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Gahlen: Mit dem Mofa direkt zum Altar auf der Wiese

Sommerkirche : Auf dem Mofa direkt zum Altar

Der erste Hardter Mofa- und Moped-Gottesdienst fand großen Anklang. Am Ende gab es viel Lob für die Organisatoren.

Mit einem solch lautstarken Lachen hat wohl noch nie ein Gottesdienst in oder an der Friedenskirche auf der Hardt begonnen. Am Sonntag stand der Pfarrer Reinhard Harfst zu Beginn des Gottesdienstes nicht bedächtig aus der vordersten Reihe auf, um zum Altar zu schreiten. Diesmal sauste er mit seinem gelbbraunen Motorroller der Marke Schwalbe im vollen Talar über die Wiese am Gemeindehaus, umkreiste die mehr als 100 Besucher und machte kurz darauf neben dem mit Sonnenblumen und einem Holzkreuz geschmückten Altar Halt.

Beim Beginn des ersten Dorstener Mofa- und Moped-Gottesdienstes der zur Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen gehörenden Friedenskirche auf der Hardt wurde Pfarrer Harfst vom Jugendleiter Patrick Potthast begleitet, der für die Fahrt zum Altar ein grünes Peugeot-Moped benutzte.

Potthast ist stellvertretender Vorsitzender des 2015 gegründeten Mofa-Clubs „Hardt am Limit“, der seit 2018 ein eingetragener Verein ist. Über ihn kamen sich Kirchengemeinde und Mofa-Club näher. Als schließlich auch das Presbyterium zustimmte, stand der Idee für einen ungewöhnlichen Gottesdienst nichts mehr im Wege.

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Die fehlende und wohl auch wenig passende Orgel wurde während des Gottesdienstes durch die Ten-Sing-Band „Komplimente“ ersetzt. Tim Gertitschke, Sam Rudolf, Niklas Berg, Marie Kaschura und Kay Hanke sorgten bei ihrem Open-Air-Auftritt für fetzigen Sound.

Ausgehend von den Versen drei bis 13 des Prediger-Textes „Alles hat seine Zeit“, stellte Pfarrer Harfst seine Betrachtungen unter das Thema „Die Entdeckung der Langsamkeit“. Das Fahren mit den langsamen Mofas, Mopeds und Motorrollern sei ein Kontrapunkt zur heutigen Lebensweise, die auf Effizienz, Perfektion und Schnelligkeit ausgerichtet sei. „Oft sind wir gehetzt“, stellte Harfst fest. Autos würden immer schneller, die Lieferzeit der Pizza schrumpfe immer weiter und selbst der gymnasiale Durchgang sei um ein Jahr gekürzt worden.„Ich habe für mich die Langsamkeit entdeckt“, schilderte Harfst seine Fahrten mit dem Roller vom Wohnort Oberhausen zum Dienstort Dorsten und fügte hinzu, wer von sich sage, er habe keine Zeit, der müsse sich fragen lassen, wer denn eigentlich über seine Zeit bestimmen könne. Zur Philosophie der Langsamkeit passte auch Patrick Potthasts Text über die wundersame Zeitvermehrung als Analogie zu der in der Bibel überlieferten wundersamen Brotvermehrung am See Genezareth.

Am Ende des Gottesdienstes gab es viel Lob von der stellvertretenden Dorstener Bürgermeisterin Christel Briefs für den Mut zu einer neuen Gottesdienstform, bevor sie ihre Erinnerungen an ihre erste Fahrt als 15-Jährige mit einer Kreidler durch Holsterhausen schilderte.

„Supersache! Es könnte ruhig jeden Sonntag so voll sein“, kommentierte Presbyter Dirk Fröscher die Resonanz auf die neue Gottesdienstform und wünschte den Teilnehmern eine unfallfreie Ausfahrt.

Eine bläuliche Dunstschicht lag über dem Wendekreis an der Pestalozzistraße, wo sich die zahlreichen Fahrzeuge sammelten, um mit knatternden Motoren auf den Start durch Christel Briefs zu warten. Die Tour, bei der gemäß dem Lukas-Wort „Siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein“ die langsamsten Fahrzeuge vorne fuhren, führte über die Klosterstraße, den Westwall, die Borkener Straße und Halterner Straße zum Fördergerüst Schacht 2 Fürst Leopold, wo eine Pause eingelegt wurde. Von dort ging es durch Holsterhausen und die Witten Berge bis zur Schermbecker Maassenstraße und am Wesel-Datteln-Kanal zur Gahlener Straße 241 nahe der Autobahnunterführung.

Dort auf dem Gelände des Mofa-Clubs blieb Zeit für Benzingespräche. Den Teilnehmern zwischen 16 und 75 Jahren wurde beim Rundgang ein eindrucksvolles Fahrzeugmuseum geboten. Das reichte von Fahrzeugen der Firmen Schwalbe, Simson und Piaggio über Zündapp, Peugeot und einen blumengeschmückten Tourist bis hin zu Florett, Miele, Kawasaki und Suzuki. Zum Blickfang wurde Sebastian Schneiders BMW R 12 aus den 1930er Jahren. Dieses sandfarbene Wehrmachtsgespann erlebte Erwin Rommels Sahara-Durchquerung beim Afrika-Feldzug der Jahre 1940 bis 1943 mit.