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Hamminkeln: Braumeister Kloppert zeigt Anbau von Gerste und Hopfen

Hamminkeln : Im Märzen der Brauer . . .

Braumeister Wilhelm Kloppert aus Hamminkeln setzt auf Nähe zum Produkt und Gefühl für die Natur. Dabei können Interessenten Gerste und Hopfen selbst anbauen. Das Bier wächst sozusagen im eigenen Garten.

Wilhelm Kloppert öffnet den großen Kühlschrank, der eigentlich ein Trocken- und Reifeschrank ist. Die Braugerste nähert sich dem richtigen Trocknungs- beziehungsweise Feuchtigkeitsgrad und hat bereits gekeimt. Der Brau- und Mälzmeister – auf diese Kombination kommt es an – und Chef der alteingesessenen Feldschlösschen-Brauerei von 1852 beginnt, zu erzählen. Er begeistert sich für Gerste und Hopfen aus eigenem Anbau, für das er Saatgut für jedermann bereithält, erzählt vom Verfahren, das er in besonderen Kursen weitergibt, und er weiß, wie man verschiedene Malze herstellt und den Hopfen wachsen lässt. Doch wer ernten will, muss auch säen. Wilhelm Kloppert hat dafür ein Kinderlied umgereimt: „Im Märzen der Brauer sein Bierchen anpflanzt.“

Er hat unlängst die Aktion „Braugerste“ gestartet. In kleinen Mengen bietet seine Niederrheinisch-Westfälische Braumanufaktur an der Brauereistraße Saatgut und Hopfenpflanzen an. Der Braumeister ist auch bekannt für seinen Weg, regionale Produkte zu fördern und die „Genussregion Niederrhein“ anzuschieben. „Das Interesse am Saatgut ist da“, sagt Wilhelm Kloppert. Die Braugerste könne auf eigenen Flächen oder im eigenen Garten wachsen, gehegt und gepflegt sei sie dann im Herbst erntereif. „Dann wird gemälzt, und dann brauen wir Bier daraus“, sagt er. Die Hobbybrauer könnten dann erleben, wie ihr Bier im Garten wachse. Und dass es auch viel Arbeit bedeute, um zum Ziel zu kommen.

Wobei Bier nicht gleich Bier und Malz nicht gleich Malz ist. So können aus der Ernte Karamelmalz, Pilsenermalz oder ein leichtes Münchener Malz entstehen. „Beispielsweise. Eine interessante Geschichte. Die Vorarbeit ist, dass man das Getreide auf ganz natürliche Weise behandelt“, sagt Mälzer Kloppert, der im Herbst die entsprechenden Vermälzungskurse anbietet. Ein Thema ist dann auch, „wunderbares Backmalz“ herzustellen, damit lässt sich aromatisch und sehr schmackhaft backen.Dabei geht es nicht darum, große Mengen zu produzieren. 150 Gramm Saatgut reichen für zehn Quadratmeter Anbau von Gerste, was wiederum nach dem Mälzen 20 Liter Bier ergibt.

Das Mälzen kann die Braumanufaktur übernehmen im besagten Schrank. Dazu gehört natürlich Hopfen, der in Setzlingen abgegeben wird, Sonne und Nährstoffe mag und dann wächst, was das Zeug hält. Nähe zum Produkt und Gefühl für die Natur zu bekommen ist Teil des Prozesses. Mit zwei Landwirten – Biohof Rülfing aus Rhede, der auch im Hamminkelner Stadtgebiet anbaut, und dem Gut Kalbeck in Weeze – hat Kloppert schon im kleinen Rahmen Braugerste angebaut. Interesse an der regionalen Ausrichtung hat auch die Stadt Hamminkeln, die an einem wissenschaftlichen Projekt teilnimmt.