Ginderich: Fürbittbuch in der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt

Fürbittbuch in der Gindericher Wallfahrtskirche : Seiten voller Wünsche und Hoffnung

Das Fürbittbuch in der Gindericher Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt wird von vielen Besuchern genutzt, um ganz persönliche Gedanken hineinzuschreiben.

Draußen ist es nasskalt und düster – ein typischer Wintertag am Niederrhein. Drinnen dagegen fühlt man sich willkommen. Es brennen lauter Lichter, die eine anheimelnde Atmosphäre verbreiten. Die kleinen Kerzen haben Besucher der Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt in Ginderich angesteckt und damit den Lichterbaum aus Metall zum Strahlen gebracht.

Maria, Königin des Friedens, thront dahinter. Die Statue aus dem 14. Jahrhundert ist das Ziel der Pilger, die hier ihre Sorgen und Nöte loswerden können, zum Beispiel im Gebet. Dazu liegt auf einem Ständer auch ein Fürbittbuch mit Kugelschreiber bereit, in das jeder ein paar Sätze schreiben kann, wenn er es möchte. Und es sind einige, die davon Gebrauch machen.

Das Gnadenbild, das die Wallfahrer im 12. Jahrhundert in der klevischen Bauernschaft „Gendrich“ ansteuerten, war allerdings ein anderes, ein uraltes Mirakelbild, wie Heinrich Henrichs, Vorsitzender des Wallfahrtsausschusses, weiß. Es zeigte die Gottesmutter, Unsere liebe Frau. Ein Mirakel ist ein Wunderwerk, und auf Wunder hofften die Pilger hier einst und heute. Sie suchten etwa Heilung von der Pest bei „Onser Lieven Vrouwen tot Gynderick“, wie es damals hieß.

Das Gnadenbild Königin des Friedens. Hier schöpfen viele Menschen Kraft und Trost. Viele zünden bei ihrem Besuch eine Kerze an und setzen sie auf den Lichterbaum davor. Foto: NRZ/Markus weissenfels

Die Menschen kommen längst nicht nur in der Wallfahrtsaison von Mai bis Oktober mit ihren Hoffnungen und der Bitte um Erhörung. Viele hatten und haben das Gefühl, dass dies am Ende so war und ist. Manche sollen gar geheilt worden sein, auch wenn von konkreten Wundern heute niemand mehr etwas weiß.

Damals sprachen sich solch unglaubliche Wendungen schließlich bis in die Erzdiözese Köln herum, zu der Ginderich dereinst gehörte. Und so erklärte Erzbischof Philipp von Heinsberg das Dorf im Jahr 1190 zum Wallfahrtsort. In der Urkunde dazu heißt es: „Die Allerseligste Jungfrau und Gottesgebärerin in der Kirche zu Ginderich (...), deren Wunder und tägliche Gnadenerweise dort zahlreich über diejenigen ausströmen, welche sie anflehen (...).“ Wer in dem Fürbittbuch blättert, und das tun immer wieder Menschen in dem Gindericher Gotteshaus, bekommt einen Einblick in das, was die Gläubigen bewegt. Jemand bittet um einen starken Familienzusammenhalt, jemand anderes um Hilfe in der schweren Zeit. Wiederum andere freuen sich über einen guten Pilgertag oder bedanken sich für die Genesung.

„Gib uns allen Gesundheit und viel Gottvertrauen“, hat ein Pilger geschrieben, ein weiterer „Hilf mir und meiner Familie, wieder Frieden und Liebe zu finden“. „Bitte, mach’, dass alles gut wird“, heißt es auf einer Seite, und „Schütze uns alle vor Kriegen, Gewalt, Verzweiflung, Hass“. Ein weiterer Schreiber dankt ganz einfach für den wunderschönen Urlaub.

Noch gibt es viele leere Seiten im Fürbittbuch, das mit dem 1. Johannesbrief 5,14 eingeleitet wird: „Wer nun an Jesus glaubt, kann sich voll Zuversicht an den Vater wenden.“ Weil das alte Buch voll war, wurde es kürzlich ausgetauscht, so dass jede Menge Platz für weitere Einträge ist. Komplett gefüllte Fürbittbücher bewahrt die Katholische Kirchengemeinde St. Ulrich, zu der unter anderem auch Ginderich gehört, übrigens im Archiv auf.

(P.H.)