Hamminkeln: Caritas Familienbüro zieht in Gaststätte Götz

Hamminkeln: Caritas-Familienbüro zieht in Gaststätte Götz

Der Sozialverband hat das Gebäude im Schatten der katholischen Kirche gekauft und will dort Anfang 2019 eröffnen.

Manfred Götz ist mittlerweile 66. Zeit für den Hamminkelner, in den Ruhestand zu treten, um mehr Zeit mit seiner Frau verbringen zu können. Nur zu gerne hätte der Familienvater die von ihm seit gut zehn Jahren betriebene Traditionsgaststätte an der Diersfordter Straße an einen Wirt verkauft, der sie in seinem Sinne hätte weiterführen können. Doch genau dieser Gastronom hat sich nicht gefunden. Also musste Manfred Götz wohl oder übel Ausschau halwten nach einem anderen Interessenten. Handelseinig ist er mittlerweile mit dem Caritasverband Wesel-Dinslaken geworden, der dort Anfang 2019 sein Familienbüro eröffnen möchte. Die Anlaufstelle befindet sich derzeit noch, ein wenig versteckt, an der Brüner Straße neben der Bäckerei Overkamp.

Noch bis Oktober läuft der Betrieb in der Gaststätte Götz ganz normal. Dann will die Caritas mit den Umbauarbeiten beginnen. Wobei Caritas-Chef Michael van Meerbeck auf Anfrage unserer Redaktion betont, dass „wir womöglich im Gastraum alles so lassen, wie es ist, auch wenn wir natürlich keine Getränke ausschenken“. Doch die Atmosphäre sei so schön, die wolle man erhalten. Umgebaut werde in erster Linie der Saal. Michael van Meerbeck rechnet mit Kosten in Höhe von rund 200.000 Euro.

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Dass mit dem Verkauf an die Caritas ein Stück Hamminkelner Gaststättentradition endet, werden sicher viele bedauern. Zu ihnen gehört auch Nachbar Peter van Nahmen, Chef der mittlerweile bundesweit in Gourmetkreisen bekannten Süßmosterei. Denn gebaut hat die Gaststätte einst sein Ururgroßvater Heinrich van Nahmen, der schon 1892 eine clevere Geschäftsidee hatte: Er vermachte der Kirche ein Stück Land zum Bau eines katholischen Gotteshauses. Bedingung: Er würde daneben eine Gaststätte betreiben dürfen. Die Geschäftsidee funktionierte: Nach den nicht seltenen Gottesdiensten war die Gaststätte „Zum Apfelsaft“ gut besucht. Heinrich van Nahmen erweiterte seine Gaststätte Anfang des letzten Jahrhunderts um ein Kolonialwarengeschäft. „Heinrich van Nahmen hat damals als Unternehmer sehr klug gehandelt und eine richtige Entscheidung getroffen“, sagt Peter van Nahmen. Der erinnert sich noch lebhaft an die Zeit, als sein Onkel Josef, den alle im Ort nur Jupp nannten, Chef im Wirtshaus war. „Das war ein Kneipier par excellence. Freitags und samstags war seine Gaststätte eine richtige Institution in Hamminkeln. Da hat man sich getroffen.“ An den Tante-Emma-Laden nebenan, der von Jupps Schwester Maria betrieben wurde, dürften sich auch noch viele der Generation 50 plus gut erinnern.

Als Jupp van Nahmen Mitte der 90er Jahre nach einem Nachfolger Ausschau gehalten hat, wurden unter anderem auch alle Nichten und Neffen gefragt, ob sie eventuell Interesse hätten. Doch weil alle abgewunken haben, wurde das gastliche Haus verkauft. Peter van Nahmen hat übrigens selbst nicht mit dem Gedanken gespielt, das Gasthaus in seiner direkten Nachbarschaft von Manfred Götz zu kaufen. „Wir haben mit unserer Obstkelterei, die um einen Hofladen mit Küche und Besucherpavillion erweitert wurde und als Veranstaltungsort dient, genug zu tun.“