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Gemeindewerke Schermbeck: Mehr Mitbestimmung bei den Gasleitungen

Gemeindewerke in Schermbeck : Mehr Mitbestimmung bei den Gasleitungen

Nach dem Vorbild der Nachbarkommune Dorsten übernimmt die Gemeinde Schermbeck in Zukunft 51 Prozent der geplanten Gemeindewerke. Am Montag wurden die finalen Verträge unterschrieben.

Nach dem Vorbild der Nachbarkommune Dorsten bemüht sich die Gemeinde Schermbeck seit zwei Jahren selbst über die künftige Nutzung und den Ausbau ihrer Infrastrukturnetze zu verfügen. Am Montag wurden die finalen Verträge für die Gründung der Gemeindewerke Schermbeck GmbH & Co. KG im Rathaus vorgestellt.

Bürgermeister Mike Rexforth berichtete über die Zielsetzung der zweijährigen Verhandlungen zur Gründung der Gemeindewerke. In den allermeisten Kommunen ist es üblich, die bestehenden Konzessionsverträge nach Ablauf der Vertragszeiten zu verlängern. Um einen größeren Einfluss auf die künftige Gestaltung der Netze zu bekommen, hat sich die Gemeinde unter anderem bemüht, einen Weg zu finden, um einen 51-prozentigen Geschäftsanteil zur Betreibung des Gasnetzes der Gemeinde Schermbeck zu erwerben. Die laufende Konzession endet im Dezember 2021.

Zwei wesentliche Gründe für die Mitbeteiligung an einem örtlichen Infrastruktur- und Dienstleistungsunternehmen nannte Rexforth. „Wir müssen uns beispielsweise vorbereiten auf die Zeit, in welcher der Betrieb von Ölheizungen nicht verlängert wird”, verwies Rexforth auf den Hauptgrund. Dasselbe gelte für die Frage, wie andere Energieträger – etwa Wasserstoff – zu den Häusern transportiert werden. Entsprechende Vorbereitungen und Antworten auf die Frage, welche Ortsteile von Nutzungsänderungen zuerst betroffen seien, ließen sich besser erledigen, wenn man ein Mitspracherecht habe. „Wir haben dann einen großen Einfluss auf die künftige Gestaltung der Gemeinde”, verwies Rexforth auf bessere kommunale Chancen. Das wirtschaftliche Interesse nannte Rexforth als zweiten Grund für eine kommunale Beteiligung an dem Betrieb und der Instandhaltung der Gasleitung. 

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Derzeit zahle die Gemeinde für ihr bei Banken angelegtes Kapital 0,5 Prozent Strafzinsen. Die Beteiligung an den Gemeindewerken verspricht vier- bis fünfprozentige Zinserträge. „Da kommt im Gemeindehaushalt ein schöner Betrag an”, freute sich der Bürgermeister. Beide Gründe führten dazu, dass der Schermbecker Gemeinderat in seiner Sitzung am 20. April 2021 dem Projekt mit großer Mehrheit zustimmte.

Fachpartner der Gemeindewerke ist die Gelsenwasser Energienetze GmbH (GWN), deren Prokurist Ulrich Linnenbrink am Montag ebenso ins Schermbecker Rathaus kam wie der Geschäftsführer Christian Creutzburg und Jan Paul Hagedorn als Leiter der Betriebsabteilung. „Wir sind total froh über die gute Zusammenarbeit”, bescheinigte Creutzburg der Gemeindeverwaltung in der Rückschau auf den Schermbecker Gasnetz-Ausbau seit den 1980er-Jahren und besonders im Hinblick auf die Beratungen in den letzten zwei Jahren.

Das kommunalrechtliche Anmeldeverfahren sowie eine Prüfung durch das Bundeskartellamt stehen zwar noch aus, aber „wir gehen derzeit davon aus, dass die Gesellschaftsgründung im dritten Quartal vollzogen wird und die Gemeindewerke Eigentümer des Schermbecker Gasnetzes werden“, so Rexforth.

Die beiden Geschäftsführer stehen schon fest. Der 43-jährige Bauingenieur und GWN-Mitarbeiter Hagedorn ist in Bricht aufgewachsen und wohnt jetzt in Schermbeck. Er übernimmt die technischen Aufgaben. Um die kaufmännischen Belange wird sich das Schermbecker CDU-Ratsmitglied Hubert Große-Ruiken kümmern. Der 62-Jährige ist derzeit noch Kämmerer der Stadt Dorsten und kümmert sich nach seinem Eintritt in den Ruhestand im September verstärkt um die neue Aufgabe.

Als Kontrollorgan wird es einen elfköpfigen Aufsichtsrat geben. Fünf Mitglieder gehören zur GWN. Die sechs kommunalen Mitglieder ergeben sich durch einen Verwaltungsmitarbeiter und durch jeweils ein Mitglied der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen. Eine erste Aufgabe für die neuen Gemeindewerke ist schon am Horizont zu erkennen. Im Lichtenhagen gibt es derzeit weder eine Gasleitung noch eine Wasserleitung. Um die Lösung der Gasleitung könnten sich die neuen Gemeindewerke kümmern.