Glockenspiel des Weseler Doms nach Blitzschaden wieder im Dienst

Willibrordi-Dom : Glocken läuten 59 Tage nach Blitzeinschlag wieder

Vom Dach des Weseler Willibrordi-Doms erklingen wieder Lieder. Die am 19. Juni bei einem Unwetter getroffene Elektronik ist repariert.

Das Glockenspiel funktioniert wieder. Zwei Monate hatte das beliebte Instrumentarium auf dem Dach des Willibrordi-Doms geschwiegen. Am Freitagmittag meldete es sich klangvoll zum Dienst zurück. Jan Hagelaar (64), Wartungstechniker der Hersteller-Firma Koninklijke Eijsbouts Klokkengieterij en Fabriek van Torenuurwerken B.V. aus Asten in den Niederlanden, hat es wieder zum Leben erweckt. Zwei neue und eine reparierte Platine hat er unterm Dach eingebaut, außerdem das Steuergerät in der Schaltkanzel von Küster Volker Blennemann repariert. Dann lief es. Die Erinnerung an die erschreckende Ursache ist noch da.

Mit einem lauten Krachen war am Abend vor Fronleichnam, am 19. Juni, kurz vor 19 Uhr in einem Unwetter ein Blitz in Wesels „grote Kerk“ eingeschlagen. Die Bilder vom Großbrand der Kathedrale Notre-Dame in Paris waren da noch nicht verblasst. Die Evangelische Kirchengemeinde Wesel kam zu dem Schluss, dass es wohl der Blitzschutzanlage zu verdanken war, dass am Dach und am Mauerwerk des Doms keine Schäden entstanden. Die enorme Energieentladung hatte wesentlich die elektrischen Anlagen getroffen. Schmorgeruch und Funkenflug beim Einschalten mancher Geräte wurden damals geschildert.

Jan Hagelaar, Wartungsmonteur des Glockenspiel-Herstellers Eijsbouts, hat auch das Steuergerät in der Küster-Kanzel repariert. Foto: Fritz Schubert

Unterdessen ist Vieles wieder in Ordnung gebracht worden. Finale Reparaturen an der großen Marcussen-Orgel stehen noch aus. Auch an ihr waren die elektronische Speicher- und Steuereinheit betroffen. Die dänische Orgelbaufirma Marcussen hat bekanntlich provisorischen dafür gesorgt, dass das Instrument wieder manuell bespielbar wurde und nicht lange auf Kirchenmusik verzichtet werden musste, aber die technische Untersützung für Organist Ansgar Schlei fehlt noch.

Jan Hagelaar gelang die Wiederbetriebnahme des Glockenspiels am Freitagvormittag recht zügig. Seit 43 Jahre ist für die renommierte, nach eigenen Angaben weltgrößte Glockengießerei und Turmuhr-Fabrikation Eijsbouts tätig, betreut allein 200 bis 300 Anlagen – die genaue Zahl weiß er nicht – in der Provinz Limburg, Belgien und Deutschland. Am Sitz in Asten (Provinz Noord-Brabant) ist er fast nie tätig. Das Einsatzgebiet von Hagelaar und seinen Kollegen reicht rund um den Globus.

Das Weseler Glockenspiel blickt jetzt übrigens auf genau 25 Jahre zurück. 1994 markierte es den äußeren Schlusspunkt für den Wiederaufbau des Willibrordi-Doms nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Die musikalische Tradition wird erklingen – so viel steht jetzt fest.

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