Haftstrafe für Nordafrikaner nach Überfall auf Juwelier in Wesel

Wesel/Duisburg : Haftstrafe für Überfall auf Juwelier in Wesel

Ein 33-Jähriger, der bereits mehrfach in Frankreich vorbestraft ist, erbeutete Schmuck im Wert von 27.000 Euro. Angeblich musste er seinen Bruder auslösen. Gericht und Staatsanwaltschaft hielten dies für glaubwürdig.

(bm) Der Überfall auf ein Juweliergeschäft an der Brückstraße in der Weseler Innenstadt am 2. Juni 2017 dauerte nur zwei Minuten. Doch drei Angestellten und einer Kundin wird dieser schlimme Moment viel länger vorgekommen sein. Sie litten Todesangst, als sie von einem unmaskierten Mann mit einer Pistole bedroht wurden. Das Landgericht Duisburg verurteilte den 33-jährigen Franzosen nordafrikanischer Abstammung am Dienstag wegen schweren Raubes zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis.

Der Angeklagte gestand vor dem Gericht, den Juwelier überfallen zu haben. Zuvor hatte er sich mit einem Pappkarton und einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole ausgestattet. Beim Eintritt hatte er sich den Karton vor das Gesicht gehalten. Dann jedoch ließ er die Pappe, an der später seine DNA gefunden wurde, fallen, um die vier Frauen im Ladenlokal zu bedrohen.

Eine der Angestellten bugsierte er vor ein Vitrinen-Schaufenster, bedeutete ihr mit der Pistole, dass sie aufschließen solle. Das alles zeigten auch die Bilder einer Überwachungskamera, die im Gerichtssaal vorgeführt wurden. Sie habe Panik gehabt, berichtete die Zeugin, weil sie den Schlüssel nicht sofort fand. Dann langte der Täter in die Auslagen und packte wahllos Ringe in einen Rucksack. 84 davon waren rund 27.000 Euro wert, 75 weitere waren nur aus billigem Material hergestellte Dummies. So schnell wie er gekommen war, verschwand der Räuber wieder.

Aufgrund der Spuren kam die Polizei der Identität des Mannes schnell auf die Spur. Um so mehr, da er gleich nebenan in einem Süßwarengeschäft gearbeitet hatte. Aufgrund internationalen Haftbefehls war der Angeklagte Ende März in Frankreich festgenommen und ein Jahr nach der Tat nach Deutschland überstellt worden.

Dafür, dass der Angeklagte trotz 13 Vorstrafen in Frankreich mit einer vergleichsweise milden Strafe davonkam, war vor allem sein angebliches Motiv, das er vor Gericht anführte, verantwortlich: „Mein Bruder war entführt worden. Die Entführer verlangten 20.000 Euro.“ Schon länger seien er und seine Familie von einem Mann unter Druck gesetzt worden. Am 1. Juni 2017 sei er von einem fremden Mann vom Handy seines Bruders angerufen worden, berichtete der Angeklagte. Ihm seien 48 Stunden Zeit gegeben worden, den Verwandten auszulösen. „Ich hatte Angst um sein Leben. In meiner Panik habe ich mir keinen anderen Rat gewusst, als den Überfall zu begehen.“ Die Beute habe er kurze Zeit später in Frankreich übergeben, woraufhin der Bruder freikam.

Erstaunlicherweise nahmen Staatsanwalt und Strafkammer ihm diese Geschichte ab. Und das, obwohl der Bruder erst genau vier Tage nach der Festnahme des Angeklagten zur Polizei gegangen war. Dort hatte er keineswegs eine Entführung, sondern lediglich eine Bedrohung angezeigt.

(bm)
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