Wesel: Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund

Wesel : Für Hamsterkäufe gibt es keinen Grund

Eine Umfrage hat ergeben: Die Weseler lassen sich von der Empfehlung der Bundesregierung nicht verrückt machen.

Ein Kilo Kartoffeln, die gleiche Menge an Brot, Lebensmitteln in Dosen und Gläsern wie beispielsweise Obst und Gemüse sowie 28 Liter Wasser, sprich: alles, was sich lange hält - das soll eine Person auf Vorrat haben, damit diese im Notfall zehn Tage auskommt, ohne einkaufen zu müssen. Diese Empfehlung ist Teil eines neuen Konzeptes für den Zivilschutz, das Innenminister Thomas de Maizière heute vorstellt. Panikmache im Fall weiterer Anschläge oder bloß Vorsorge wenn Hochwasser droht? Wir haben uns mal in der Weseler Innenstadt umgehört, ob die Bürger ihre Schränke weiter auffüllen.

"Meine Frau und ich kaufen einmal pro Woche ein. Das reicht locker für sieben Tage", sagt Harri Lange. "Außerdem wüsste ich gar nicht, wo ich die ganzen Lebensmittel lagern sollte." Thorsten Henkel sieht das ähnlich. Der Rheinberger hat Nudeln oder einige Dosen vorrätig, zwei Wochen käme er nach eigenen Angaben aber nicht hin. "Einmal die Woche kaufe ich alles ein, was wir brauchen. Wenn dann etwas im Angebot ist, dann nehme ich auch schon mal mehr davon mit", sagt er. Das liege allerdings weniger an den Empfehlungen der Bundesregierung. "Es ist so einfach praktischer, als jeden zweiten Tag einkaufen gehen zu müssen."

Etwas mehr Gedanken macht sich Marian-Paul Kasior. "Drei Tage käme ich wohl mit meinem Vorrat hin", schätzt der Weseler. Da er noch Platz für weitere Vorräte hat, wird er seinen Grundstock aufrüsten. "Wenn die Regierung das empfiehlt, dann wird das einen Grund haben." Auch Inge Makdissi hält es für sinnvoll, etwas mehr zu lagern. Dabei erinnert sie sich an ihre Kindheit. "Bei uns gab es immer einen Vorrat an Kartoffeln. Es wurde auch sehr viel eingemacht und dann im Keller verstaut", sagt sie. Heute sei niemand so richtig auf den Ernstfall eingestellt. Sie werde jetzt aber nicht mehr einkaufen, sondern nach ihrem Gefühl handeln.

"Was ist denn nach den zwei Wochen, wenn mein Vorrat aufgebraucht ist?", fragt sich Panagiotis Karantzimis. Wenn etwas passiere, dann sei das so. Der gebürtige Grieche findet schon, dass ein derartiges Konzept Panik schüren könnte. Er selbst bleibt eher gelassen.

Auch bei Edeka in Obrighoven sowie bei Rewe auf dem Fusternberg bereitet sich niemand für den Fall vor, wenn plötzlich Bürger in Scharen für ihre Hamsterkäufe kämen. "Wir bekommen zweimal in der Woche eine Lieferung, Obst, Gemüse und Milch sogar täglich", heißt es bei Rewe. "Unsere Regale sind immer voll." Nicht anders sieht es bei Edeka aus. Marktleiter Alfred Mäteling erwartet drei bis viermal pro Woche neue Ware und bleibt angesichts der Empfehlung der Bundesregierung total ruhig.

(suko)
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