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Kreis Wesel: Gotteskrieger schockiert Dinslaken

Kreis Wesel : Gotteskrieger schockiert Dinslaken

Dass es sich bei dem 26-jährigen deutschen Islamisten, der per Video im Internet zum "Heiligen Krieg" aufruft, ganz offensichtlich um den Dinslakener Philip B. handelt, hat in seiner Heimatstadt große Betroffenheit ausgelöst.

Besonders an der Ernst- Barlach-Gesamtschule, die Philip B. 2002 nach der neunten Klasse verlassen hat, sorgte der Bericht der Rheinischen Post für viele Diskussionen. Schulleiter Hans-Ulrich Wangerin kann sich noch an den ehemaligen Schüler erinnern, und auch seine frühere Klassenlehrerin hat ihn auf den Bildern aus dem Video gleich wiedererkannt.

Während sich Philip in dem Video in martialischer Pose mit geschulterter Kalaschnikow und Salafisten-Bart präsentiert und unter dem Kampfnamen "Abu Osama" deutsche Muslime auffordert, sich dem "Heiligen Krieg" anzuschließen, ist er in der Schule eher als einer erinnerlich, der gern mal den Klassenclown spielte. Und als schlechter Schüler, der sich wegen seines aufmüpfig störenden Verhaltens eine Schulordnungsstrafe einfing.

Für Politik oder gar Religion hat sich Philip laut Wangerin überhaupt nicht interessiert. Eine Erklärung dafür, wie und warum sich der frühere Schüler zum offensichtlich gewaltbereiten Islamisten gewandelt hat, hat die Schule nicht. "Da müssen sich nach seiner Schulzeit Dinge getan haben, die sich unserer Kenntnis entziehen", sagte Wangerin. Oft sei es ja so, dass Menschen, die keine positiven Erfolge erzielen könnten, ihre persönlichen Erfolge dann im Negativen suchten.

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Grundsätzlich sei Schule nicht in der Lage, solche Dinge zu verhindern. Allerdings könnte seiner Meinung nach an den Schulen durchaus mehr präventive Arbeit geleistet werden "Dazu fehlen uns aber zurzeit ganz einfach die Ressourcen", sagte der Schulleiter. Solange die Politik hier nicht die notwendigen Strukturen schaffe, sei der Schule eine intensive soziale Präventionsarbeit, wie sie notwendig wäre, kaum möglich.

Ein ehemaliger Mitschüler aus der Parallelklasse von Philip B. traf den heutigen Islamisten zuletzt vor rund anderthalb Jahren an einer Tankstelle. "Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Philip dieses Bärtchen getragen und so eine Gebetsmütze aufgehabt. Er erzählte mir, dass er vorhat, bald nach Mekka zu pilgern", berichtet der ehemalige Mitschüler. "Schon damals war es so, dass man mit ihm schnell Probleme bekam, wenn man ihn nicht gut kannte. Er war oft in Schlägereien verwickelt, hat auch was mit Drogen am Hut gehabt und war Gerüchten zufolge auch schon im Gefängnis gewesen."

Beim Treffen an der Tankstelle hatte Philip B. seinem Schulkollegen erzählt, dass er mit einer Türkin verheiratet sei. "Er hatte auch viele türkische Bekannte. Die Verständigung war kein Problem, schließlich sprach Philip beinahe fließend türkisch", erinnert sich sein ehemaliger Mitschüler.

Dinslakens Bürgermeister Dr. Michael Heidinger geht davon aus, dass es sich bei Philip B. um einen Einzelfall handelt. "Dennoch", so sagte er, "sind wir gefordert, aufmerksam zu sein. Und das sind wir auch." Die Stadt arbeite eng und intensiv mit der Polizei zusammen. Bislang gebe es keine Erkenntnisse, dass sich in der Stadt eine gewaltbereite islamistische Szene entwickle.

Auf Facebook hat die RP-Berichterstattung über Philip B. eine angeregte Diskussion ausgelöst. In der Gruppe "Wenn du in Dinslaken aufgewachsen bist, dann . . ." gingen in kurzer Zeit mehr als 130 Kommentare ein. Es herrschte Kopfschütteln und Entsetzen über die Mission von "Abu Osama"; Thema war zudem das Verhältnis von Islam und Islamisten.

(RP)