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Hamminkeln: Bürgermeister rechnet mit Ausgangssperre

Hamminkeln : Bürgermeister rechnet mit Ausgangssperre

Täglich tagt der Krisenstab im ansonsten fast verwaisten Hamminkelner Rathaus. Hier werden die Maßnahmen zusammengeführt, die das Leben der Bürger in den sieben Dörfern in der Corona-Krise eingrenzen.

Die Damen und Herren, die sich täglich und bei der sich rasant wechselnder Krisenlage auch mehrfach am Tag in Raum 105 des Hamminkelner Rathauses treffen, halten Distanz. Das Coronavirus geht um, und die Verwaltung tut alles, damit die Krise nicht die öffentliche Verwaltung lahmlegt. Im Krankheitsfall in den eigenen Reihen müsste das Rathaus den Betrieb einstellen, zurzeit ist es geschlossen, aber in den wichtigsten Funktionen besetzt und für die Bürger erreichbar.

Die Stadt selbst organisierte am Freitagmorgen den Rathausbetrieb um. In zwei Schichten – montags und dienstags sowie donnerstags und freitags – steht jetzt je eine Gruppe von Mitarbeitern zur Verfügung. Die, die sich da treffen, bilden den Krisenstab, der die täglich eingehenden Verfügungen und Verordnungen umsetzen muss, die die Ausbreitung des Virus verzögern helfen sollen.

Bürgermeister Bernd Romanski war sehr früh dabei, Restriktionen zu erlassen. Die meisten Kommunen waren da noch in bürokratischer Prüfung. Romanski will früh gewappnet sein. Er rechnet mit einer Ausgangssperre. Weil die Vernunft bei vielen doch nicht so weit reicht, sich selbst Quarantäne oder Verzicht auf das gewohnte Leben zu verordnen.

 Der Krisenstab, der oft nur so genannt wird, weil der Begriff gebräuchlich ist, heißt in Wirklichkeit SAE, was für Stab außerordentliche Ereignisse steht. Das behördliche Abstufungssystem hat einen Krisenstab für den Kreis im Katastrophenfall reserviert. Dann übernimmt auch der Landrat die Leitung – die Kommunen sind raus. In Hamminkeln sitzen Michael Wolbring (Feuerwehr), Ortwin Nissing (Ordnungsamt), Astrid Terhorst (Hauptamt), Rita Nehling-Krüger (Schule, Kitas), Robert Graaf (Erster Beigeordneter, Ordnungsdezernent) und Cheftechniker Bernhard Payer mit am Tisch.

Vorteil ist jetzt, dass die Stadt seit 2013 über einen jedes Jahr aktualisierten Pandemieplan verfügt. Der gibt die Handlungsstruktur vor. Nicht immer ist die Runde komplett, manchmal sind Probleme vor Ort zu lösen. So hatte Payer jetzt die Besetzung der Kläranlage umzuorganisieren auf geänderten Schichtbetrieb. Gäbe es hier einen Corona-Fall, würde eine ganze Schicht ausfallen und den Betrieb gefährden. Also musste der Notfall vorgedacht und eine Alternative installiert werden.

Romanski lobt sein Team. Man habe, so sagt er, schon bei den Hochwasserkatastrophen 2015 und 2016 vertrauensvoll zusammengearbeitet, sei eingespielt und selbstverständlich ohne Stundenlimit im Einsatz. Die Rolle als oberster Krisenmanager der Stadt fordert ihn nicht nur heraus, sie gefällt ihm. Da kommt der ehemalige Wirtschaftsmanager durch, Analyse, Besprechung, Entscheidung.

Jeder in der SAE-Runde bringt die Themen seines Bereichs ein, manchmal sind plötzliche Verfügungen einzubauen oder widersprüchliche neu zu ordnen. Zum Beispiel waren kurzfristig die Spielplätze geschlossen, dann wieder auf. Das hält auf unterwegs zum Ziel, alle Verwaltungsbereiche handlungsfähig zu halten und Sicherheit zu schaffen. Und Schnelligkeit zählt. Die erste Stabsrunde gab es am 5. März, am 9. März preschte Hamminkeln dann mit härteren Vorgaben als gefordert vor. Andere ließen ein untätiges Wochenende danach verstreichen.

„Die Situation in Italien ließ da schon den Schluss zu, dass wir rasant betroffen sein würden und schnell zu handeln haben“, sagt Romanski. Das Land habe im Grunde zwei Wochen vertan. Bei den Schulen habe man sich bis in die Osterferien retten wollen – eine Illusion.

Nun ist das Corona-Virus nicht mehr abstrakt und weit weg, sondern real. Trotzdem gibt es viele Leichtfertige. Die Botschaft, soziale Distanz zu halten, wird oft ignoriert. Deshalb hat der Verwaltungschef beschlossen, sich medial mächtig in den Ring zu werfen. Er war im Kreis der Erste, der eine Videobotschaft an die Hamminkelner absetzte.

Am Freitag folgte ein zweites Video. In den lokalen Medien ist er omnipräsent, SAE hat die Kontaktadresse corona@hamminkeln.de aufgelegt. Das Rathaus beantwortet hier alle eingehenden Fragen. Die Telefonhotline mit den Durchwahlen 88125 und 88135 ist geschaltet. Anfragen aus der Wirtschaft bezüglich Notlagen hat Romanski bisher nicht bekommen.

„Wir sehen, wie dynamisch sich die Situation entwickelt. Solch eine Gefahr gab es noch nie. Je besser wir die Hamminkelner mitnehmen, desto weniger werden wir die Einhaltung der Auflagen kontrollieren müssen“, sagt Romanski. Zum Schutz für alle, was auch eine Art Selbstschutz darstellt: Wie soll die Verwaltung eine Ausgangssperre im 146 Quadratkilometer großen Stadtgebiet kontrollieren? Die SAE-Runde muss diese Aufgabe stemmen. Sie arbeitet im Dauermodus bis mindestens 19. April. Was dann mit den Corona-Bestimmungen ist, weiß niemand.

Gegen die Regel Auch Kurioses erlebt derzeit das Ordnungsamt, das kontrolliert, ob Inhaber ihre Läden geschlossen halten. Und da begab es sich in Mehrhoog, dass die Eisdiele noch geöffnet hatte. Der Besitzer habe gegenüber Kunden behauptet, er habe eine Sonderregelung mit der Stadt, erzählt Romanski. Dem sei natürlich nicht so.