Wesel: Fruchtbar: Soldaten und Zivis im Einsatz gegen Schilf im Moor

Wesel : Fruchtbar: Soldaten und Zivis im Einsatz gegen Schilf im Moor

Zwei Moore mit insgesamt 11 000 Quadratmeter Fläche in drei Tagen vom Schilf befreit: Das ist ein Rekord, der Bände spricht. Zum einen waren die sieben Soldaten des Fernmeldebataillons aus der Schill-Kaserne und die vier Mitarbeiter der Biologischen Station des Kreises Wesel – darunter Wehr- und Zivildienstleistende – diesmal besonders motiviert. Zum anderen sorgte ein vergleichsweise niedriger Wasserstand für recht leichtes Spiel. Wichtiger aber noch war für Klaus Kretschmer (Bio-Station) die Erkenntnis, dass die seit 2000 regelmäßig am Schnepfenberg im Diersfordter Wald durchgeführten Arbeiten ihre Wirkung zeigen. Denn Schilf hat immer weniger Chancen, sich auszubreiten.

"Eine elende Plackerei"

"Früher haben wir für eins der beiden Moore schon mindestens eine Woche gebraucht", sagte Kretschmer gestern bei den bereits letzten Aufräumarbeiten. Mehr als 40 Planken hatten die Fernmelder um Oberleutnant Niels Werner zum Start herangekarrt gehabt. "Das war eine elende Plackerei", schilderte der Kompaniechef die schweißtreibende Schnittarbeit der gemischten Truppe. Aber die lohnt sich eben, wie man bei einem Gang über die letzten Planken in das Moor schnell sieht. Torfmoos, weißes Schnabelried, Sonnentau, Moorsbeere, Besen-, Glocken- und Rosmarinheide sind hier ebenso zuhause wie Große Moosjungfer (eine Libellenart), Moorfrosch oder Gerandete Jagdspinne.

So sah es nicht immer aus. Nach der letzten Eiszeit lagerte Schmelzwasser Lehm ab und Flugsand schuf Dünen. In Senken blieb Regenwasser wie in einer Badewanne stehen. So entstand über tausende Jahre das Moor. Ein nährstoffarmes saures Milieu. In den letzten vier Jahrhunderten versuchte der Mensch das für ihn wertlose Gebiet durch Entwässerung Richtung Rheinaue nutzbar zu machen. Das entzog den Torfmoosen die Existenzgrundlage. Im Gegenzug wanderte Schilf ein. Dessen Röhrenkonstruktion versorgte den Boden mit Sauerstoff und Bakterien. Deren Zersetzungsarbeit ließ das Moor weiter abnehmen.

Seit neun Jahren aber wirkt in dem Naturschutzgebiet mit EU-bedeutsamen Arten die Pflegearbeit. Und was jetzt ungeregelt aussieht, räumt die Natur auf. Wie Kretschmer erklärte, kann das abgeschnittene Schilf ruhig liegen bleiben. Das Moos wird es bis zum nächsten Jahr komplett überdecken.

(RP)