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Gesamtschule Schermbeck: Schüler restaurieren Porsche-Traktor in AG

Neue Arbeitsgemeinschaft an der Gesamtschule : Die Rotnase erhält einen neuen Glanz

Schermbecker Gesamtschüler restaurieren einen alten Porsche-Diesel aus dem Jahr 1962 im Rahmen einer neuen AG. Bis Ende des Jahres stehen umfangreiche Arbeiten an dem Fahrzeug an, das von Fans als Traktor-Ikone verehrt wird.

Neun Gesamtschüler der Jahrgänge 8 bis 10 beteiligen sich an der Arbeitsgemeinschaft „Porsche-Traktor“, die sich am Mittwoch im Rahmen ihres ersten Treffens vorgestellt hat. Die Schüler restaurieren einen Porsche-Traktor „Diesel Junior 108 LH“ aus dem Jahr 1962. Das Fahrzeug gehört dem Münsteraner Christian Peter, der früher in Schermbeck wohnte. Er erbte den Traktor von seinem in Baden-Württemberg wohnenden Onkel. Diebe hatten den Traktor gestohlen, doch Peter entdeckte ihn im Internet und erhielt ihn so zurück.

Bei dem Porsche-Traktor handelt es sich um ein Erzeugnis der am 9. Januar 1956 in Friedrichshafen gegründeten Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH. Anfang der 1960er-Jahre ging die Nachfrage nach dem Porsche-Diesel wegen seiner geringen Leistungsstärke stark zurück, sodass die Produktion am 15. Juli 1963 eingestellt wurde. Wegen der kaminroten Farbe hat er von Oldtimer-Fans den Namen „Rotnase“ bekommen. Die auffallende Haube mit ihren für Porsche typischen Rundungen hat dem Porsche-Diesel den in der umfangreichen Porsche-Literatur nachgewiesenen Namen „Traktor-Ikone“ beschert.

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Vor einiger Zeit fragte Peter beim Gesamtschulleiter Norbert Hohmann nach, ob ein Interesse bestünde, diesen Traktor im Rahmen einer AG zu restaurieren. Hohmann, der Techniklehrer Henning Henze und die Didaktische Leiterin Heike Ahr waren begeistert, weil sich die günstige Gelegenheit bot, Schüler mit der Mechanik, Elektrik sowie mit Funktionsweisen von Verbrennungsmotoren einer historischen Landmaschine vertraut zu machen. Nach der Zusage der Gesamtschule stellte Peter beim Land NRW einen Antrag für das Förderprogramm für die Erhaltung und Instandsetzung des verkehrshistorischen Kulturgutes. 18.600 Euro wurden genehmigt.

Die Achtklässler Mus Fehr, Paul Grotendorst, Kai Augustynak, Julius Bergermann und Levi Tebartz, die Neuntklässler Lennert Wester, Maximilian Rimpel und die Zehntklässler Leon Ossing und Luca Wartenberg bestätigten durch ihre Anmeldung zur Technik-AG, dass technische Berufe bei Mädchen nach wie vor nicht sehr beliebt sind. Da in der Schule an der Schlossstraße kein geeigneter Raum mit der für die Restaurierung nötigen Hilfsmittel zur Verfügung stand, war die Gesamtschule sehr froh, dass ihr ehemaliger Schüler Daniel Böwing einen Teil der Werkstatt des Autohauses Ford Böwing an der Erler Straße zur Verfügung stellte. Dort treffen sich die Schüler mit ihrem Lehrer Henning Henze nicht nur mittwochs, sondern ab und zu auch samstags.

Unterstützung gibt es dabei von zwei externen Fachleuten. Als Mitglied und jetziger Leiter der Weselerwalder Erntegruppe, einer Abteilung des Heimatvereins Weselerwald und Umgebung, hat sich Harald Hüfing in 30 Jahren zu einem Porsche-Fachmann entwickelt. Auch der diplomierte Maschinenbauer Dieter Schönberger von den Oldtimerfreunden Schermbeck freut sich, sein Wissen und seine Fähigkeiten an junge Menschen weiterzugeben.

Bis Ende 2022 sollen die Restaurierungsarbeiten dauern. „Die Schüler verschiedener Jahrgänge lernen die Zusammenarbeit“, nennt Heike Ahr als einen wesentlichen Vorteil. Das Projekt biete die gute Möglichkeit, die Affinität zum Handwerk im ländlichen Raum zu stärken. Die Schule freue sich, dass den Schülern ein starker Praxisbezug ermöglicht werde. „Die Schüler lernen Inhalte der Mechanik und Elektronik ebenso kennen wie Aufgaben eines Karosseriebauers und Landmaschinentechnikers“, nennt Henning Henze einen weiteren Vorteil.

Wie vielseitig die Arbeiten sind, die von den Schülern in den nächsten Monaten erwartet werden, wird bei seiner Auflistung deutlich. Sie lernen unter anderem, wie man ein Ganzes in seine Einzelteile zerlegen kann, wie man Anbauteile demontiert, die Zündanlage austauscht, die Bremsanlage erneuert und einzelne Karosserieteile instandsetzt. In einem ersten Teil befasst sich die AG unter Zuhilfenahme von einschlägiger Literatur mit dem Traktormodell und seinen Besonderheiten. Anschließend wird die Grundreinigung des Traktors durchgeführt, bei der Ölschlamm und Schmutz entfernt werden. In einem nächsten Schritt beginnt die weitgehende Demontage des Schleppers. Karosserieteile werden abgeschliffen. Der alte Lack wird ebenso entfernt wie Rost. Durchgerostete Stellen werden ausgebessert. Einzeln demontierte Karosserieteile werden zur Weiterbearbeitung einer Lackiererei übergeben, die eine Sandstrahlbehandlung und die Neulackierung vornimmt. Eine Reifenwerkstatt wird die Reifen für die Lackierung der Felgen abziehen und danach wieder aufziehen. Die vorderen Reifen werden dabei ausgetauscht. Im Zuge der Demontage des Schleppers bauen die Projektteilnehmer unter Anleitung defekte Teile aus, die schließlich bei der späteren Montage durch neue Teile ersetzt werden. Insbesondere der Motor wird einer Revision unterzogen und überholt. Undichte Stellen, aus denen Öl austritt, werden im Wege der Montage des Schleppers abgedichtet.

Christian Peter stellt den restaurierten Traktor nach Beendigung des Projektes für die Ausstellung bei Schulfesten zur Verfügung. Auch die Oldtimerfreunde Schermbeck und die Erntegruppe Weselerwald dürfen die „Rotnase“ bei ihren Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich machen.