Hamminkeln: Altes Lehrerhaus in Dingden wird zum Treffpunkt umgebaut

Dorfentwicklung Dingden : Altes Lehrerhaus wird Treffpunkt

Der Verein Dorfentwicklung Dingden hat das Gebäudeensemble Weberstraße 19 erworben. Das Projekt „Baukulturstelle“ nimmt Gestalt an. Ideen werden am 15. Mai präsentiert.

Ein bisschen erschreckt ist der Verein Dorfentwicklung noch vom eigenen Mut. Doch es kommt bei den Aktiven rund um Agnes Küpper auch Freude auf, mitten im alten Kern des Dorfes einen Treffpunkt schaffen zu können, der nicht nur ein Stück historisches Dingden erhält, sondern auch identitätsstiftend ist. Denn der Verein hat mit Hilfe der örtlichen Sponsoren Konrad und Irene Schröer das Gebäudeensemble an der Weberstraße 19 erworben, das das Wohn-Eckhaus und das Denkmal Lehrerhaus, im Dorf auch „die Scheune“ genannt, sowie dahinterliegende Anbauten umfasst.

Die Fördergeldfrage zur Entkernung und Sanierung ist bis auf eine geringe ungedeckte Finanzlücke geklärt. Eine Million Euro soll in die Rettung und Wiederbelebung des alten Gemäuers gesteckt werden. Eine Machbarkeitsstudie mit mehreren Varianten gibt es. Das macht neugierig. Besucher können am Mittwoch, 15. Mai, hinter die alten Mauern schauen.

Küpper berichtete, dass sich die Dorfentwickler gedanklich seit zehn Jahren mit dem rund 250 Jahre alten Lehrerhaus beschäftigt hätten. Auch jetzt gibt es einen gewissen Respekt vor der Aufgabe, die man da übernommen hat. Mal wollte man das Gebäude lieber nicht kaufen, mal sollte es nicht verkauft werden. Das Ensemble gammelte derweil vor sich hin. Beim alten Lehrerhaus ist schon nicht mehr bekannt, wann es zuletzt bewohnt war. Innen hat es neben einem alten Kamin, einer wunderbar geheimnisvollen Wendeltreppe oder handgemachten Fliesen an derber Wasserstelle oder dem Schweinestall interessante Einblicke zu bieten. Das reizt, den musealen Charakter zu nutzen, sagt Agnes Küpper. Das Geschäfts-Wohn-Eckhaus ist durch einen Zugang damit verbunden, auch in dem Komplex herrscht Leere nach Auszug des Geschäfts vor rund sechs Jahren.

Es sei vielen noch als Treffpunkt bekannt, als hier der Mini-Laden lockte, erzählt Christa Scheper vom Verein Dorfentwicklung. Dieser Treff im Dorf soll wiederbelebt, das Eckhaus entkernt und bis unter das Dach offen gestaltet werden. Für Kultur- und Vortragsveranstaltungen ist der Ort ebenfalls bestens geeignet, auch für Schüler, die in Gruppen das nahe Humberghaus besuchen und das Thema jüdische Leben in Dingden nacharbeiten wollen. Als das Vorhaben zum Leader-Projekt erkoren wurde, bekam die „Baukulturstelle“ einen Schub. Die Machbarkeitsstudie kam in Gang, die Denkmalfachleute vom Landschaftsverband Rheinland traten in Aktion.

Sie entdeckten zur Überraschung aller den bauhistorischen Wert der hinteren Anbauten, die eigentlich abgerissen werden sollten. Besonders die Dachkonstruktion ist einmalig und stellte sich als noch älter als das Lehrerhaus heraus. Leader, ein Förderprogramm für den ländlichen Raum, war so beeindruckt, dass es extra per Ausnahmegenehmigung die Schatulle für Dingden weiter öffnete als normal. Kerstin Jendrek von Leader sagte: „Wir fördern mit 625.000 Euro, sonst begrenzen wir immer auf 250.000 Euro.“ Grund sei, dass sich der Dingdener Verein immer als „zuverlässig, professionell und eigenständig“ erwiesen habe. Weitere Hilfe kommt von der NRW-Stiftung.

Einen eigenen Betrag wollen die Dorfentwickler noch zusammenbekommen. So bieten sie am Mittwoch kleine Holz-Lehrerhäuschen gegen Spenden. Dann müssen sie Dampf machen, denn die Förderung ist an Fristen gebunden. Hilfreich ist, dass auch schon die Betriebskostenfrage geklärt ist. Die Sponsoren Schröer übernehmen diese für zwölf Jahre.

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