Wesel Gefangen im Eis-Kanal

Wesel · Hinter der Schleuse Friedrichsfeld türmen sich die Eisschollen. Die Binnenschifffahrt im westlichen Teil des Wesel-Datteln-Kanals liegt lahm. Oberhalb des Tores warten sieben Schiffe. Ein Rundgang.

Winterfreuden in Geldern, Kevelaer und dem Umland
10 Bilder

Winterfreuden in Geldern, Kevelaer und dem Umland

10 Bilder

Eiszapfen hängen an den schwarz-gelben Toren der Schleuse Friedrichsfeld. Hinter der kleinen, 110 Meter langen Kammer türmen sich Zentimeter dicke Eisschollen. Das Tor zum Rhein ist zugefroren — die Binnenschifffahrt auf dem Wesel-Datteln-Kanal sprichwörtlich auf Eis gelegt. Schleusenbeamter Michael Rupprich und Meister Jürgen Storm kontrollieren an diesem Morgen die kleine Kammer.

"Die Schollen stammen von unserem letzten Versuch, die Schleuse in Betrieb zu nehmen", erklärt Rupprich. "Dabei hat das heranströmende Wasser das Eis direkt vor die Schleuse geschoben." Seit Dienstag ist die große Kammer der Schleuse Friedrichsfeld außer Betrieb. Am Mittwochabend entschieden Fachleute des Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg-Meiderich, auch die kleine Kammer zu schließen. "In Hünxe sieht es ähnlich aus", sagt Jürgen Storm. "Auch dort sind beide Schleusen zugefroren."

Warten auf Tauwetter

Einige hundert Meter weiter — im Oberwasser des Kanals — sitzen Freek Beugelink und seine MS "Silvia" fest. Seit drei Tagen liegt das Küstenmotorschiff aus Amsterdam kurz vor der Schleuse Friedrichsfeld. "Als wir ankamen, wurde gerade das letzte Schiff geschleust", sagt der 54-jährige Niederländer. "Dann war Feierabend." Seitdem warten Beugelink, Frau Silvia und Hund Teddy auf Tauwetter. "Dieser Ballast muss so schnell wie möglich raus", erklärt der Niederländer und zeigt mit dem Finger auf einen dicht vereisten Frachtraum. "Um mein Schiff schwerer zu machen, habe ich Wasser geladen. Das ist jetzt natürlich auch gefroren." Normalerweise finden im Frachtraum rund 1400 Tonnen Kohle Platz.

Stillstand kostet 1200 Euro pro Tag

An Bord der MS "Silvia" geht es derweil gemütlich zu. "Wir vertreiben uns die Zeit mit Kaffee trinken und Fernseh schauen", sagt Silvia Beugelink. Lebensmittel und Trinkwasser (1200 Liter) sowie Öl für die Heizung sind reichlich vorhanden. "Wir waren auf dem Weg nach Amsterdam, wollten dort Kohle laden und nach Lünen in Westfalen bringen", erzählt Unternehmer Freek Beugelink. "Dieser Stillstand kostet mich 1200 Euro pro Tag." Sorgen macht sich der 54-Jährige vor allem um den Maschinenraum des Motorschiffs. "Wenn dort aufgrund der Kälte etwas kaputt geht, dann verliere ich 300 000 Euro."

Um das Wohl der gestrandeten Fahrensleute — oberhalb des Kanal-Tores liegen sieben Schiffe — kümmert sich in diesen Tagen Michael Rupprich per Funk. "Auch wenn wir derzeit nicht schleusen können, stehen meine Kollegen und ich im Dienst der Binnenschiffer. Sollten Brennstoffe oder Trinkwasser knapp werden, können wir helfen." Eisbrecher werden zwischen den Schleusen nicht eingesetzt.

Die Sperre auf dem Wesel-Datteln-Kanal kann laut Schifffahrtsamt umfahren werden. Binnenschiffer, die östlich von Hünxe unterwegs sind, können über den Rhein-Herne-Kanal zum Rhein gelangen. Dort gebe es noch keine Behinderungen "Das letzte Mal ist die Schleuse Friedrichsfeld vor elf Jahren zugefroren", sagt Meister Jürgen Storm. "Die beiden Kammern sind immer die ersten im Kanal, weil hier keine Gewässer eingeleitet werden." rp-online.de/wesel

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort