Hamminkeln: Bachelor der Uni Münster untersucht Schädel von Bison und Wisent aus der Eiszeit

Münsteraner Student hat im Heimathaus geforscht: Als Bisons über Dingdens Steppe stapften

Ein Student hat über prähistorische Funde im Dingdener Heimathaus geschrieben. Acht sehr gut erhaltene Wisentschädel aus der Eiszeit sind hier ausgestellt. Ihre Herkunft ist interessant.

Als das Rheintal bis Dingden reichte, bebte die nahe Steppe unter ihren Hufen. Die Ein-Tonner-Kolosse durchstreiften die Gegend um das heutige Dorf an der Schnittstelle von Rheinland und Westfalen in kleinen Herden oder als streitbare Einzelgänger. Tempo 60 schafften die Schwergewichte, wenn sie einmal in Fahrt waren. Bis zwei Meter Schulterhöhe erreichten die urzeitlichen Steppenwisente, die mächtigen männlichen Tiere trugen wehrhafte Hörner, die von Spitze bis Spitze oft 1,50 Meter maßen. Sie entstammen einer Zeit, die Geowissenschaftler und Paläontologen interessiert. Fasziniert vom Leben im uralten Rheintal ist der 24-jährige Henrik Greshake. Er hat im Heimathaus Dingden intensiv die dort ausgestellten acht Steppenwisent-Schädel untersucht. Sie belegen, dass Dingdens Steppe einst ein Paradies für urzeitliche Tiere war.

Im Heimathaus half man dem jungen Studenten gerne. In Ruhe konnte er dort für seine Bachelorarbeit an der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster arbeiten. „Ein tolles Thema, es hat Spaß gemacht in Dingden. Die Hilfsbereitschaft war groß“, erzählt Henrik Greshake. Sein Zweitprüfer, der Paläontologe Achim H. Schwermann vom LWL-Museum für Naturkunde, bescheinigt ihm engagiertes wissenschaftliches Arbeiten und die Wahl eines spannenden Themas.

Schließlich tummelten sich nicht nur „Bison prisons“ in der Steppe. Mammut, Wollnashorn, auch schon in der Gegend gefunden, Wisente und Großräuber lebten im Urland. Gefunden wurden die prähistorischen Stücke in der Jetztzeit vor allem in Kies-Seen. Oft in erstaunlich gutem Zustand, denn das Sediment der Flüsse hatte sie schützend bedeckt, bevor Aasfresser ihr Werk vollenden konnten.

Das ist interessant für Wissenschaftler. Und so kommt auch der Bezug zur Münsteraner Uni zustande. Immer wieder wurden bei Funden ihre Wissenschaftler zu Rate gezogen. Auch der junge Student machte sich an den Ausgrabungen im Dingdener Raum schlau, um bei seinen morphologischen Untersuchungen mehr über die Lebensumwelt der Tiere zu erfahren. In der Grassteppe fanden die Bisons genug Nahrung. Vier der Hörner stammen von älteren Tieren, zwölf bis 15 Jahre wurden sie in etwa alt. Ein Jungtier war dabei, ebenso ein weibliches, wie die kleineren Gehörne zeigen.

Die Hörner von sieben männlichen Tieren wurden identifiziert, was zeigt, dass hier nicht etwa eine kleine Herde im morastigen Uferbereich des Rheins verendeten, sondern im Laufe der Zeit mehrere Einzelwisente. Solche Funde sind heute selten, wie man im Heimathaus weiß. Die Dingdener Stücke wurden in Zeiten ans Tageslicht befördert, in denen Bagger noch Kies und damit mögliche Funde auf die Schaufel nahmen.

Bei den modernen Saugbaggern mit ihren Fräsen vorne wird zu viel zerstört, um verwertbare, oft in rund acht Metern tiefe lagernde Schädel zu erhalten. „Dabei sind viele Überreste vorhanden, die Dingdener Gegend war voller Tiere“, sagt Schwermann. Besonders interessant findet er Verletzungen und wieder verwachsene Knochen an den Fundstücken. Woher sie genau stammen, wisse man nicht, aber es sei selten, „Interaktionen der Tiere nachweisen zu können“ – sprich Rangkämpfe.

Der sehr gute Zustand der Fossilien machte es möglich, eine große Anzahl an Detailkenntnissen zu bekommen. Davon hat auch das Heimathaus in Dingden etwas. Die im Obergeschoss ausgestellten Schädel lassen sich jetzt mit genauen Angaben versehen und werden unterscheidbar – wissenschaftlich abgesichert.

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