Hamminkeln: Digitale Ausleihe "Onleihe" wird Problem

Digitale Ausleihe wird zum Problem : Neue Debatte um „Onleihe“ in Hamminkeln

Die Hamminkelner Stadtbücherei soll mit der Bücherei St. Pankratius kooperieren, um die Ausleihe digital zu ermöglichen. Eigentlich eine gute Alternative. Doch plötzlich gibt es politische Querschüsse.

Eigentlich schien alles klar, um der Stadtbücherei eine Hintertür zu öffnen, um die angestrebte Onleihe und damit den Zugang zu größerem Medienbestand, anbieten zu können. Damit will die Einrichtung, die im Keller der Gesamtschule an der Diersfordter Straße ziemlich weit weg von der Ortsmitte untergebracht ist, zeitgemäße Wege gehen und auch mehr junge Leser anlocken. Doch die Lösung wurde im Hamminkelner Hauptausschuss nicht mit dem Jubel begrüßt, den sich die Verwaltung ausgemalt hatte. Es gab plötzlich Beratungsbedarf. Jetzt wird der Rat am 11. Oktober noch einmal ran müssen. Wobei er an der Neuheit nicht vorbeigehen kann. Eine verbesserte Bücherei ist schließlich ein Bildungsfaktor.

Hintergrund ist die seit Langem personell schwierige Lage. Die Einführung der Onleihe – das ist die digitale Ausleihe der öffentlichen Bibliotheken – ist zurzeit daran gebunden, dass die städtische Bibliothek eine Bücherei der ersten Stufe sein muss. Dafür benötigt man eine ausgebildete Bibliothekarin, bisher sind aus Kostengründen Medienfachkräfte beschäftigt. Doch es gibt eine weitere Bücherei in der Stadt, das ist die katholische Bücherei St. Pankratius in Dingden. Sie gehört dem Onleiheverbund Libell-e an. Eine Kooperation zwischen Stadt und Kirche wäre die Lösung.

Die katholische Kirchengemeinde Maria Frieden hatte der Stadt einen sofortigen Verbund auf der Grundlage einer Vereinbarung vorgeschlagen. Der Borromäusverein, der im Auftrag mehrerer Diözesen katholische Büchereien unterstützt, untersagt seinen Verbundmitgliedern allerdings Verträge mit Dritten, so dass ein Verbundpartner ausscheidet. Bliebe der direkte Anschluss. Doch der Borromäusverein kann der Stadt Hamminkeln zurzeit keinen eigenen Zugang zur Libell-e anbieten, da erst im gesamten bundesweiten Verbund eine einheitliche Regelung zur Aufnahme kommunaler Einrichtungen erörtert werden soll. Das Ergebnis soll diesen Oktober feststehen, doch weil der Eintrittstermin jeweils der 1. Oktober ist, wird es für Hamminkeln frühestens 2019 etwas mit der Onleihe.

Nun folgte der Kniff: Mit der Kirchengemeinde Maria Frieden wurde vorbesprochen, dass die städtische Leserschaft kurzfristig die Onleihe nutzen kann, indem man der katholischen Bücherei beitritt. Das ist nicht neu, aber wenig bekannt und fast nicht genutzt. Die Stadt empfiehlt nun den Beitritt – und fördert das finanziell. Von zwölf Euro Gebühr übernimmt sie acht, mit 250 Onleihelesern wird hochgerechnet. Die feste Mitgliedschaft im Onleiheverbund am Ende bleibt das Ziel, um die Attraktivität der Bücherei langfristig zu erhalten, insbesondere als Schulbücherei und für die bald beginnenden Oberstufe.

Dennoch: Johannes Flaswinkel (Grüne) fand die Lösung „halbherzig“, die Gesamtschule brauche mehr Einsatz. Dezernent Jürgen Palberg gab gleich contra: „Ich bin überrascht, wir haben eine funktionierende Alternative gefunden.“ Jörg Adams (SPD) fand die „Zwischenlösung gut“. Matthias Holtkamp von der CDU erinnerte an die Kosten. Eine teilzeitbeschäftigte Bibilothekarin würde jährlich 28.000 Euro mehr Personalkosten verursachen. Trotzdem gibt die Stadtverwaltung für die Bildung mehr Geld aus als vergleichbare Kommunen.

(thh)
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