Ginderich: Gemeinde St. Peter Büderich informiert zu Missbrauchsvorwurf

St. Ulrich Alpen : Gemeinde informiert zu Missbrauchsvorwurf

Die gegen einen verstorbenen Pfarrer von St. Peter Büderich erhobenen Vorwürfe sorgen für Verunsicherung.

Die Anschuldigungen gegen den früheren Pfarrer S. wiegen schwer – jetzt reagiert die katholische Pfarrgemeinde St. Ulrich Alpen, zu der Ginderich und Büderich gehören, mit einer Informationsveranstaltung. Pfarrer Dietmar Heshe will am Donnerstag, 23. Mai, um 19 Uhr, im Pfarrheim St. Peter, Pastor-Bergmann-Straße, seine Gemeinde über das in Kenntnis setzen, was er über das Geschehene vom Bistum erfahren hat. Der Fall soll sich Anfang der 80er Jahre in Warendorf ereignet haben. Neben Mitgliedern des Seelsorgeteams werden an dem Abend auch Vertreter des Bistums Münster anwesend sein.

Zum Hintergrund: Der 2018 verstorbene Pfarrer S. der Gemeinde St. Peter Büderich soll in früheren Jahren während seiner Zeit als Priester in Warendorf nach einem seelsorgerischen Gespräch einen damals 20-Jährigen gebeten haben, sich zu entkleiden. Dem leistete der junge Mann Folge. Später soll Pfarrer S., der in einem Reeser Stadtteil geboren wurde, dem jungen Mann Liebesbriefe geschrieben haben. Jetzt, im Alter von 58 Jahren, 38 Jahre nach der Tat, wandte sich der Mann an die Öffentlichkeit, an Bistum und Presse. Das Bistum selbst schrieb in seiner Mitteilung vom Dienstag von „Missbrauchsvorwürfen“.

Juristisch gilt die Frage des Missbrauchs als diffizil: Der Mann war damals 20 Jahre alt, also volljährig. Wurde er in ein psychisches Abhängigkeitsverhältnis zum Pfarrer gebracht, entschied er also nicht aus freiem Willen? Auf Anfrage teilte eine Sprecherin des Bistums mit: „Der Begriff ‚Missbrauch’ wurde verwendet, weil der Betroffene das Geschehen als unangemessen und übergriffig empfunden hat.“

In St. Peter Büderich ist die Bestürzung über die Nachricht groß. Pfarrer S., der im vergangenen Jahr verstorben ist, war von 1983 bis 2003 in Büderich tätig. Von 1995 bis 2003 war er ebenfalls Pfarrverwalter in der damaligen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt in Ginderich. Ein Mitglied des Kirchenvorstands sagte unserer Redaktion, dass ihm von ähnlichen Anschuldigungen in Büderich/Ginderich nichts zu Ohren gekommen sei. Es habe dahingehend keine Meldungen gegeben.

Pfarrer Dietmar Heshe, Supervisor in St. Ulrich ist um weitere Aufklärung bemüht – und unterstützt damit auch die Interessen des Bistums Münster und des Bischofs Felix Genn um Aufklärung. Pfarrer Heshe schreibt in seinem Brief an die Gemeinde, dass das Bistum mit den Vorwürfen offen umgehen werde, um weiteren Betroffenen die Möglichkeit zu geben, sich zu melden. „Was geschehen ist, können wir nicht ungeschehen und wieder gut machen. Aber vielleicht können wir informieren, hören und da, wo es möglich ist, auch helfen. Das sind wir vor allem den unmittelbar Betroffenen schuldig“, schreibt Heshe in seinem Brief. „Die Nachricht über den Vorwurf gegenüber den ehemaligen Pfarrer wird sicherlich einige Erschütterung auslösen und viele werden den Wunsch nach Information, Klärung und Gespräch haben.“

Sofern weitere Personen von Missbrauch betroffen sein sollten, darüber Kenntnis und/oder Gesprächsbedarf haben, stehen seitens des Bistums unabhängige Ansprechpersonen zur Verfügung. Bernadette Böcker-Kock (0151/63404738) und Bardo Schaffner unter (0151/43816695) stehen zur Verfügung. In St. Ulrich stehen Pastoralreferentin Katharina van Meegeren (02802/80028019), die Präventionsbeauftragte Christel Spitz-Güdden (02802/8072762) sowie Pfarrer Dietmar Heshe zur Verfügung.

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