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Gericht in Wesel: Mann nach tödlichem Arbeitsunfall bei Max Bögl verurteilt

Mitarbeiter der Firma Max Bögl starb : Mann erhält drei Monate auf Bewährung nach tödlichem Arbeitsunfall

Am 20. November stürzte in Hamminkeln eine 1000 Kilogramm schwere Wand auf einen 35-jährigen Mitarbeiter der Firma Max Bögl. Im Prozess vor dem Amtsgericht in Wesel beschrieben Kollegen, wie es zu dem Unfall kam.

Eine kleine Unachtsamkeit kostete einem langjährigen Mitarbeiter der Firma Max Bögl in Hamminkeln am 20. November 2019 das Leben. Bei dem tragischen Arbeitsunfall in einer Produktionshalle für Betonelemente wurde das 35-jährige Opfer von einer umstürzenden Schalwand erschlagen. Alle Rettungsversuche seiner Kollegen und der Rettungskräfte blieben erfolglos.

Wegen fahrlässiger Tötung musste sich nun ein 33-jähriger Tischler verantworten, der letztlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt wurde. Ihm wurde vorgeworfen, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben, wodurch die etwa 1000 Kilogramm schwere Wand nicht gesichert war und seinen Kollegen unter sich begrub.

Schon unmittelbar nach dem Unglück hatte der Angeklagte gegenüber einer Polizistin spontan geäußert, die Wand sei nicht gesichert gewesen: „Ich habe es vergessen!“ Auch der 33-Jährige hatte das Unglück nicht selbst miterlebt, die Vernehmung von rund einem Dutzend Zeuge brachten aber in der fast dreistündigen Verhandlung ein relativ klares Bild des Geschehens.

Der Beschuldigte und das Opfer hatten gegen 10 Uhr an dem Unglückstag gemeinsam die etwa 1,50 Meter hohe und 18 Meter lange Schalwand per Hallenkran ein paar Meter versetzen wollen. Der Angeklagte steuerte den Kran, sein Kollege half von Hand mit, die Wand an die gewünschte Position zu lenken. Als die Wand abgesetzt wurde, hätte der 33-Jährige erst die Ketten des Krans lösen dürfen, nachdem eine doppelte Sicherung der Wand mit Bügeln und Keilen erfolgt ist. Unstrittig ist diese offenbar vergessen worden.

Nachdem der Angeklagte es zunächst vorgezogen hatte, zu schweigen, schilderte er dann zum Ende der Beweisaufnahme doch noch seine Sicht der Dinge. „Ich hatte die Wand abgesetzt und mich dann durch Rütteln mit der Hand noch mal vergewissert, ob sie stabil steht“, sagte er. „Dann habe ich die Kette gelockert und meinem Kollegen zugerufen: ,Du machst fest!’“. Für ihn sei damit klar gewesen, dass das spätere Opfer nun die Sicherung der Wand per Bügel und Bolzen übernehme. „Ich habe dann ausgehängt, als er sich auf den Weg gemacht hat, um festzumachen“, erklärte der Angeklagte, der anschließend die Halle verließ, um in der Schreinerei weiterzuarbeiten. Erst rund 30 bis 40 Minuten später sei er dort angerufen worden, weil die Wand umgestürzt sei.

Gegen 10.30 Uhr bemerkte ein weiterer Kollege den schrecklichen Arbeitsunfall und hob die Wand mit Hilfe weiterer Kollegen per Kran wieder an. Sofort wurden die Rettungsmaßnahmen eingeleitet – auch ein Hubschrauber eilte zum Unfallort. Doch für das Opfer kam jede Hilfe zu spät: Der 35-Jährige starb an den Quetschungen.

Im Februar 2005 hatte die Firmengruppe Max Bögl das frühere Fertigteilwerk von Hochtief in Hamminkeln übernommen. Bekannt wurde Max Bögl durch sein erfolgreiches Engagement beim Bau des Transrapids in China. Ein Grund für die Übernahme von Hochtief in Hamminkeln war seinerzeit, dass das Unternehmen über langjährige Erfahrung in der sogenannten Tübbingproduktion für Tunnelbauprojekte verfügt.

Diese Spezialität des Fertigteilwerkes sind hochpräzise, zehntelmillimetergenaue Teile, die beim Bau von U-Bahn-Röhren, Straßentunneln oder Eisenbahnunterquerungen eingesetzt werden. Ein weiteres Markenzeichnen des Werkes sind konstruktive Fertigteile für Geschäfts- und Industriebauten. Von Hochtief kamen übrigens auch die Fertigbauteile für das Stadion von Borussia Mönchengladbach.

(jok/kwn)