen des Zehnten, der von ihm zu zahlen war. 1318 wurde der Streit beigelegt, Peter hatte jährlich 100 Malter Hafer zu liefern. Dafür durfte er die Pfarrkirche errichten. Das belegen Urkunden im Landesarchiv in Düsseldorf.

 In ihrer heutigen Gestalt wird die Kirche auf etwa 1460 bis 1480 datiert.
In ihrer heutigen Gestalt wird die Kirche auf etwa 1460 bis 1480 datiert. Foto: Kirche Wertherbruch
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Ob es zuvor dort eine Kapelle gab, ist ungeklärt. Wohl aber galt als einer der Gründe für den Kirchenbau, dass im Winter die Wege zur Kirche nach Haldern zu beschwerlich waren. „Baubefunde und die ältesten Wandmalereien weisen darauf hin, dass spätestens nach 1318 der Bau in Angriff genommen wurde. In ihrer heutigen Gestalt wird die Kirche auf etwa 1460 bis 1480 datiert“, berichtet Weyer. Besonders auswärtigen Besuchern fallen oft die Dimensionen des Kirchengebäudes im kleinen Wertherbruch ins Auge. Weyer: „Eine schlüssige Erklärung, warum die Herren von der Lecke beziehungsweise ab etwa 1340 ihre Nachfolger, die Herren und Grafen von Culemborg, hier eine so imposante Kirche bauen ließen, obwohl sie weder hier noch auf der Burg im benachbarten Werth wohnten, können wir nicht bieten.“

 Das Pastorat steht ebenso wie das Pfarrhaus unter Denkmalschutz.
Das Pastorat steht ebenso wie das Pfarrhaus unter Denkmalschutz. Foto: Kirche Wertherbruch

Wohl aber ist bekannt, dass die Kirche und ihre Ausschmückung großzügig gefördert wurden. So stiftete der damalige Pfarrer Wilhelm Drubert 1425 eine Vikarie, die bis in die Reformationszeit nachweisbar ist. Werth und Wertherbruch wurden offiziell evangelisch, als Floris I., Graf von Culemborg, 1566 zu den Reformierten (Calvinisten) wechselte, weil seine Gattin lutherisch gesinnt war. Der zuvor streng katholische Graf ordnete 1572 sogar einen „Bildersturm“ an. So wurden Wandmalereien übertüncht, die erst 1911 wiederentdeckt wurden. Dem Herzog von Kleve wurde „schändliche Verwüstung“ gemeldet. Kriegerische Zeiten folgten. Es gab Besetzungen und Durchzüge von Soldaten, ab 1581 war das zerstörte Wertherbruch 14 Jahre lang unbewohnbar.

Im Zuge des Wiederaufbaus unter Floris II. von Culemborg ab etwa 1595 entwickelte sich auch das kirchliche Leben neu. Wertherbruch blieb überwiegend evangelisch-reformiert und schloss sich den anderen Gemeinden an, die sich in Synoden und Klassen organisierten. Die Weseler Klasse stützte und formte die jeweiligen Gemeinden mit. Allerdings war  das Dorf nicht völlig reformiert. Es gab in den Grenzbereichen Richtung Loikum und Werth katholische Familien. Die katholischen Mitbürger waren wegen der damit verbundenen Gebühren gehalten, die Amtshandlungen in der evangelischen Kirche vor Ort durchführen zu lassen.

Dann wechselte die Alte Herrlichkeit Wertherbruch mehrfach den Besitzer. Der Herzog von Sachsen-Hildburghausen verkaufte 1715 Wertherbruch an den preußischen Generalfeldmarschall Alexander Hermann von Wartensleben. Er und seine Nachfolger nahmen noch die Patronatsrechte als Kirchenherrn wahr. Als 1840 ein neuer Pfarrer zu ernennen war, tat dies der Graf von Wartensleben noch gegen den erbitterten Widerstand vieler Bürger. „Viele alte Unterlagen sind vor Ort nicht erhalten geblieben, da das Pfarrhaus mit Archiv im Oktober 1858 abbrannte. Der Nachfolgebau, an gleicher Stelle errichtet, steht unter Denkmalschutz, ebenso das Pastorat“, erzählt Weyer. Zu den besonderen Ausstattungsstücken der Kirche gehören die Wandmalereien, die über Jahrhunderte hinter einem Anstrich versteckt waren. Es handelt sich um wertvolle Arbeiten aus verschiedenen Epochen. Daneben sind noch die drei 1854 angeschafften Stahlgussglocken zu erwähnen. Damals ganz neu und möglichst günstig, gehören sie inzwischen zu den ältesten Geläuten dieser Art überhaupt.

Das Ende der selbstständigen  Kirchengemeinde Wertherbruch kam zum 31. Dezember 2016, als man sich mit Brünen, Hamminkeln und Ringenberg/Dingden zur Evangelischen Kirchengemeinde An der Issel zusammenschloss. „Nach vielen Jahren der rechtlichen Selbstständigkeit ein Weg in die Zukunft“, sagt der Presbyter. Die Identifikation der Wertherbrucher mit „ihrer“ Kirche ist geblieben.