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Hamminkeln: Damit Schüler aus Rees zur Gesamtschule kommen, sollen Busse fahren

Thema im Ausschuss für Bildung : Hamminkeln will Buslinie für Reeser Schüler

Zur Stärkung der Gesamtschule braucht die Stadt Hamminkeln auch Schüler aus Haldern und Mehr – mit verbessertem Busverkehr sollen sie gelockt werden. In Rees zeigt der Bürgermeister Christoph Gerwers (CDU) Verständnis für diese Form der Anwerbung.

Angesichts der nicht ausreichenden Schülerzahlen intensiviert die Gesamtschule Hamminkeln ihre Bemühungen um Schüler aus Nachbarkommunen. Das geht aus einer Vorlage für den am Donnerstag tagenden Ausschuss für Bildung (17 Uhr, Ratssaal Hamminkeln) hervor. Die Stadt schlägt vor, eine Buslinie auszuschreiben, um Schüler aus den Reeser Stadtteilen Mehr und Haldern nach Hamminkeln zu bringen. „Eine von der Elternschaft ständig gewünschte Optimierung der Beförderung würde nicht nur den Familien, sondern auch schulischen Zielen entgegen kommen. Positive Auswirkungen für die städtische Gesamtschule im Hinblick auf das Schulwahlverhalten von Eltern sowohl für den Einstiegsjahrgang 5 wie für die Oberstufe könnten ebenso erzielt werden“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Immer mehr Schüler gehen von Rees nach Hamminkeln. Die Zahlen zum Vergleich: Im Schuljahr 2012/2013 kamen noch 20 Schüler aus Rees, zehn aus Haldern, zehn aus Mehr. 2018/2019 sind es schon 110. Perspektivisch geht Hamminkeln von 240 Schülern im Schuljahr 2021/2022 aus Rees aus. Drei Busse wären dann nötig

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In Rees sieht man die Hamminkelner Bemühungen gelassen. Der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers (CDU) verweist darauf, dass er mit Bürgermeister Bernd Romanski (SPD) in einem gutem Austausch sei. Traditionell besuchen zum Beispiel viele Schüler aus Mehrhoog auch die Reeser Schulen.

Die Hintergründe erläutert die Hamminkelner Verwaltung den Politikern in einer Vorlage: Schon seit dem Start der Gesamtschule im Sommer 2013 würden aus Rees kontinuierlich 15 bis 20 Schüler an der Gesamtschule angemeldet. Grund dafür sei auch, dass es in Rees keine Gesamtschule gibt. In Rees gibt es wiederum das gut funktionierende Schulzentrum am Westring mit Haupt-, Realschule und Gymnasium Aspel an einem gemeinsamen Standort. Elf Prozent der Schüler der Gesamtschule, so rechnet die Verwaltung vor, kämen mittlerweile aus Rees.

Das große Problem ist die Beförderung der Kinder. Es gibt keine qualitativ gute Busverbindung aus Rees-Mehr, auch von Haldern nach Hamminkeln ist die Situation aus Sicht der Verwaltung nicht zufriedenstellend. In NRW gilt generell das Schulträgerprinzip. Der Antrag auf Fahrtkostenerstattung ist unabhängig vom Wohnsitz beim Schulträger der besuchten Schule zu stellen. Hamminkeln muss also für die Kosten aufkommen, sofern der Schulweg länger als 3,5 Kilometer beträgt. Im gesamten Hamminkelner Stadtgebiet gibt es einen Schülerspezialverkehr. Schüler, die von auswärts kamen, mussten erst auf Hamminkelner Stadtgebiet fahren, um von dort dann den Schülerspezialverkehr nutzen zu können. Auch aufgrund der Schüler aus Rees sei es schon bisher häufiger zu Kapazitätsproblemen in den Bussen gekommen, teilt die Verwaltung in der Vorlage mit. Die Alternative war also der normale öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Für Mehr gab es den allerdings nicht. Von Haldern aus muss man die Linie 95 nach Wertherbruch, dann die Linie 96 nach Hamminkeln nehmen. Kompliziert, unbequem, auch teurer: Hier trugen die Eltern zwölf Euro der Kosten pro Monat am Schokoticket, die Stadt Hamminkeln wiederum zahlte eine monatliche Pauschale von 60.000 Euro an die Niag. Die Verwaltung regte in Gesprächen mit der Niag auch an, eine Buslinie zu kreieren, die Schüler aus Haldern und Mehr auf direkterem Wege nach Hamminkeln bringt. Eine Lösung wurde aber nicht gefunden.

Der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers sagt: „Rees hat ein fantastisches Schulzentrum, wir freuen uns über jeden Schüler, der nach hier kommt.“ Faktisch kämen aber auch beim Reeser Schulzentrum 50 Prozent aus anderen Kommunen, etwa Isselburg oder Emmerich. Das hänge auch mit der Renaissance der Realschule Rees zusammen. Dazu habe Rees als eine von noch wenigen Kommunen der Region eine gut funktionierende Hauptschule. Gerwers verweist auch auf Gespräche zwischen Kommunen mit dem Ziel, dass mehr Schüler die Schulen der eigenen Kommune besuchen.