Hamminkeln: Geometrie als mediales Ereignis

Hamminkeln: Geometrie als mediales Ereignis

Die Zukunft in der Pädagogik hat begonnen. Die Heinrich-Meyers-Realschule setzt auf hochintelligente Tafeln, Smart-Boards genannt. Eins hängt zum Trainieren im Lehrerzimmer, ein weiteres kommt vom Förderverein. Jetzt soll die Politik helfen, die Kreide aus Klassenräumen zu verbannen.

"Wer heute noch in Kreide investiert, hat was nicht verstanden." Thomas Fechner, Religionslehrer an der Heinrich-Meyers-Realschule, weiß die Möglichkeiten, die das Smart-Board in der Bibliothek des Lehrerzimmers bietet, wohl zu schätzen. Hier hängt die Zukunft an der Wand: Die elektronische kann unbeschreiblich viel mehr als die herkömmliche Tafel. Schüler lernen nicht nur ihren Stoff mit dem interaktiven Medium auf ganz neue, teils faszinierende Weise. Sie bereiten sich nebenbei und ganz selbstverständlich auf den beruflichen Alltag vor, in der Technik unaufhaltsam voran schreitet.

Daher soll die rund 3000 Euro teure Tafel, die auf Berührung reagiert, kein Solist bleiben. Der Förderverein spendiert ein weiteres Board, das in der Naturwissenschaft zum Einsatz kommen soll. Langfristig möchte Schulleiter Manfred Niespor alle 26 Fachräume mit den hochintelligenten Bildschirmen ausrüsten.

Das setzt Mittel frei

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Fürs erste würde ihm reichen, wenn die Politik der Schule weitere drei Boards bewilligen würde." "Dann wäre der erste Schritt getan, und wir könnten Mathe, Physik, Biologie und Englisch versorgen", so der Rektor, der als Anwalt seiner Schüler hofft, dass nicht der Rotstift die Kommunikation mit dem pädagogisch wertvollen Touchscreen durchkreuzt. Niespor und seine Lehrer, die eifrig mit der Tafel trainieren, betonen, dass die Investition in Boards an anderer Stelle Mittel frei setzt. So seien beispielsweise Rechner-Inseln in den Klassen künftig verzichtbar.

Auch kostspielige Materialsammlungen könnten bald der Vergangenheit angehören. Erdkundelehrer Johannes Pohlabeln muss keine Karten mehr schleppen, damit sich seine Schüler in den Welt orientieren können. Klasse Software für kleines Geld bietet Karten ohne Ende und knapp 1000 Arbeitsblätter, um Stoff gemeinsam erarbeiten, präsentieren und als Muster abspeichern können. Aufwändiges Abschreiben entfällt, das Tafelbild kann ausgedruckt oder zur weiteren Bearbeitung per E-Mail nach Hause verschickt werden. Auch Dreieck, Zirkel und Lineal hinter der Tafel waren einmal. Mit leichten Fingerdruck holt sich Mathe-Lehrer Jörg Hintenberger die Werkzeuge wie von Zauberhand auf den Schirm. Die Vermittlung des Satzes des Pythagoras oder der Strahlensätze wird hocheffizient zu einem medialen Erlebnis. Die völlig neuen Möglichkeiten wären bei aller Zeichenkunst mit Kreide nicht zu haben. Nur eines bleibt: das Schwämmchen. Schließlich gehören Irrtümer zum forschenden Lernen auf ewig dazu und müssen nach neuer Erkenntnis auch auf dem Board ausgewischt werden, um korrigiert zu werden.

(RP)
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