Gerd Stevens ist tot: Trauer um den Baumeister von Mehrhoog 

Gerd Stevens ist tot : Trauer um den Baumeister von Mehrhoog

Wenige Tage nach seinem 99. Geburtstag ist der Mehrhooger Architekt, Kommunalpolitiker und Heimathistoriker Gerd Stevens verstorben.

„Gerd Stevens hat das Dorf Mehrhoog über viele Jahrzehnte geprägt“, schreiben CDU-Vorsitzender Norbert Neß und Heinz Breuer, Vorsitzender der Senioren-Union.

Stevens gilt als „Baumeister von Mehrhoog“. Zu seinen Projekten zählten der Wiederaufbau der katholischen Pfarrkirche in Mehr, der Bau der katholischen Kirche Heilig Kreuz in Mehrhoog, das dortige Gemeindezentrum mit Pfarrheim, Pfarrhaus, Kindergärten und Schulen in Mehr und Mehrhoog sowie viele öffentliche und private Gebäude im gesamten Kreisgebiet. 2018 wurde er mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland ausgezeichnet.

Fast 70 Jahre war er als CDU-Mitglied aktiv, Stevens gründete den Ortsverband Mehrhoog. Den ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte er persönlich erlebt, erinnerte sich gern anekdotisch an den „Alten“, der stets fragte, ob jemand im Raum älter war als er selbst. Wenn alle verneinten, habe Adenauer die Sitzungsleitung übernommen. Für viele CDU-Aktive und Kommunalpolitiker in Mehrhoog und Hamminkeln hatte Stevens die Rolle des Ältesten, der mit Erfahrung und Kompetenz ein wertvoller Ratgeber war. Für 65-jährige Mitglied­schaft wurde er 2017 mit einer besonderen Urkunde geehrt, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel und CDU-Landeschef Armin Laschet persönlich unterschrieben war. Der CDU-Ortsverband Mehrhoog ernannte ihren Gründer zum Ehrenvorsitzenden.

Breuer verwies darauf, dass Stevens bis vor kurzem noch regelmäßig an den Veranstaltungen und Treffen der Senioren-Union teilgenommen hatte. „Auch mit weit über 90 Jahren war er zuverlässig bei den Mittwochstreffen der Vereinigung dabei“, so Breuer. Stevens gehörte vor 25 Jahren auch zu den Mitgründern der Senioren-Union.

Erst kürzlich war der von Stevens verfasste Erzählband über die Geschichte Mehrhoogs neu aufgelegt worden. Er „hat die Geschichte und viele Entwicklungen festgehalten, die er in vielen Jahrzehnten maßgeblich mitgestaltet und geprägt hat“, resümierte Breuer.

In dem Büchlein „Mehrhoog, ein Flecken Niederrhein“ beschrieb Stevens auch die Entstehung der Legende vom Sandhasen, der die sandige und teils karge Landschaft um das Dorf geprägt hat. Sich selbst bezeichnete Stevens auch als „echten Sandhasen“, der gern in platter Mundart rezitierte. Aus seiner Feder stammte das gleichnamige Heimatlied über Mehrhoog.

Stevens wurde am 11. August 1920 in Mehrhoog geboren. Als Politiker gehörte er dem Kreistag in Rees sowie der Landschaftsversammlung Rheinland an. Ebenso war er viele Jahre Mitglied des Rates in Mehrhoog, das zur Gemeinde Haffen-Mehr gehörte, und dort auch CDU-Fraktionsvorsitzender. Später arbeite er als sachkundiger Bürger im Bau- und Planungsausschuss in Hamminkeln mit. Die kommunale Neuordnung 1975, aus der die Stadt Hamminkeln hervorgegangen ist, gestaltete er federführend mit.

Mehr von RP ONLINE