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Gülle: Bauern am Niederrhein sauer auf Nabu-Chef Peter Malzbender

Diskussion am Niederrhein : Bauern stinksauer auf Nabu-Chef nach Gülle-Kritik

Peter Malzbender, Vorsitzender des Naturschutzbundes im Kreis Wesel, hat mit seiner Kritik an Massentierhaltung und übermäßigem Ausbringen von Gülle unter Landwirten niederrheinweit eine Welle des Protestes losgetreten. Johannes Leuchtenberg, Vorsitzender der Kreisbauerschaft Wesel, spricht von einer „Hetzkampagne“ und erwartet eine Entschuldigung.

Er selbst, so Leuchtenberg weiter, habe sich über den von Malzbender am Naturschutzgebiet Lippaltarm in Obrighoven monierten Fall erkundigt und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Gülle dort ordnungsgemäß und in zulässiger Menge ausgebracht worden sei. Überdies sei die Landwirtschaft im Kreis Wesel grundsätzlich auf einem sehr guten Weg. Die Nitratwerte seien seit Jahren rückläufig. Auch in besagtem Gebiet. „Das ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte“, sagt Leuchtenberg.

Der Kreisbauer stößt sich auch an Vorwürfen zur Massentierhaltung. „So viele machen ihre Ställe zu“, sagt Leuchtenberg. Auch diese Entwicklung sei rückläufig, die Bauern hätten ihre Hausaufgaben gemacht. „Die Düngeverordnung wäre nicht gekommen, wenn alle Gebiete so wären wie im Kreis Wesel.“ Für abwegig hält Leuchtenberg die Vermutung Malzbenders, Flächenbesitzer bekämen 60 Euro für die Abnahme eines Kubikmeters Gülle. Üblich seien vielleicht acht bis zehn Euro.

Nils Fahl, Landwirt aus Loikum, zweifelt ebenfalls an besagtem Preis. „Das ist weit weg von der Realität“, sagt er. Er habe vor zwei Wochen 13 Euro bezahlt.Das sei der Frühjahrspreis. Er selbst habe zwar nur einen kleinen Betrieb, aber er müsse trotzdem Gülle abgeben. Was unter einer Schwemme oder Flut zu verstehen sei, bedürfe ebenfalls näherer Betrachtung, sagt Fahl. Es sei eine Frage der Konzentration und eben ein Unterschied, ob zwei oder 5,5 Prozent Stickstoff in der Gülle enthalten seien. Geradezu wütend macht es ihn, dass die in der Corona-Zeit als systemrelevant anerkannten und hart arbeitenden Landwirte nun an den Pranger gestellt würden.

Ähnlich äußert sich Erik Dyck aus Rees. Bei 250 Milchkühen müsse auch er Gülle abgeben. Und zwar strengstens kontrolliert. Verweise auf Gülle-Importe aus den Niederlanden ärgern ihn auch. Pauschal führten diese in die Irre, denn es könnten auch Lohnunternehmer aus dem Nachbarland im Auftrag deutscher Landwirte tätig sein. Eben mit NL-Kennzeichen. Importe seien vor Jahren ein Problem gewesen, aber jetzt nicht mehr. Es gebe übrigens, so Dyck weiter, auch niederländische Bauern, die in Deutschland Flächen haben. Ralf Terstegen, der mit seinem Bullenmast-Betrieb am Voshövel beheimatet ist, entgegnete Malzbender unter anderem, die Bauern wüssten sehr wohl, wohin mit ihrer Gülle.