Wesel: Gospel Stars im Dom - ohne bei Schlägerei verletzten Chef

Wesel : Gospel Stars im Dom - ohne bei Schlägerei verletzten Chef

Fast wäre das lange geplante Event mit den New York Gospel Stars im Willibrordi-Dom am Mittwochabend abgesagt worden, denn der Chef und musikalische Leiter Craig Wiggins war kurzfristig ausgefallen - ausgerechnet im Jubiläumsjahr, denn der Chor besteht 2018 zehn Jahre und ist auf großer Deutschland-Tournee. Wie zu erfahren war, ist Grammy-Preisträger Wiggins (47) am Dienstag mit einem anderen Chor-Musiker in einem Bochumer Hotel aneinandergeraten. Wiggins wurde daraufhin schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Der andere Beteiligte (27) wurde verhaftet. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Aber auch ohne den Leiter gab es eine gute, rund zweistündige Show. Die beiden Sänger Ahmed Wallace und Tyron Flowers und ihre vier Kolleginnen Matia Washington, Alison Mitchell, Latoya Duggan und Brianna Turner lieferten ein großartiges Gesangserlebnis. Pianist Eugene Reid begleitete die Sänger.

Sowohl zusammen, als auch als Solisten glänzten alle. Was das Publikum zu hören bekam, war schon klasse, obwohl der Chor Auftritte in über 82 Städten hinter sich hatte. Pure Lebenslust war kombiniert mit tiefen, ausdrucksstarken und religiösen Gedanken. Es gab eine gut durchdachte Auswahl an traditionellen und modernen Gospels, zusammengesetzt im Stil von Jazz und Soul. In der ersten Hälfte des Konzerts trat die Gruppe mit ihren tiefblauen Roben auf, während sie nach der Pause im festlichen Outfit zu sehen waren. Einzigartig war die Nähe zum Publikum: Für die Sänger ist es wichtig, den Menschen die "Frohe Botschaft" zu vermitteln.

Mit bekannten Gospelliedern wie "Amen", "Oh when the saints", oder "Oh Happy day" bezogen sie die Menschen ein. Das machte das Konzert noch emotionaler. Herrliche Soli wie der von Ahmed Wallace und Tyron Flowers gesungene Welt-Hit "I believe, I can fly" rissen zu Beifallsstürmen. Die klaren Tenorstimmen wirkten leicht, weich und doch sehr beweglich. Jetzt war das Publikum im Weseler Willibrordi-Dom voll dabei. Es klatschte, pfiff und trampelte. Begeisterung beim Solo der Jüngsten, Brianna Turner, die zum ersten Mal mitsang. Ruhige Balladen und neuere Songs, die von den Kirchenbänken rissen, ergaben eine runde Sache. Immer mehr Hände ragten nun in die Höhe, immer mehr wurde rhythmisch mitgeklatscht und gesungen. Das kann nur die Gospelmusik.

(RP)
Mehr von RP ONLINE