Manfred Schramm (piraten): "Grüne wären erste Adresse für mich"

Manfred Schramm (piraten): "Grüne wären erste Adresse für mich"

Nach der Auflösung der Zweckgemeinschaft WWW/Piraten ist Manfred Schramm als einziger Ratsherr kein Mitglied einer Fraktion. Trotzdem will er "aus Überzeugung" bis zur Kommunalwahl 2020 als Pirat weitermachen.

WESEL Manfred Schramm ist es gewohnt, als Solist für die Ziele der Piraten im Weseler Kreistag zu streiten. Seit der Auflösung der Fraktion WWW/Piraten - WWW-Chef Hilmar Schulz hat sich bekanntlich mit seinen Leuten der SPD angeschlossen - ist Schramm nun auch im Weseler Rat als Einzelkämpfer unterwegs. Die RP sprach mit dem zweifachen Familienvater über sein Verhältnis zu Schulz, seine politische Arbeit und Gedankenspiele, sich - früher oder später - womöglich auch einer anderen Partei anzuschließen.

Grüßen Sie Hilmar Schulz eigentlich noch?

Schramm Selbstverständlich.

Gab es mal eine Aussprache zwischen Ihnen?

Schramm Nein.

Sind also beide zur Tagesordnung übergegangen?

Schramm Das kann man so einfach nicht sagen. Es hat in den vergangenen vier Wochen so gut wie keine Begegnung stattgefunden.

Als die RP Sie vor etwas mehr als einem Monat über die Entscheidung von Schulz, die Fraktion aufzulösen und zum 1. Dezember zur SPD zu wechseln, informiert hat, konnten Sie das kaum glauben. Haben Sie denn dann nicht mit Hilmar Schulz irgendwie Kontakt aufgenommen?

Schramm Da ich ihn telefonisch nicht erreichen konnte, habe ich ihn persönlich aufgesucht. Er wirkte auf mich etwa bedrückt und hat erklärt, dass es ihm leidtue und dass er es gerne anders gemacht hätte.

Was haben Sie geantwortet?

Schramm Dass er hätte wissen müssen, dass die Sache rauskommt. Er hat, aus meiner Sicht, den richtigen Zeitpunkt verpasst.

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Als einziges Ratsmitglied gehören Sie jetzt keiner Fraktion mehr an. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre politische Arbeit?

Schramm Ich bin in meinen Möglichkeiten eingeschränkt. Ich kann Anträge verfassen, so viele ich will. Sie werden in den Ausschüssen und im Rat nur dann behandelt, wenn ich vier Mitstreiter finde oder von einer Fraktion unterstützt würde. Ich bin also auf das Goodwill der anderen angewiesen.

Haben Sie nicht daran gedacht, sich einer anderen Fraktion anzuschließen. Im Kreistag hospitieren Sie bekanntlich bei den Grünen. Und mit Ulrich Gorris, dem Sprecher der Grünen in Wesel, verstehen Sie sich.

Schramm Stimmt. Uli ist ein netter Kerl und früherer Schulkollege. Natürlich sehe ich die Grünen im Rat als erste Adresse. Aber wir Piraten sind uns treu und dem Wähler gegenüber loyal. Als Überzeugungstäter kann ich sagen, dass ich bis zur Wahl 2020 als Pirat weitermache.

Am Dienstag halten die Fraktionschefs im Rat ihre Haushaltsreden. Sie haben kein Rederecht, oder?

Schramm Man hat mir klargemacht, dass ich, anders als im Kreis, keine Rede halten kann. Deshalb werde ich mich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit wenden.

Sie stimmen dem Haushalt zu?

Schramm Ich werde dem Etat zustimmen können, klar. So ein Haushalt besteht aus tausenden Facetten, die man nicht alle unterschreiben kann. Aber es ist schwierig, die Stimme zu verweigern. Die Sache sähe anders aus, wenn beispielsweise schon 17 Millionen Euro für das angedachte Kombibad veranschlagt wäre. Da würde ich etwas sagen.

Was sagen Sie zu den Angriffen von CDU und SPD auf den Kämmerer?

Schramm Unsäglich. Ich glaube, das sind parteipolitische Ränkespiele der SPD, um die Grünen in die Schranken zu weisen. Warum die CDU dieses Spielchen mitspielt, weiß ich nicht.

KLAUS NIKOLEI FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)
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