Hamminkeln Gefragt als Mutmacher für Flüchtlinge

Hamminkeln · Der Hamminkelner Sultan Masood Dakik unterstützt mittlerweile Flüchtlingen europaweit. Er will selbst ein Vorbild sein und auch Respekt gegenüber Deutschland weitergeben.

 Sultan Masood Dakik.

Sultan Masood Dakik.

Foto: Malz

Sultan Masood Dakik entstammt dem afghanischen Königshaus, er ist selbst vor Kriegswirren geflüchtet und hat am Niederrhein eine neue Heimat gefunden. Zwei Herzen schlügen in seiner Brust, sagt er, das für seine bundesdeutsche Heimat und das für sein Ursprungsland Afghanistan. Weil der Hamminkelner das Gefühl kennt, herausgerissen zu werden aus seinem Heimatland und in der Ferne einen Neunfang machen zu müssen, ist er gerne Ansprechpartner und Helfer für Flüchtlinge. Mittlerweile hat er europaweit Kontakte zu Menschen, die er unterstützt und denen er vermitteln will, wie man umgehen kann mit den bedrückenden Fluchterfahrungen und wie man sich respektvoll zu integrieren vermag. "Ich möchte auch ein Vorbild geben. Denn niemand flüchtet ohne Grund, und jeder möchte, dass ein Neuanfang gelingt", sagt er.

Gefragt ist oft eine besondere Fähigkeit: Sultan Masood Dakik muss zuhören. Wie bei Moqadas Rasuli, der voll ist mit seinen Fluchterlebnissen und der nicht mehr schlafen kann in Sorge um seine Familie, von der er drei Monate lang nichts gehört hat. Der 31-jährige Afghane, der im belgischen Antwerpen in einer Asylunterkunft lebt, hat seinen Landsmann in Deutschland im Internet gefunden und ihn kontaktiert. Seitdem fährt der Hamminkelner regelmäßig nach Belgien, spricht mit dem 31-Jährigen, kauft für ihn ein und gibt Lebenshilfe, wo es geht. Eine Asylanerkennung kann er ihm aber nicht verschaffen, das ist Sache der belgischen Behörden. "Aber er ist glücklich, in Europa in Frieden zu leben. Doch die Erfahrungen lasten auf ihm. Und die Sorge, wieder abgeschoben zu werden", erzählt Sultan Masood Dakik.

Der Hamminkelner, ein Geschäftsmann und erster Afghane, der Träger des Bundesverdienstkreuzes wurde, gibt bei Hilfsprojekten für Kinder und Flüchtlinge eigene positive Erfahrungen zurück. Auch die, wie man beruflich bestehen kann. In Schweden und den Niederlanden, in Kiel und in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) hat er sich auf Privatbasis um Flüchtlinge gekümmert. Medien haben über seinen Einsatz berichtet, gerade wird eine TV-Dokumentation über Sultan Masood Dakiks Engagement gedreht. Das klingt positiv, doch er beobachtet sorgenvoll die Entwicklung, wenn er an das Lkw-Attentat von Berlin und den Mord an einer Studentin in Freiburg denkt. "Wenn man sieht, dass jemand auffällig wird, muss der Staat Konsequenz zeigen und schnelle Entscheidungen treffe, bevor mehr passiert", sagt er. Niemand könne schwere Taten schönreden, und es gebe Leute, die Deutschland nicht respektvoll genug begegneten. Aber die Folgen dürften nicht die treffen, die vor Gewalt und Krieg geflüchtet seien und Unterstützung benötigten. Denen will er weiter helfen. Unabhängig von Herkunft und Religion.

(RP)
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